• Hat Deutschland wichtige Chancen in der Corona-Pandemie verspielt?
  • Die Impfquote sei viel zu niedrig, um gelassen in den Herbst zu gehen, warnt Virologe Christian Drosten.
  • Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat mit Blick auf Herbst und Winter erneut eindringlich zu mehr Corona-Impfungen aufgerufen.
  • Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen derweil an.
  • Wie hoch ist die aktuelle Impfquote in Deutschland?
Angesichts der stockenden Impfungen in Deutschland werden Warnungen vor einer kritischeren Corona-Lage in den kommenden Monaten lauter. Mediziner befürchten im Herbst eine erneute starke Belastung der Intensivstationen, sollte das Impftempo nicht schnell anziehen.

Zu niedrige Impfquote: Spahn ruft auf, Impfangebote anzunehmen

Gesundheitsminister Jens Spahn und die Praxisärzte riefen dazu auf, Impfangebote anzunehmen. „Wir brauchen noch mindestens 5 Millionen Impfungen für einen sichereren Herbst und Winter“, schrieb der CDU-Politiker am Samstag bei Twitter mit Blick auf vollständige Impfungen.

Impfquote Deutschland aktuell: Wie viel Prozent sind geimpft?

Vollständig mit der meist nötigen zweiten Spritze geimpft sind laut Spahn nun 50,9 Millionen Menschen in Deutschland oder 61,2 Prozent der Bevölkerung. Mindestens eine Impfung bekommen haben knapp 54,7 Millionen Menschen oder 65,7 Prozent aller Einwohner. Eine gute Übersicht über den aktuellen Stand der Impfungen gegen Corona bietet auch das Impfdashboard.

RKI-Bericht zu Impfung in Deutschland in den Altersgruppen

Im August nahm die Impfquote nur noch um rund zehn Prozentpunkte zu. Nach dem jüngsten Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) haben in der Bevölkerung über 60 Jahre 83 Prozent den vollen Impfschutz. Bei den Erwachsenen zwischen 18 und 60 Jahren liegt die Quote bei 65 Prozent. Bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 sind es 21 Prozent.
Nach RKI-Berechnungen müssen aber mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft sein, damit eine ausgeprägte neue Welle mit vollen Intensivstationen im Herbst und Winter unwahrscheinlich wird.

Drosten: Gute Impfquote in Deutschland so kaum zu schaffen

Hauptgrund für die Impfmüdigkeit in Deutschland ist aus Sicht des Berliner Charité-Virologe Christian Drosten eine gewisse Gleichgültigkeit in der Bevölkerung. Das sagte er im Podcast „Das Coronavirus-Update“ von NDR Info (Freitag). Deutschland werde deshalb im Herbst „mit Sicherheit“ wieder Kontaktbegrenzungen brauchen. Gelassen in den Herbst zu gehen, sei eine gewagte Vorstellung.
Er gehe jedoch nicht davon aus, dass Deutschland über Ansprache der Bevölkerung mit der Impfquote noch viel weiter komme, sagte Drosten dem Sender. „Und darum glaube ich, dass die Politik eine schwere Aufgabe vor sich hat und konsequent auch Entscheidungen treffen muss bald.“
Man könne versuchen, die Dringlichkeit von Impfungen in Deutschland zu vermitteln, sagte der Virologe. „Es gibt eine grundsätzliche Offenheit. Ich würde nur ganz wenigen nicht geimpften Personen im Moment unterstellen, dass die jetzt vollkommen verrückte Geschichten glauben.“ Manchmal sei es eher eine gewisse Gleichgültigkeit, die eine Entscheidung für die Impfung verhindere.

Impftempo in Deutschland sei zu niedrig: Überlastung der Kliniken befürchtet

Spahn sagte der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Samstag): „Die Impfquote ist noch zu niedrig, um eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern.“ Die Infektionszahlen bei Ungeimpften seien mehr als zehn Mal höher als bei Geimpften, 90 Prozent der Covid-Patienten auf Intensivstationen seien ungeimpft.