Seit 1994 ist Alexander Lukaschenko in Belarus an der Macht. 2020 wird er von zahlreichen Staaten nicht mehr als legitimes Staatsoberhaupt angesehen. Ihm wird vorgeworfen, die Präsidentschaftswahl 2020 gefälscht zu haben.
  • Wer ist Alexander Lukaschenko?
  • Wie lebt er privat?
  • Welche Rolle spielt er im Russland-Ukraine-Konflikt?
  • Wie verlief die Präsidentschaftswahl 2020 ab?
Die wichtigsten Infos über den Präsidenten von Belarus findet ihr hier.

Alter, Partei, Ehefrau und Sohn – Alexander Lukaschenko im Steckbrief

  • Name: Aljaksandr Ryhorawitsch Lukaschenka (Deutsch: Alexander Lukaschenko)
  • Beruf: Politiker (Präsident von Belarus)
  • Studium: Agrarwissenschaft, Geschichte
  • Ehefrau: Halina Lukaschenka (getrennt lebend)
  • Kinder: drei Söhne (Dsmitryj, Wiktar und Mikalaj Lukaschenka)
  • Alter: 67 Jahre
  • Geburtstag: 30. August 1954
  • Geburtsort: Kopys, Weißrussische SSR, Sowjetunion
  • Größe: 1,82 Meter
  • Twitter: @realALukashenko

Ehefrau und Kinder – So lebt Lukashenko privat

1975 heiratete Lukashenko Halina Lukaschenka, die er bereits in der Sekundarschule kennengelernt hat. Damals arbeitete sie als Kindergärtnerin, seit 1998 ist sie Abteilungsleiterin des regionalen Exekutivkomitees der Stadt Mahiljou zur Verbesserung der Bevölkerung. Das Paar lebt getrennt lebend: Er in Minsk, sie in Schklou.
Halina und Alexander Lukaschenko haben zwei gemeinsame Söhne: Dsmitryj (geboren 1980) arbeitet als belarussischer Unternehmer, Wiktar (1975) ist wie sein Vater Politiker. Beide Söhne stehen auf der EU-Sanktionsliste. Dsmitryj wegen Wahlbetrugs bei den Präsidentschaftswahlen 2010 in Belarus, Wiktar wegen Menschenrechtsverletzungen.
Alexander Lukaschenko hat noch einen dritten Sohn, von einer unbekannten Frau. Mikalaj wurde 2004 geboren und begleitet seinen Vater seitdem er klein ist auf offizielle Veranstaltungen.

Seit 27 Jahren Präsident – Die Karriere von Lukashenko

Am 10. Juli 1994 wurde Alexander Lukashenko zum ersten Präsidenten des Landes Belarus gewählt. Damals gab es den Verdacht, dass sie Lukaschenko mittels Wahlfälschung gegen seine Mitbewerber durchgesetzt hat, sodass die Wahl von den USA und der OSZE als fragwürdig eingestuft wurde. Fortan ging er gegen die westlich orientierte Presse vor.
Vor seiner Politikerkarriere studierte Lukaschenko Landwirtschaft und Geschichte. Danach war er für die belarusschiche Armee tätig: Von 1975 bis 1977 war er zunächst Assistent eines Offiziers des KGB, danach war er selbst Politoffizier bei einer Panzerkompanie der Sowjetarmee tätig. Nach seinem Einsatz bei der Armee wurde Lukashenko Sekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und unterstützte 1991 den Putsch gegen Michail Gorbatschow. Als einziger Parlamentarier soll er kurz darauf gegen die Loslösung der Weißrussischen Sowjetunion (BSSR) gestimmt haben. 1993 wurde Lukashenko Vorsitzender des parlamentarischen Anti-Korruptionsausschusses.
Seine Amtszeit ist seit jeher geprägt von Korruption, Machenschaften und politischen Repressionen. Nach der Auflösung der UdSSR, wandte sich Lukashenko mit Belarus vom Westen ab und strebte eine Neuauflage der Sowjetunion mit Russland und der Ukraine an. 2001 ließ sich Lukashenko als Präsident bestätigen, obwohl seine Amtszeit abgelaufen war. Politische Gegner wurden zwar von der EU und den USA unterstützt, von der belarussischen Regierung jedoch verurteilt.
2006 sanktionierten die EU und die USA die Regierung um Lukashenko für ihre Dissonanzen und Menschenrechtsverstöße und ließen ihre Konten einfrieren. Auch in den Folgejahren machte Lukashenko durch Machenschaften und Machtmissbrauch auf sich aufmerksam.

