Metzgereien im Alb-Donau-Kreis: Der Trend geht in Richtung Selbstbedienung

Stammkundin Monika Hochscheidt hat wieder ihre Lieblingsartikel aus dem Automaten geholt, was Metzgermeister Ralf Unseld (links) freut.
Roland Schütter- Metzgermeister Ralf Unseld betreibt eine SB-Filiale in Westerstetten und einen Automaten in Jungingen.
- Die SB-Filiale verzeichnet 40–60 Kunden täglich; das Angebot variiert, besonders für Grillartikel.
- Selbstbedienung wird wegen Personalmangels auch im Stammladen in Neenstetten integriert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Metzgermeister Ralf Unseld ist ein Pionier. Nicht nur in seinem erlernten Beruf stellt er sich immer neuen Herausforderungen und probiert Dinge aus, sondern auch im technischen Bereich. Etwa mit der Selbstbedienungs-Filiale in Westerstetten, die er seit 12 Monaten zusätzlich zu seinem Stammgeschäft in Neenstetten betreibt. Dazu kommt ein Verkaufsautomat am Ortseingang von Jungingen in der Lehrerstrasse 25.
Zwei Jahre Zeit wollte sich der 50-Jährige für den Test in der früheren Westerstetter Metzgerei Höhe geben, doch die braucht es nicht. Unseld: „Wir haben 40 bis 60 Kunden am Tag, weit mehr als gedacht“. Das videoüberwachte Einkaufen zwischen 6 und 21 Uhr funktioniert einwandfrei, es gab bislang keine Beschädigungen und auch keinen Diebstahl. Der Fleischfachmann erklärt sich das so: „Es gibt eine Hotline-Nummer, wo man Hilfe bekommt und auch das im Haus wohnende Ehepaar Höhe ist rasch zur Stelle.“
Angebot variiert
Die weit über 100 Artikel in dem 45 Quadratmeter großen Raum laufen gut und werden ständig variiert, zum Wochenende hin vor allem mit Grillangeboten ergänzt. Während seiner Urlaubszeit habe der 16-jährige Sohn Marco, der im Betrieb mitarbeitet, die marinierten Steaks aufgefüllt, erzählt Unseld. „Das hat ihm Spaß gemacht.“
Ihm sind die Rückmeldungen der Kundschaft wichtig und die sind gut, weil er qualitativ hochwertiges Fleisch verarbeitet, selbst schlachtet, gute Gewürze nimmt und magere Produkte herstellt, die keine Zusatzstoffe haben. Preisprobleme mit Wettbewerbern? „Wir hörten kürzlich, dass wir günstiger als der Metzger im Rewe-Markt seien.“ Den Erfolg der SB-Filiale sieht er auch darin, dass sich die Kunden völlig in Ruhe alles anschauen können, bevor sie eine Wahl treffen. „Das ist stressfrei“, meint Unseld.
Seit Ende 2023 gehört Unseld ein Verkaufsautomat in Jungingen, der direkt an der Durchgangsstraße gut sichtbar auf einem Grundstück von Anke und Joachim Faul steht. Neben dem Gerät befindet sich seit einiger Zeit „Inas Eisautomat“, in dem die Neenstetter Inhaberin Ina Faul 16 selbstgemachte Sorten anbietet. Doch nebenan ist für das Herzhafte wie Fleisch, verschiedene Würste, Kartoffelsalat und Grillsteaks gesorgt. Daneben gibt es Artikel in Gläsern wie Hausmacher Wurst oder auch Honig. Beliebt seien Fertiggerichte wie Gulaschsuppe, Chili con Carne, Schaschliktopf und Wildgulasch.
Auch fertig Gekochtes im Angebot
Weil es gefragt ist, kann man auch Bier und ein Mischgetränk gekühlt dort kaufen, alles bargeldlos und videoüberwacht. Auch hier variiert Unseld die insgesamt 43 Artikel ständig, zum Wochenende kommen ebenfalls Grillangebote dazu. Es gibt aber auch ein fertig gekochten Rindsbraten mit Sauce, oftmals auch Wild, denn Ralf Unseld ist selbst Jäger. Sein Repertoire verändert er, um auf die Wünsche der Kundschaft einzugehen, die netten Gespräche vor Ort gefallen dem Metzgermeister.
Und nicht nur ihm, sondern auch den Jungingern Katrin und Uwe Schlichenmaier, die sich um den Automaten und dessen Befüllung kümmern. Das Team hat schon viel mit dem Hersteller aus Meppen getestet und verändert, stolz sind sie darauf, ein Gerät mir einer geeichten Waage zu haben. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, sich die App „Non Stop Shop“ herunterzuladen, die anzeigt, was der örtliche Automat mit seinen regionalen Produkten gerade im Sortiment hat.
Einfach ist sein Geschäftsleben keineswegs und manchmal deprimierend, wie dieser Tage, als ein „Überstrom“ etwa 30.000 Euro Schaden an seiner Einrichtung im Stammhaus anrichtete und nun um dessen Bezahlung gestritten wird. „Das ist für meine Existenz herausfordernd“, sagt Unseld, der als Optimist jedoch an eine gute Lösung glaubt und bereits an seinem nächsten Projekt arbeitet. Unterstützung erfährt er dabei von seiner Frau Nicole, Sohn Marco und einem Gesellen.
Selbstbedienung wegen Personalmangels
In seinem Stammladen in Neenstetten wagt Ralf Unseld jetzt eine Hybridlösung mit Bedienung als auch SB-Funktion, einfach, weil er nicht genug Personal bekommt. So ist jetzt das Geschäft montags bis donnerstags von 7 bis 12.30 Uhr mit einer Heißtheke geöffnet, danach bis 20 Uhr die SB-Einheit. Freitags ist mit einer Mittagspause bis 18 Uhr geöffnet, samstags bis 12.30 Uhr.
