Hitzefrei an Schule in Ulm: Spontan ein Eis. Das hatte sich am Nachmittag Fünftklässlerin Sina vom Ulmer Humboldt-Gymnasium gegönnt. Der Nachmittagsunterricht war wegen der Hitze ausgefallen. Bevor ihre Cello-Stunde in der Musikschule begann, genoss sie in der Eisdiele auf dem Marktplatz einen Erdbeerbecher mit ihrer Mutter Tanja.
An der Donau suchten Reisende aus Dornbirn ein Plätzchen im Schatten und besetzten eine Bank unter einer Kastanie. Zwei von ihnen, Irmgard Feuerstein und Maria Plesner, kühlten ihre Füße in der Donau. „Wir sind alle ein Jahrgang“, erzählen sie, nämlich 1952. In Ulm hatten sie eine Stadtführung gemacht. Das alles an einem so heißen Tag? „Ach, bei uns daheim ist es auch heiß“, sagt eine der Frauen.

Darum ist es in Ulm kühler als in anderen Städten

Mit 32,9 Grad Celsius, gemessen nachmittags an der Wetterstation Mähringen, war die Stadt im Vergleich zum Rest des Landes keineswegs der Gipfel der Temperaturen. „Sie sind in Ulm nicht gerade preiswürdig“, drückt es Paul Dilger, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Stuttgart aus. „Das ist wegen der Höhenlage selten der heißeste Ort.“

Trinken in Ulm: Weniger Bier und mehr Wasser bei Hitze

Trotzdem schleppten die Menschen kistenweise Mineralwasser aus dem Getränkemärkten. Das freut die Getränkehersteller, sollte man meinen. Bei Gold Ochsen betrachten sie die Hitze aber eher skeptisch. Vertriebschef Frank Schlagenhauf: „Extreme sind nicht gut“. So war auch der Hitzesommer 2018 für die Branche eher nachteilig. Die Leute gehen später am Abend aus und konsumieren deshalb auch weniger. Nur die Mineralbrunnen profitieren: „Wasser boomt“. Nicht dagegen zuckerhaltige, alkoholfreie Getränke und Bier. Schlagenhauf wünscht sich daher stabil 25 Grad mit Sonne und Wolken.

Gastro und Freibad in Ulm: Wenig essen, viel schwimmen

Gastronom Christian Becker ist ein Freund südländischer Wetterverhältnisse: „Wir sollten diese wenigen Tage genießen.“ Die Außenbewirtschaftung laufe gut. Kollege Ebbo Riedmüller klagt dagegen, dass bei der Hitze niemand großen Hunger habe: „Am besten gehen die Eisdielen und das Freibad.“ Womit er zweifellos recht hat: Das Donaubad vermeldete am Mittwoch einen Rekordbesuch. 3791 Besucher wurden bereits um 17 Uhr allein im Freibad gezählt. Im heißen Sommer 2018 lag der Rekord bei 3395.

Klima im Südwesten: Wetter in April und Mai vertauscht

Der Blick zurück zeigt: „Der April und der Mai haben eigentlich die Rollen getauscht“, sagt Meteorologe Dilger: Im April war es zu warm und zu trocken, im Wonnemonat dagegen zu kalt, zu nass und es gab viel zu wenig Sonnenschein. Der Regen habe aber noch nicht die Trockenheit des vergangenen Jahres gut gemacht.

Pflanzen richtig gießen bei Hitze und Trocken - so geht es

Aktuell kommt den Pflanzen zumindest zugute, dass es am Samstag ausgiebig geregnet hat. „Aber wir werden bald alle verfügbaren Gießgeräte einsetzen“, sagt Christian Giers, Leiter der Abteilung Grünflächen. Momentan sind zwei städtische und ein paar externe Gießwagen dabei, Staudenbeete, Sommerflor und vor allem junge Bäume zu gießen. An jenen werden auch die grünen Gießbeutel regelmäßig aufgefüllt.  Privatleuten rät Giers, ihren Garten morgens und abends zu gießen, nicht in der Mittagshitze und nicht von oben. Denn die Wassertropfen wirken wie Brenngläser auf den Blättern. „Deshalb den Wasserstrahl stets am Boden an die Pflanzen halten.“

Hitzefrei an Schulen in Ulm: Wer darf heim gehen?

In den Schulen schwitzen die Kinder, gerade jetzt stehen viele Arbeiten an. Generell hitzefrei gibt’s nicht mehr. „Die Entscheidung treffen die Schulleiter“, sagt Achim Schwarz, kommissarischer Leiter des Schulamts Biberach. Dieter Christoph, Leiter der Mörike-Schule Böfingen erklärt: „Wir dürfen als verlässliche Grundschule nicht zumachen. Deswegen stellen wir den Eltern frei, ihr Kind abzumelden, wenn sie meinen, dass es in der Hitze überfordert ist.“ Das komme durchaus vor.

So wird das Wetter in Ulm und dem Südwesten

Erleichterung ist kaum in Sicht: Am Donnerstag soll es etwas kühler werden, am Freitag unter 30 Grad gehen. Aussichten für Sonntag: 32 Grad – an der Wetterstation Mähringen. In der Innenstadt wird es durchaus kuscheliger. Und so ist das Wetter aktuell im Südwesten.

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Ulm

Stadtwerke melden erhöhten Wasserverbrauch

27000

Kubikmeter Wasser haben die Ulmer am Dienstag verbraucht.

20000 Kubikmeter täglich sind es im Durchschnitt auf das ganze Jahr gerechnet. Also eine deutliche Steigerung zu normalen Tagen.

11700

Kubikmeter waren es bei den Neu-Ulmern, deren Tagesschnitt sonst bei 9000 Kubikmeter liegt. Die Steigerungen bewegen sich im selben Rahmen wie während der Hitzeperioden 2018. Trinkwasser wird in Ulm und Neu-Ulm deswegen nicht knapp, die Grundwasservorkommen in den Auwäldern „Rote Wand“ und „Illeraue“ sind groß genug.