Korruption bei den Präsidentschaftswahlen 2020

Am 9. August 2020 fanden erneut Präsidentschaftswahlen in Belarus statt. Alexander Lukaschenko wurde dort für seine sechste Amtszeit als Präsident bestätigt. Die Europäische Union erklärte das Ergebnis als weder frei noch fair. Der Grund: Vor der Wahl ließ Lukashenko seinen größten politischen Kontrahenten, Wiktar Babaryka, verhaften und von der Wahl ausschließen. Nach den Wahlen kam es im ganzen Land zu Massenprotesten mit dem Vorwurf der Wahlfälschung. Mehrere hundert Demonstranten wurden festgenommen und gefoltert. In der Folge einigte sich die EU auf Sanktionen gegen 40 Personen, aufgrund von Wahlfälschung und der Niederschlagung der Proteste in Belarus.

Russland-Ukraine-Konflikt: Diese Rolle spielt Lukashenko

Am 24. Februar 2022 ist Russland in die Ukraine einmarschiert. Seitdem herrscht dort Krieg. Von allen Seiten rückt die russische Armee in das Land – auch von Belarus aus. Präsident Lukashenko beteuerte, dass seine Armee sich nicht am russischen Einmarsch in die Ukraine beteiligt. „Unsere Truppen nehmen an dieser Operation in keiner Weise teil“, sagte Lukaschenko am Donnerstag. Grund zur Sorge besteht dennoch, denn in den vergangenen Wochen fanden gemeinsame „Militärübungen“ russischer und belarussischer Streitkräfte statt. Rund 30.000 russische Soldaten sollen daran beteiligt gewesen sein. Auch russische Atomwaffen könnten in Belarus stationiert werden, befürchtet Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja.
Russland und Belarus pflegen in den letzten Jahren eine enge Beziehung, vor allem im verteidigungs- und wirtschaftspolitischen Bereich kooperieren beide Länder. Lukaschenko gilt außerdem als Unterstützer Wladimir Putins. Somit liegt +der Verdacht nahe, dass Alexander Lukaschenko Russland im Konflikt mit der Ukraine unterstützen könnte. Wladimir Putin hat seinen Amtskollegen in dessen landesinternen Kampf gegen die politische Unabhängigkeit beschützt – jetzt ist Lukaschenko dem Kreml etwas schuldig. Putin gegenüber versicherte Lukaschenko Beistand im Falle eines Angriffs gegen Russland. Zudem habe er mit dem Kremlchef über zusätzliche Waffen „zur Stärkung“ der Westgrenze in Richtung Europa gesprochen.
Am Montag, 28.02.2022, vermelden Berichte, dass sich Belarus womöglich doch in den Krieg zwischen Russland und der Ukraine einschalten könnte. Belarussische Fallschirmjäger sollen den Befehl bekommen haben, am frühen Morgen in die Ukraine zu fliegen, schreibt die ukrainische Agentur Unian. Sollte Belarus die Ukraine angreifen, würde das dem widersprechen, was Lukaschenko dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj noch am Sonntag zugesagt haben soll. Selenskyj hatte erklärt, der belarussische Präsident habe ihm versichert, nicht in den Krieg eingreifen zu wollen.

