Tischkickern in Ulm
: Von der Kneipe in die Liga

Eine Runde Tischfußball kostet 50 Cent und das Bier gehört dazu, oder? Warum das nicht unbedingt so ist und was es mit dem Ulmer Tischkicker- Verein auf sich hat, wissen Annika und Martin von den Jet Sparrows.
Von
Dominik Schele
Ulm
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  • Annika und Martin spielen leidenschaftlich gerne Tischkicker. Mal privat, mal in der Kneipe, aber auch im Verein der „Jet Sparrows“.

    Annika und Martin spielen leidenschaftlich gerne Tischkicker. Mal privat, mal in der Kneipe, aber auch im Verein der „Jet Sparrows“.

    Dominik Schele
  • Annika und Martin zeigen in den Vereinsräumlichkeiten der „Jet Sparrows“ im Fort Unterer Eselsberg, was sie draufhaben.

    Annika und Martin zeigen in den Vereinsräumlichkeiten der „Jet Sparrows“ im Fort Unterer Eselsberg, was sie draufhaben.

    Dominik Schele
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FRIZZ: Zum Einstieg direkt was Schwieriges: Hat Tischkicker überhaupt was mit „echtem“ Sport zu tun?

Martin: So schwierig ist das gar nicht. Tatsächlich ist Kickern seit 2010 ganz offiziell eine Sportart.

Okay. Aber fühlt es sich für euch auch nach Sport an?

Martin: Auf jeden Fall. Wenn man in der Liga spielt, ist Tischfußball durchaus auch körperlich, vor allem aber mental anstrengend. Du musst dich wahnsinnig konzentrieren. Einer der weltbesten Spieler hat mal gesagt: „Ab einem bestimmten Level sind es nur noch 30 Prozent Können und 70 Prozent Psychologie.“

Annika: Ein Beispiel für die mentale Anstrengung ist die Verteidigung. Das Tor ist fünf Balllängen breit. Du hast aber effektiv nur zwei Männchen in der Defensive. Es ist also nahezu unmöglich, auf Reaktion zu verteidigen. Das heißt du musst deinen Gegner bzw. sein Spiel konstant beobachten und analysieren. Wie bewegt er sich? Wo schießt er gerne hin? Gibt es Muster? Anhand dessen spielst du dann selber.

Seit wann kickert ihr?

Martin: Seit 2007 oder 2008, glaube ich. Angefangen hat es in der Pufferbar. Weiter ging‘s in diversen Kneipen und Bars, die eben einen Tischkicker hatten. Das war da aber natürlich noch „Kneipensport“.

Annika: Bei mir war das 2017. In der Heidi, der Wirtschaft zur Stadt Heidenheim, hab ich die, die schon länger am Kickern waren, kennengelernt. Da bin ich einfach mal an den Tisch und hab ein bisschen mitgespielt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und ab da hab ich das Ganze dann auch direkt etwas ernster verfolgt und trainiert. (lacht)

Und seit wann gibt es die Jet Sparrows?

Martin: Auch das geht auf die Pufferbar zurück. Da hat sich mit der Zeit ein festerer Kern an Leuten gebildet, die einfach Lust am Spiel hatten. Wir hatten dann auch feste Tage, an denen wir uns zum Kickern getroffen haben. Als die Pufferbar zugemacht hat, waren wir unter anderem im Capo’s. 2012 hat es uns dann in die Heidi verschlagen. Die hatten einen nagelneuen Kickertisch. Mit der Zeit kamen da immer mehr dazu, bis wir irgendwann um die 20 Leute waren.

Annika: Überleg mal. 20 Leute, ein Tisch und es können maximal vier spielen. (lacht)

Martin: Exakt. Daraus ist dann die Idee entstanden, mal in einer Liga mitzuspielen. Unser Präsident Till hat sich daraufhin dahintergeklemmt, Leute angeschrieben und sich informiert, was nötig ist. Zu der Zeit ist auch der Name entstanden. Wir hatten ein paar zur Auswahl, fanden aber alle „Jet Sparrows“ gut. Zum einen weil er durch den Spatz eine Verbindung zu Ulm hat und „Jet“ eine wichtige Schusstechnik ist. Zum anderen erinnert er an Jack Sparrow. Das ist auch ganz witzig.

Und wie ging’s weiter?

Martin: Danach ging es ganz schnell. Zack, waren wir in der Liga und ein paar Monate später hatten wir unsere ersten Auswärtsspiele.

Annika: Bis letztes Jahr hatten wir allerdings noch kein Vereinsheim und haben immer in der Heidi trainiert. Unsere Spieltage fanden im Hemperium statt. Da durften wir unsere Tische aufstellen. Das war super. Seit letztem Jahr haben wir aber endlich unser eigenes Vereinsheim im Fort Unterer Eselsberg, wo wir auch andere Teams empfangen können. Möglich gemacht hat das der Stadtjugendring Ulm.

Wie darf ich mir das Training vorstellen?

Martin: Momentan sieht es so aus, dass am Dienstag offiziell Training für Vereinsmitglieder ist. Da sind wir noch nicht an dem Punkt, dass genau feststeht, was an welchem Tag trainiert wird. Da sind wir gerade noch ein wenig am Ausprobieren. In erster Linie können alle das trainieren, was ihrer Meinung nach Sinn macht bzw. wo sie noch nicht so gut drin sind. Die erfahreneren Spieler unterstützen dabei natürlich die unerfahreneren. Es werden aber auch theoretische Kenntnisse vermittelt.

