Von Erschöpfung bis Atemnot: Tausende AOK-Versicherte in Ulm und der Region sind von Long Covid betroffen

Nicht wenige Corona-Patienten sind nach überstandener Erkrankung nicht wieder völlig gesund und besuchen deshalb Reha-Angebote.
Annette RiedlExtreme Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sowie anhaltende Atem- und Muskelbeschwerden: Long Covid hat viele Symptome. Momentan wird geschätzt, dass etwa 6 bis 15 Prozent der Bevölkerung Long Covid haben. Nun hat die AOK neue Zahlen veröffentlicht, wie viel Menschen in Ulm und der Region davon betroffen sind.
3,5 Prozent der AOK-Versicherten in Ulm betroffen
Seit dem ersten Auftreten von SARS-CoV-2-Infektionen 2020 bis zum Jahresende 2022 wurde bei 63.289 AOK-Versicherten in Baden-Württemberg Long Covid diagnostiziert, berichtet die Krankenkasse. Im Alb-Donau-Kreis waren es 4030. Das entspricht 2,2 Prozent der Versicherten. Im Stadtkreis Ulm haben 1540 Personen im Laufe der Pandemie bis einschließlich 2022 die Diagnose Long Covid erhalten. Damit waren 3,5 Prozent der Versicherten in Ulm schon einmal von der Diagnose betroffen.
Laut AOK-Auswertung leiden Erwachsene, die wegen Corona im Krankenhaus behandelt wurden, häufiger an Long Covid als diejenigen mit milden Verläufen. Außerdem scheinen Frauen häufiger betroffen zu sein als Männer, jüngere Erwachsene häufiger als Kinder und ältere Menschen.
In den meisten Fällen lassen die Beschwerden einer Covid-19-Erkrankung nach wenigen Tagen oder Wochen wieder nach. Einige Erkrankte haben jedoch länger gesundheitliche Probleme – sie benötigen demnach deutlich mehr Zeit, um zu genesen oder entwickeln neue Symptome. Anhaltende oder neue Symptome ab vier Wochen nach der Infektion werden als Long Covid bezeichnet, ab einem Zeitraum von zwölf Wochen nach der Infektion als Post Covid.
Das sind mögliche Symptome
Ein einheitliches Krankheitsbild gebe es bei Long Covid nicht, so die AOK. „Das Fehlen spezifischer diagnostischer Marker erschwert die Diagnose, die klinisch gestellt werden muss“, sagt Dr. Alexandra Isaksson, Fachärztin für Psychiatrie bei der AOK Baden-Württemberg. Mögliche Symptome sind zum Beispiel Schwäche und schnelle Erschöpfung, eingeschränkte Belastbarkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme und anhaltende Atem- sowie Muskelbeschwerden. „Die Beschwerden können einzeln oder auch in Kombination vorkommen“, erklärt Dr. Isaksson. „Bei Versicherten der AOK Baden-Württemberg, die bis Ende 2022 die Diagnose Long Covid erhielten, waren die häufigsten ärztlich diagnostizierten Beschwerden Ermüdung, Depressionen, Atemnot, Schlafstörungen und Schwindel; seltener Übelkeit, Geschmacks- und Geruchsstörungen.“
Beschwerden dauern teils Monate lang an
Die Beschwerden können monatelang andauern, bessern sich jedoch in der Regel im Laufe der Zeit. „Auch milde oder sogar symptomlos verlaufende Sars-CoV-2-Infektionen können Langzeitfolgen haben“, sodie Ärztin. Da aktuell keine spezifische medikamentöse Therapie existiert, werden bei den Betroffenen ausschließlich die Symptome behandelt.