Verlängerung der Amtszeit Lukaschenkos – Belarussen für Verfassungsänderung

Rund zwei Drittel der Belarussen haben nach offiziellen Angaben für eine vom Staatschef Alexander Lukaschenko vorgeschlagene Verfassungsänderung gestimmt. Diese ermöglicht dem Präsidenten weitere Amtszeiten. „65,16 Prozent der Wähler haben für die Änderungen der Verfassung der Republik Belarus gestimmt“, gab der Vorsitzende der belarussischen Zentralen Wahlkommission, Igor Karpenko, laut russischen Nachrichtenagenturen in der Nacht zum Montag bekannt. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 78,63 Prozent.
Außerdem bindet sie die ehemalige Sowjetrepublik eng an Russland. Mit der Änderung der Verfassung folgt Lukaschenko dem Beispiel des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der 2020 ein Referendum abhielt, das es ihm ermöglichte, bis 2036 an der Macht zu bleiben. Die Verfassung von Belarus soll nach dem Willen Lukaschenkos auch dahingehend geändert werden, dass künftig russische Truppen und Atomwaffen dauerhaft im Land stationiert werden können.

Gespräche zwischen Putin und Lukaschenko

Kremlchef Wladimir Putin hat seine Gespräche mit dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko als „sehr ergebnisreich“ beurteilt. Sein Gastgeber in Minsk wiederum sprach von „konstruktiven und produktiven“ Unterredungen, wie die russische Staatsagentur Tass am Montag nach Abschluss der Gespräche in Minsk berichtete. Unter anderem hätten sich die beiden Staatschefs auf eine Fortsetzung der militärischen Kooperation verständigt, ebenso wie eine noch engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. Im Energiesektor habe es Preisabsprachen gegeben, die Putin jedoch nicht näher erläutern wollte.
Konkret einigten sich die beiden Langzeit-Präsidenten im militärischen Bereich darauf, an gemeinsamen Manövern ihrer Streitkräfte festzuhalten. Zudem werde Russland belarussische Flugzeugbesatzungen für mögliche Einsätze mit Nuklearwaffen ausbilden, sagte Putin.
Nach Überzeugung Putins widersetzten sich sowohl Moskau als auch Minsk erfolgreich dem Sanktionsdruck des Westens und den Versuchen, Russland und Belarus zu isolieren. „Wir koordinieren unsere Schritte zur Minimierung des Einflusses der illegalen Beschränkungsmaßnahmen auf unsere Wirtschaft“, sagte Putin. „Und das machen wir auch ziemlich überzeugend und effektiv.“
Lukaschenko hatte Putin am Vormittag am Flughafen in Minsk auf einem roten Teppich mit Brot und Salz empfangen. Das zeigten Bilder des regierungsnahen belarussischen Telegram-Kanals Pool Perwogo am Montag. Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken sind enge Verbündete, wobei Lukaschenkos Regierung politisch, wirtschaftlich und militärisch völlig abhängig von Moskau ist.
Während die Kontakte der beiden Staatschefs regelmäßig und häufig sind, ist es der erste Besuch Putins in Belarus seit drei Jahren. Vor der Visite hatte Lukaschenko angekündigt, dass es in erster Linie um eine Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit gehen werde. Auf Moskauer Seite trat Kremlsprecher Dmitri Peskow Spekulationen entgegen, dass Russland seinen westlichen Nachbarn zum Kriegseintritt gegen die Ukraine drängen werde.

Vermögen von Lukaschenko – wie viel verdient der belarussische Präsident?

Aufgrund von Wahlfälschung, Menschenrechtsverletzung und Repressionen wurde Alexander Lukaschenko von der EU sanktioniert. Unter anderem wurden seine Konten und die weiterer Parlamentarier eingefroren. Über das Vermögen Lukaschenkos gibt es im Internet keine genauen Hinweise. Dass er aber zu den reichsten Politikern der Welt gehört, zeigen teure Uhren, Autos, Luxusimmobilien und Flugzeugstaffeln.