„Die Bundeswehr warnt. Sie befinden sich in einer Kampfmittelverdachtszone!“ Seit Montag hängen rote Plakate mit dieser Aufschrift an Laternenmasten der Ulmer Innenstadt. Die auffälligen Schilder warnen vor angeblichen Sprengstoff- und Munitionsdepots in der Umgebung. Die Botschaft stammt laut Plakat vom Militärischen Abschirmdienst. Doch ist das wirklich so?
"Es besteht der begründete Verdacht, dass rechtsextreme KSK-Soldaten im eingezeichneten Gebiet Sprengstoff- und Munitionsdepots angelegt haben." Plakate mit dieser beunruhigenden Aussage befinden sich seit Montag (26.10.2020) in der Ulmer Innenstadt.
„Es besteht der begründete Verdacht, dass rechtsextreme KSK-Soldaten im eingezeichneten Gebiet Sprengstoff- und Munitionsdepots angelegt haben.“ Plakate mit dieser beunruhigenden Aussage befinden sich seit Montag (26.10.2020) in der Ulmer Innenstadt.
© Foto: Chris Wille

Protestaktion des „Zentrum für Politische Schönheit“

Nein. Die verunsichernden Plakate sind Teil einer politischen Protestaktion des „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS). Etwa zeitgleich zum Erscheinen der Plakate in Ulm platzierte die Gruppe auch einen „Waffenrückgabe-Container“ vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. Mit der Kampagne möchte das ZPS nach eigenen Angaben auf gestohlene Sprengstoff-, Munitions- und Waffenbestände der Bundeswehr aufmerksam machen. Auf der offiziellen Webseite der Protest-Kampagne, „unsere-waffen.de“, listet die Organisation die angebliche Menge an Sprengsätzen, Munition und Waffen auf, die aus den Beständen der Bundeswehr entwendet worden sein sollen. Für den Diebstahl verantwortlich macht die Organisation rechtsextreme Netzwerke innerhalb der Bundeswehr.

Plakate in Ulm: Aktion wurde von regionaler Gruppe unterstützt

Die Plakate des ZPS kamen mit Unterstützung von Ulmer Aktivisten in die Stadt. Das „Kollektiv.26“ hat sich nun zu der Aktion bekannt. Die nach eigenen Angaben „linke, radikale“ Gruppe veröffentlichte auf ihrem Blog ein Statement zu dem Geschehen. Neben Ulm wurden die roten Schilder auch in Blaustein aufgehängt. Außerdem verteilte die Gruppe Flugblätter mit dergleichen Botschaft in Ulm und Blaustein und stellte an beiden Orten ,ähnlich wie in Berlin, „Waffenrückgabe-Container“ auf. In einer Pressemitteilung des „Kollektiv26“ erklären die Aktivisten, sie hätten die Aktion des „Zentrum für Politische Schönheit“ damit unterstützen wollen und Aufmerksamkeit auf fehlende Waffenbestände sowie auf langjährige rechte Strukturen in der Bundeswehr lenken wollen.

Politischer Protest in Ulm: Polizei ermittelt

ZPS: Bekannt für kritische Protestaktionen

Das ZPS hatte in der Vergangenheit immer wieder mit umstrittenen Kunstaktionen Schlagzeilen gemacht. 2017 errichtete die Gruppe ein Holocaust-Mahnmal neben dem Privathaus des AfD-Politikers Björn Höcke. 2019 stellte das ZPS in der Nähe des Bundestags eine Gedenkstele mit Asche von NS-Opfern auf.