Nachhaltige Garnproduktion aus Dietenheim
: Gebr. Otto entwickelt neuartige Mischung aus Hanf und Bio-Baumwolle

Das Dietenheimer Unternehmen Gebr. Otto tüftelt seit einigen Monaten an einer Mischung aus Bio-Baumwolle und nativem, in Deutschland angebautem Winterhanf. Was es damit auf sich hat.
Von
Nadja Ruranski
Dietenheim
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Gebrüder Otto

Die Gebrüder Otto sind eine der letzten Spinnereien Deutschlands. Das Unternehmen ist seit 1901 in Dietenheim zu Hause.

Gebrüder Otto

Das Unternehmen Gebr. Otto widmet sich sowohl der Verarbeitung von Naturfasern als auch der Entwicklung von innovativen textilen Lösungen. Derzeit interessiert sich die Textilindustrie besonders für Hanffasern. Denn die Pflanze benötigt für ihren Anbau deutlich weniger Wasser und ist verglichen mit Baumwolle eher anspruchslos. „Fasern aus Hanf gibt es an sich schon lange. Die Faser ist etwas gröber und störrischer als Baumwolle, ein bisschen wie Leinen“, so Andreas Merkel, Geschäftsführer bei Gebr. Otto in einer Mitteilung des Unternehmens. Wie bei Leinen wurde auch bei Hanf bisher hauptsächlich mit Faserbündeln gearbeitet.

Mithilfe eines neuen Aufschlussverfahrens, vorgenommen durch einen regionalen Projektpartner, entstehen nun einzelne Fasern. Diese werden verkürzt, denn mit acht bis zwölf Zentimetern sind Hanffasern deutlich länger als Baumwollfasern. Selbst sogenannte „Extralangstapelbaumwolle“ erreiche nicht mehr als 35 bis 38 Millimeter. Man spricht dabei vom „Cottonisieren“ der Hanffasern. Gebr. Otto kombiniert die Hanffasern mit Bio-Baumwolle. Der Weg zu dieser neuartigen Mischung war nicht ganz einfach, weil sich die Anforderungen in der Verarbeitung von Hanf deutlich von denen von Baumwolle unterscheiden.

Bereits Anfragen zur Bemusterung bekommen

Merkel, der das Unternehmen in vierter Generation leitet, dazu: „Als Baumwollspinnerei sind unsere Bedingungen – Temperatur, Luftfeuchtigkeit und so weiter – in der Produktion optimal auf Baumwolle ausgelegt.“ Um die Staubentwicklung zu begrenzen, erfordere Hanf jedoch eine höhere Luftfeuchtigkeit, die bei der Baumwolle zu Verklebungen führen könne.

Das Unternehmen verspinnt den deutschen Winterhanf mit Virgin-Bio-Baumwolle im Verhältnis 25:75. „Mit zwei Garnfeinheiten haben wir gute Ergebnisse erreicht“, sagt Merkel. Gebr. Otto habe auf der Leitmesse Techtextil bereits Anfragen zur Bemusterung bekommen. Außerdem gebe es bei Webereien und auch im Bereich Flach- und Rundstrick Interessierte an der neuen Hanf-Baumwoll-Mischung.

Nachhaltigkeit sei dem Unternehmen sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion wichtig. „Als inhabergeführtes Familienunternehmen kommen wir gar nicht umhin, nachhaltig zu wirtschaften und zu produzieren.“ Als Beispiel führt Merkel den Ausbau der Solaranlage auf dem Dach des Balzheimer Ottowerkes an. Die Anlage produziert jährlich 930.000 Kilowattstunden Energie.

Für eine Erweiterung des Solarparks laufen bereits die Genehmigungsverfahren und in Dietenheim nutzt das Unternehmen Wasserkraft. Dort brummt seit 1901 die Turbine. Merkel meint: „Im Gegensatz zu den Garnen, die anderswo auf der Welt unter Einsatz von fossilen Energien hergestellt werden, ist ein Otto-Garn deutlich grüner.“