Seit einigen Tagen und Wochen beschäftigt Mediziner in Europa eine Krankheit, die bisher hier nicht verbreitet war: Die Affenpocken. Die Krankheit kann auch auf den Menschen übertragen werden, der Verlauf der Erkrankung dauert oft Monate.
  • Was sind die Affenpocken und woher kommen sie?
  • Was sind Symptome beim Menschen?
  • Wie werden Affenpocken übertragen?
  • Gibt es eine Impfung gegen den Erreger?

Affenpocken in Deutschland, Frankreich, Großbritannien

In Deutschland sind die ersten Fälle von Affenpocken bestätigt worden. Wie das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr am 20. Mai in München mitteilte, wurde das Virus bei einem Patienten zweifelsfrei nachgewiesen. Der Patient habe die charakteristischen Hautveränderungen gezeigt. Der Patient stamme aus Brasilien und werde in der München Klinik Schwabing isoliert, teilte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) mit. Die Experten gehen von einer drei bis vier Wochen dauernden Infektiösität aus. Aktuell würden Kontaktpersonen des Mannes ermittelt. Das Robert Koch-Institut und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) stufen das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung derzeit als gering ein.
Laut Clemens Wendtner, Chefarzt der Schwabinger Infektiologie, geht es dem Patienten gut. Auch in Berlin sind zwei Fälle von Affenpocken bestätigt worden. Das teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit am 21. Mai mit. Der Zustand der beiden Patienten sei stabil. Derzeit liefen die Ermittlungen zu Kontaktpersonen. Ob es sich um den west- oder zentralafrikanischen Virusstamm handelt, soll eine Sequenzierung ergeben. „Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Tagen eventuell noch weitere Infektionen registriert werden. “Mit mehreren bestätigten Fällen in Großbritannien, Spanien und Portugal ist dies der bislang größte und weitreichendste Ausbruch von Affenpocken, der jemals in Europa beobachtet wurde.
Das Affenpockenvirus wird oft auch „Monkeypox virus“ oder „Orthopoxvirus“ genannt.

Affenpocken Symptome: Wie äußert sich die Krankheit beim Menschen?

Folgende Symptome werden bei Menschen, die sich mit dem Virus infiziert haben, beobachtet:
  • Fieber
  • Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen
  • geschwollene Lymphknoten
  • Schüttelfrost
  • Abgeschlagenheit
  • Stark juckender, fleckiger Ausschlag meist im Gesicht beginnend und sich dann auf andere Körperteile, einschließlich der Genitalien, ausbreitend
  • Hautveränderungen mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen, die eitern und aufplatzen können
Die Inkubationszeit der Affenpocken beträgt in der Regel 6 bis 13 Tage, kann aber auch zwischen 5 und 21 Tagen liegen. Die Krankheit heilt typischerweise von selbst, wobei die Symptome in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen abklingen.

Übertragung und Herkunft der Affenpocken: Wie wird man krank?

Affenpocken werden auf verschiedenen Weisen übertragen. Im Frühstadium kann sich das Virus über Tröpfchen in der Ausatemluft verbreiten. Im späteren Stadium wird das Virus über Kontakt mit den oben beschriebenen Hautveränderungen verbreitet. In Pustel- und Schorfmaterial ist das Virus noch lange überlebensfähig und kann so auch über kontaminierte Materialien und Oberflächen wie beispielsweise Kleidung, Bettzeug und andere persönliche Gegenstände übertragen werden.
Im Gegensatz zu Corona wird das Affenpockenvirus nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragen. Eine Infektion erfordert in der Regel einen sehr engen Kontakt mit infizierten Menschen, Tieren oder kontaminierten Gegenständen. Manche Menschen bleiben relativ symptomfrei, weshalb eine Übertragung so passieren kann.
Noch ist nicht bekannt, ob und wenn ja, welcher Zusammenhang zwischen den einzelnen Fällen in Europa besteht, allerdings sind bisher auffällig viele Männer betroffen, die Sex mit Männern haben. Das schreibt der Presse- und Informationszentrum des Sanitätsdienstes der Bundeswehr.

Woher kommen die Affenpocken?

Affenpocken wurden, wie der Name bereits andeutet, erstmals 1958 bei Affen in einer Versuchstierhaltung entdeckt. Vermutlich sind Affen allerdings nicht der Hauptträger des Virus. Wahrscheinlich kommt es von kleinen Nagetieren.
Es gibt zwei Abstammungslinien des Affenpockenvirus: die westafrikanische Linie und die zentralafrikanische, die vor allem im Kongo-Becken vorkommt. Die Sterblichkeitsrate für Infektionen mit der westafrikanischen Linie liegt bei etwa einem Prozent, während sie für die Kongobecken-Linien bis zu zehn Prozent betragen kann. Kinder und Schwangere haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf.

Impfung gegen Affenpocken: Kann man sich impfen lassen?

Eine in Deutschland zugelassene Impfung speziell gegen Affenpocken gibt es nicht. Historischen Daten zufolge schützt aber eine Pockenimpfung gut vor Affenpocken - und das wohl lebenslang.
Eine Impfung mit diesem Impfstoff gilt daher als mögliche Maßnahme, um zumindest Kontaktpersonen von Affenpocken-Infizierten zu schützen. Paul Hunter von der Universität of East Anglia zufolge hilft das „ziemlich effektiv“. Entsprechende Vorräte sind demnach vorhanden und können bei Kontaktpersonen eingesetzt werden. Seit 2022 ist das Medikament Tecovirimat in Europa zur Behandlung von Affenpocken auch in Europa zugelassen, allerdings ist es bisher nur begrenzt verfügbar.

Affenpocken Quarantäne: Lauterbach empfiehlt 21 Tage Isolation

Mit Affenpocken Infizierte sollen in Deutschland für mindestens 21 Tage in Isolation. Zudem müssten die Symptome ausgeheilt sein, bevor die Isolation beendet werden könne, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Rande des Ärztetags in Bremen. Auch für Kontaktpersonen von Infizierten gelte die "dringende Empfehlung", sich für 21 Tage in Quarantäne zu begeben.
Es gehe darum, ein frühes Ausbruchsgeschehen "in den Griff" zu bekommen, sagte Lauterbach. Zugleich betonte er, es handle sich nicht um den Beginn einer neuen Pandemie. Ausbrüche dieser Viruserkrankung habe es schon sehr häufig gegeben. Die Infektion sei durch gute Kontaktnachverfolgung gut in den Griff zu bekommen, sagte der Minister.
Deutschland bestellte Lauterbach zufolge "bis zu 40.000 Dosen" eines Impfstoffs, der in den USA gegen Affenpocken zugelassen sei und auch in Deutschland wirken würde. Der Impfstoff könne einen Ausbruch bei Ansteckung verhindern oder verzögern, sagte Lauterbach. Es sei aber noch nicht klar, ob der Impfstoff eingesetzt werden müsse, etwa bei Kindern.