Eine neue Studie aus Portugal zu den Affenpocken überrascht die Forscherwelt. Den Wissenschaftlern zu folge, hat sich das Virus in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Forscher haben bei ihren Untersuchungen viele Mutationen entdeckt.
  • Wie hat sich der Affenpocken-Erreger verändert?
  • Sind die Mutationen Ursache für die zunehmende Anzahl an Fällen?
  • Symptome - Wie erkennt man die Affenpocken?
  • Ansteckung und Übertragung - Wie bekommt man die Affenpocken?
  • Welche aktuellen Fälle an Affenpocken in Deutschland gibt es?

Mutationen bei Affenpocken - Wie hat sich das Virus verändert?

Der Erreger des aktuellen Ausbruchs von Affenpocken ist laut der Studie überraschend stark mutiert. Verglichen mit verwandten Viren aus den Jahren 2018 und 2019 gebe es rund 50 Unterschiede im Erbgut, schreibt ein Team aus Portugal im Fachblatt „Nature Medicine“. Dies sei weit mehr als anhand früherer Schätzungen für diese Art von Erreger zu erwarten gewesen wäre: grob 6- bis 12-mal mehr. Der abweichende Zweig könne ein Zeichen beschleunigter Evolution sein. Die Arbeit stützt sich vor allem auf Analysen von portugiesischen Fällen. Bisher hatten Fachleute mit Blick auf diese Art von Virus von einer grundsätzlich eher langsamen Entwicklung gesprochen.

Sind die Mutationen Ursache für die zunehmende Anzahl an Fällen?

Auf die Frage, ob die Mutationen die derzeitige Verbreitung erst möglich gemacht haben, erklärte der Experte für die Evolution von Viren, Richard Neher (Basel), dass es darauf seines Wissens keine Hinweise gebe, man es aber nicht ausschließen könne. Die meisten der Mutationen hätten „vermutlich keine dramatischen Auswirkungen“.

Symptome Affenpocken - Wie erkennt man die Krankheit?

Die Symptome bei Affenpocken sind unter anderem Fieber und Hautausschlag. Sie verschwinden gewöhnlich innerhalb weniger Wochen von selbst, können bei einigen Menschen aber zu medizinischen Komplikationen und in sehr seltenen Fällen zum Tod führen. Die Gefährdung für die breite Bevölkerung wird nach wie vor als gering einschätzt.

Ansteckung und Übertragung - Wie bekommt man die Affenpocken?

Affenpocken werden nach bisherigem Kenntnisstand hauptsächlich durch engen Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Nach WHO-Angaben sind 99 Prozent der bisher Betroffenen Männer bis 65 Jahre, die Sex mit Männern haben. Generell kann sich aber jeder infizieren, der engen körperlichen Kontakt mit Infizierten hat.

Welche aktuellen Fälle an Affenpocken in Deutschland gibt es?

Weltweit sind in diesem Jahr inzwischen fast 5000 Affenpocken-Infektionen bei Menschen gemeldet worden. In mehr als 40 Ländern außerhalb Afrikas, in denen Affenpocken bis Mai praktisch unbekannt waren, waren es 3308 Fälle (Stand: 22. Juni 2022). Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind in Deutschland erstmals im Mai 2022 Fälle von Affenpocken identifiziert worden. Mit Stand 24.6.2022 sind 676 Affenpockenfälle aus 14 Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen) ans RKI übermittelt worden.

Gibt es Gründe für die Verbreitung der Affenpocken?

Die Autoren der Studie vermuten hinter dem aktuellen Ausbruch eine oder mehrere Einschleppungen aus einem Land, in dem das Virus dauerhaft vorkommt. Superspreader-Events und internationale Reisen schienen dann die weitere Ausbreitung befördert zu haben. „Unsere Daten liefern zusätzliche Hinweise auf anhaltende virale Evolution und mögliche Anpassung an den Menschen“, schreibt das Team um João Paulo Gomes vom National Institute of Health Doutor Ricardo Jorge (INSA) in Lissabon.
(mit Material von dpa und AFP)