DIE WHO hat wegen Ausbreitung der Affenpocken den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Dieser gilt weltweit. Dies teilte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Samstag bei einer virtuellen Pressekonferenz mit. "Ich habe entschieden, dass der weltweite Ausbruch der Affenpocken einen öffentlichen Gesundheitsnotstand internationaler Tragweite darstellt", erklärte Ghebreyesus. In rund 75 Ländern weltweit seien bislang knapp 17.000 Krankheitsfälle registriert worden.

Affenpocken mit Risiko einer weiteren internationalen Ausbreitung

Zur Begründung der Entscheidung hieß es in einer WHO-Mitteilung, es gebe "ein klares Risiko" einer weiteren internationalen Ausbreitung. Europa sei allerdings weltweit derzeit das einzige Gebiet, in der das Risiko einer Ansteckung als hoch bewertet werde. Das WHO-Notfallkomitee hatte am Donnerstag getagt. Bei einer Dringlichkeitssitzung zu den Affenpocken im Juni hatten die Experten dem WHO-Generalsekretär noch davon abgeraten, die höchste Alarmstufe auszurufen. Seitdem haben sich die Infektionsfälle jedoch weiter ausgebreitet. Tedros hatte sich am Donnerstag bei der knapp sechsstündigen Sitzung "besorgt" über die Zunahme der Fälle gezeigt.

Was sind Affenpocken?

Bei den Affenpocken handelt es sich um eine weniger gefährliche Verwandte der seit etwa 40 Jahren ausgerotteten Pocken, die üblicherweise in West- und Zentralafrika vorkommt. Zu den typischen Symptomen der Krankheit gehören hohes Fieber, geschwollene Lymphknoten und Windpocken-ähnliche Pusteln. Übertragen wird die Krankheit durch engen Körper- und Hautkontakt.

Virologe: Affenpocken „im Moment deutlich unterschätzt“

Die Ausbreitung der Affenpocken wird aus Sicht des Freiburger Virologen Hartmut Hengel „im Moment deutlich unterschätzt“. Sie hätten mindestens das Potenzial, „uns in Zukunft Kopfzerbrechen zu bereiten“, sagte der Ärztliche Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Freiburg der „Badischen Zeitung“ (Samstag). Weltweit seien bisher nur etliche tausend Affenpocken-Fälle gemeldet worden. „Aber daraus abzuleiten, dass das Geschehen harmlos ist, ist falsch – denn man muss ja in die Zukunft blicken.“ Das Virus sei in 70 Ländern verbreitet. „Es hat in einigen Ländern Formen dauerhafter Zirkulation angenommen, auch in Europa.“
Mit dpa und AFP