Ulmer Geheimnisse
: Welche besonderen Geschichten eine Archäologin in Ulm ausgegraben hat

Ergebnis einer Spurensuche: Die Archäologin und Autorin Annika Stahl stellt in einem Buch 50 „Ulmer Geheimnisse“ vor. Wir lüften einige davon.
Von
Magdi Aboul-Kheir
Ulm
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  • Archäologin und Autorin Annika Stahl hat sich in Ulm ziemlich genau umgeschaut.⇥

    Archäologin und Autorin Annika Stahl hat sich in Ulm ziemlich genau umgeschaut.⇥

    Lars Schwerdtfeger
  • 50 Ulmer Geheimnisse auf rund 190 Seiten.

    50 Ulmer Geheimnisse auf rund 190 Seiten.

    Bast Media Verlag
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Im ganz Kleinen spiegelt sich oft die ganz große Geschichte wider. Zum Beispiel die Abdrücke von Kinderfingern auf der Ulmer Stadtmauer an der Donau. Es sind solche Entdeckungen, die Annika Stahl liebt, wenn sie sich eine für sie neue Stadt zueigen macht. Denn das will sie erzählen: „Keine trockene Historie, sondern sichtbare Spuren von Menschen, die vor Jahrhunderten hier gelebt haben.“

Die Spuren der Kinderhände sind eines von 50 „Ulmer Geheimnissen“, die Annika Stahl in einem Buch des Bast Medien Verlags in Kooperation mit der SÜDWEST PRESSE lüftet. Am Samstag (4.11.2023) kommt der Band in die Läden.

Auf der Suche nach Relikten im Stadtbild

Für die Archäologin und Autorin war Ulm nach Landshut und Straubing die dritte Stadt, deren „Geheimnisse“ sie erkundet hat – der Verlag hat in der Reihe bereits mehr als 80 Bücher herausgebracht. Vom Frühjahr an hatte sich die 36-Jährige, die aus Aalen stammt und in Augsburg lebt, in Ulm auf Spurensuche gemacht: mit einem geschulten Auge nach Relikten im Stadtbild, hinter denen sich historische Ereignisse, tragische Geschichten oder amüsante Anekdoten verbergen – in Form von Inschriften, Skulpturen, Flurnamen oder Bauwerken, vom Wasserspeier bis zum Türmchen.

Dabei haben ihr aber auch viele Einheimische geholfen. Annika Stahl hatte dazu aufgerufen, ihr Tipps und Hinweise zu geben und als „Paten“ für Geschichten zur Verfügung zu stehen. Mit Erfolg: „Es haben sich wirklich sehr viele Menschen gemeldet“, erzählt die Autorin, „so viele, dass ich leider nicht alles aufnehmen konnte ins Buch.“

Sie sei angesichts der beträchtlichen Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg „total überrascht und erfreut gewesen, wie viele Geheimnisse es hier noch gibt“. Sie habe Ulm in den vergangenen Monaten als „tollen, erfrischenden Mix aus Tradition, alten Häusern und zugleich weltoffener Stadt“ kennengelernt

„Für jeden was dabei“

Etwa 15 Mal war sie für die Recherche in Ulm, ist durch die Stadt gelaufen, hat sich mit Menschen getroffen, Fotomotive gesucht und Bilder gemacht. Einerseits sei es für ein solches Buchprojekt hilfreich, wenn man mit einem „frischen Blick“ von außen kommen – andererseits habe sie das Wissen der Menschen vor Ort natürlich auch gebraucht: „Sie kennen ihre Stadt am besten.“

Zudem sei man ihr im Stadtarchiv engagiert und hilfsbereit zur Seite gestanden, gerade beim wichtigen Faktencheck. Denn: „Was im Volksmund tradiert wird, stimmt so nicht immer.“ Auch der Historiker und frühere SWP-Redakteur Wolf-Henning Petershagen hatte Tipps für sie, ebenso meldeten sich etliche der Museen mit Anregungen.

Verlegte Grabsteine, kuriose Straßennamen, Kirchenfenster mit Überraschungen, Brunnenfiguren, Ruinenreste: Annika Stahl gefällt die Mischung der „Ulmer Geheimnisse“ mit Geschichten über Häuser und Mauern, über geologische Details oder auch moderne Kunst. Und immer wieder haben ihr die Details gefallen, wie die Steinmetzzeichen am Münster. „Ich glaube, da ist für jeden was dabei. Und jedes Geheimnis hat seinen eigenen Charme.“ Auch kenntnisreiche und selbst lokalpatriotische Ulmerinnen und Ulmer dürften auf den 190 Seiten einiges entdecken, was sie so noch nicht wussten – oder auf was sie im Alltag einfach nicht geachtet haben.

Was Annika Stahl in Ulm besonders aufgefallen ist: Für eine Großstadt habe sie hier „kaum Schandflecken wahrgenommen“. Und sie habe immer wieder gespürt, „dass die Menschen stolz sind auf ihre Stadt – berechtigt!“

Annika Stahls Buch „Ulmer Geheimnisse“ ist im Bast Medien Verlag Überlingen in Kooperation mit der SÜDWEST PRESSE entstanden. Es kostet 24 Euro, hat 192 Seiten und ist durchgehend bebildert. Es ist ab Samstag, 4.11.2023, im Buchhandel und online unter shop.swp.de erhältlich oder direkt beim Verlag: bestellungen@bast-medien.de. ISBN: 9783946581963.

Im November und Dezember werden wir in der SÜDWEST PRESSE in loser Folge einige dieser „Geheimnisse“ vorstellen.