18-Jährige startet Petition gegen KiKA-Abschaltung
: Tausende Menschen kämpfen für den Kinderkanal im Fernsehen

Eine 18-Jährige mobilisiert mit ihrer Petition Zehntausende Menschen, um zu verhindern, dass KiKA aus dem Fernsehen verschwindet.
Von
Judith Müller
Berlin
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Können wir KiKA bald nur noch über die App oder über Streaming schauen? Eine Petition will das jetzt verhindern.

Können wir KiKA bald nur noch über die App oder über Streaming schauen? Eine Petition will das jetzt verhindern.

picture alliance/dpa/KiKA - Der Kinderkanal ARD/ZDF

Der mögliche Umbau des KiKA sorgt weiter für Diskussionen – und nun auch für eine beeindruckende Protestwelle. Die 18-jährige Hailie W. aus Lensahn in Schleswig-Holstein hat auf Change.org eine Petition gestartet, um zu verhindern, dass KiKA künftig nur noch online verfügbar ist. Ihr Appell trifft einen Nerv: Bereits 49.713 Menschen (Stand 18.11.25, 08:28 Uhr) haben unterschrieben, täglich werden es mehr.

„KiKA muss im Fernsehen bleiben“ – warum die Petition so emotional ist

Unter dem Hashtag #KiKAretten beschreibt Hailie, warum für sie und viele andere der Kinderkanal mehr ist als ein Fernsehsender:

„KiKA war ein Stück Kindheit, Geborgenheit und Bildung – ein Ort, an dem wir lachen, lernen und träumen durften.“

Die 18-Jährige war selbst mit KiKA aufgewachsen, schaut zwar heute TikTok, ist aber sicher: Ohne KiKA wäre sie nicht die Person, die sie heute ist. Dass der Sender bald nur noch online abrufbar sein könnte, macht ihr Angst – nicht aus Nostalgie, sondern weil sie sagt: „Viele Kinder hätten dann keinen Zugang mehr zum Programm.“

Ihre Petition argumentiert mit Zahlen:
Nur 0,3 Prozent der Kinder nutzen KiKA ausschließlich online. Die digitale Nutzung werde „deutlich überschätzt“, schreibt sie. Ein reiner Internet-Sender würde laut ihr viele Jungen und Mädchen ausschließen – etwa jene ohne stabile Internetverbindung oder ohne Streaming-Geräte im Haushalt.

Warum Eltern und Fans so heftig reagieren

Unter der Petition sammeln sich Hunderte Kommentare, viele davon zutiefst emotional. Eine Unterstützerin schreibt: „Es würde sich anfühlen, als ob ein Stück unserer Kindheit wie eine Seite aus einem Buch herausgerissen wird.“

Eine andere berichtet: „Ich bin nachts heimlich aufgestanden, um Bernd das Brot zu schauen. Jetzt möchte ich, dass meine Kinder dieselben Erinnerungen haben.“

Diese Kommentare zeigen, dass es nicht nur um ein technisches Format geht – sondern um Medienkultur, familiäre Rituale und Kindheitserinnerungen.

Was wirklich geplant ist – Fakten zur Rundfunkreform

Die Aufregung hat einen realen Hintergrund:
Der neue Reformstaatsvertrag von ARD und ZDF sieht vor, dass KiKA kein eigenes lineares Fernsehprogramm mehr haben soll. Stattdessen würden alle Inhalte künftig nur noch online angeboten – über Apps, Mediatheken oder Streamingplattformen.

Wichtig ist jedoch: KiKA wird nicht sofort abgeschaltet.
Der 1. Dezember 2025 markiert lediglich den Beginn einer Übergangsphase. Bis dahin müssen alle 16 Bundesländer zustimmen – 13 haben bereits Ja gesagt, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen stehen noch aus.

Auch andere Programme sind betroffen: Es geht um eine größere Digitalreform, weniger Spartensender und Einsparungen im öffentlich-rechtlichen System. Schon am 18. November 2025 endet die SD-Ausstrahlung von KiKA über Satellit, HD bleibt zunächst bestehen.

Warum die Petition so viel Aufmerksamkeit bekommt

Hailies Forderung ist also nicht völlig unrealistisch – aber sie kommt in einem Moment, in dem sich viele Menschen erstmals bewusst werden, was der geplante Umbau bedeutet.

KiKA wäre damit der erste große öffentlich-rechtliche Sender, der komplett ins Netz wandert. Für junge Erwachsene, die mit „Sandmännchen“, „Schloss Einstein“ oder „Bernd das Brot“ aufgewachsen sind, fühlt sich das wie ein Verlust an.

Hinzu kommt: Kinder schauen zwar zunehmend online – aber eben nicht ausschließlich. Viele Familien nutzen KiKA bewusst, weil es ein sicheres, werbefreies Programm bietet, das klarer strukturiert ist als YouTube oder TikTok.

Was jetzt passiert

Hailie hatte angekündigt, die Petition ab 10.000 Stimmen weiterzuleiten – dieses Ziel hat sie bereits mehrfach übertroffen. Ihre Aktion erreichte schon fast 50.000 Menschen, und in den Kommentaren wird schon gefordert, ARD und ZDF müssten öffentlich Stellung nehmen.

Die Initiatorin schreibt im Update: „Ich gebe alles, damit diese Petition an ARD und ZDF geht – wir müssen unseren Lieblingssender behalten.“

Ob die Unterschriften politische Entscheidungen beeinflussen können, bleibt offen – doch klar ist: Die Diskussion über KiKA hat sich vom Verwaltungsakt zur öffentlichen Gefühlsfrage entwickelt.