Annika: Wichtig zu erwähnen ist vielleicht auch, dass wir das alles sowohl im Einzel als auch im Doppel trainieren. In der Liga wird nämlich beides gespielt.

Wie läuft das? Hat man beim Doppel immer die gleiche Position?

Annika: Ne, man kann sich auch abwechseln. Es gibt natürlich Leute, die lieber vorne oder hinten spielen. Aber manchmal klappt es einfach nicht gegen den Gegner, oder man möchte aus anderen Gründen tauschen, dann kann man die Postion während eines Timeouts bzw. nach einem Tor auch wieder wechseln.

Wie viele Mitglieder haben die Jet Sparrows?

Martin: Seit wir das Vereinsheim haben, sind es mehr geworden. Aktuell sind es um die 35 Mitglieder. Was man dazu sagen kann: Bei uns sind alle willkommen, daher ist alterstechnisch auch so ziemlich alles vertreten. Es dürften nur ein paar mehr Frauen sein.

Annika: Stimmt. Gerade sind wir nur zu dritt. Das ist ein bisschen schade.

Dank euch weiß ich, dass Tischfußball ein Sport ist. Aber wo ist der Unterschied zwischen Kneipe und Liga?

Annika: Ganz einfach: Kneipe ist Kneipe. Da geht’s um den Spaß.

Martin: Mein Gegner hat ziemlich sicher keinen Bock darauf, dass ich ihm erst mal irgendwelche Regeln vorbete, bevor es losgeht. In der Kneipe wird einfach gespielt.

Vielleicht ist das für die Liga sogar ganz nützlich. Ähnlich, wie wenn jemand Unerfahrenes gegen einen Fortgeschrittenen Schach spielt. Da muss sich der Erfahrene auch oft auf wildeste Züge des Gegners einstellen.

Martin: Das ist ein ganz guter Vergleich. Oft ist es so, dass gute Ligaspieler in der Kneipe das erste Spiel verlieren. In der Liga hast du Regeln. In der Kneipe nicht. Da kann es vorkommen, dass du eigentlich genau weißt, wie du dich positionieren musst, um diesen einen Schuss zu verhindern. Dein Gegner schießt aber zwei Mal über die Bande und das Ding ist drin. Bis man sich da drauf eingestellt hat, kassiert man schon ein paar Tore.

Aber im Großen und Ganzen zieht ihr in der Kneipe alle ab, oder?

Martin: Ja, das kommt schon Mal vor. (lacht)

Annika: Als Frau ist das oft ganz witzig, wenn du in der Kneipe spielst und dann von Jungs oder Männern herausgefordert wirst. Da wirst du dann manchmal so ein bisschen belächelt … zumindest am Anfang. (lacht)

Wenn wir schon dabei sind. Kickert man mit einem Bierchen im Tank besser?

Martin: Besser bist du definitiv ohne. In der Kneipe mit Freunden haut das aber nicht immer hin.

Habt ihr euch durch Tischkickern, beim Kneipenbesuch oder durch’s Kickern in der Kneipe kennengelernt?

Annika: Letzteres. Das war im Hemperium. Da haben wir uns das erste Mal gesehen.Martin: Ab da haben wir dann öfter mit- und gegeneinander gekickert. Tja, und irgendwann wurde daraus mehr ...

Spielt ihr noch privat?

Martin: Eigentlich schon. Mit unserem Kleinen ist das momentan aber etwas schwieriger.

Annika: Da kommen wir nicht so oft dazu.

Martin: Bis vor einem Jahr haben wir aber regelmäßig zuhause gespielt. Mal zu zweit, mal mit Freunden.

Annika: Gerade während der Corona-Zeit haben wir beide einen großen Sprung gemacht, was das Können angeht. Um die Zeit totzuschlagen haben wir da viel zu Hause trainiert. Richtig mit Trainingsplan und so.

Gibt es irgendwelche besonderen Kickergeschichten?

Annika: Martin hat sich beim Kickern die Hand gebrochen.

Bitte was? Wie passiert denn so was?

Martin: Keine Ahnung. Ich bin abgerutscht und mit drei Fingern an der Stange hängen geblieben, es hat kurz reingezogen und ich dachte: „Okay, ich hab mir was überdehnt.“ Als es am nächsten Morgen aber immer noch weh tat und auch etwas dick war, bin ich ins Krankenhaus. Resultat: gebrochen.

Annika: Die Leute dachten alle er hätte sich geprügelt. Nein, das ist tatsächlich beim Kickern passiert. Er ist auch der Einzige, von dem ich weiß, der das geschafft hat.

Martin: Das stimmt. Ich kenne auch niemanden, dem das passiert ist. Aber nicht, dass du jetzt schreibst: „Kickern ist gefährlich.“ (lacht)

Zum Abschluss: Wo kickert man in der Umgebung am besten?

Annika: Auf jeden Fall in der Heidi.

Martin: Und im Hemperium.

Annika: Ach so, und bei den Jet Sparrows natürlich.

[frizz]

Jet Sparrows Ulm

Fort Unterer Eselsberg | Mähringer Weg 75 | 89075 Ulm

Website: jet-sparrows.de

Facebook: facebook.com/JetSparrows