Martin und Franziska Ansbacher
: „Unsere Familie ist ein super Team“

InterviewSeit gut vier Monaten ist der neue Ulmer Oberbürgermeister Martin Ansbacher im Amt. Genauso lange ist seine Frau Franziska „First Lady“ von Ulm. Die Ansbachers im Doppelinterview des neuen Stadtmagazins „acht.neun“.
Von
Dominik Schele, Ulrike Hoche, Karsten Sander
Ulm
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Ulms Oberbürgermeister und seine Frau Franziska

Ulms Oberbürgermeister und seine Frau Franziska beim Interview im Ulmer Rathaus.

Ulli Schlieper/Atelier Schlieper/Magazin 89

Da Ihr Mann ja seit seinem Amtsantritt schon viele Interviews gegeben hat, geht die erste Frage an Sie, Frau Ansbacher: Geht es Ihnen auf die Nerven, wenn man Sie als Ulms „First Lady“ bezeichnet?

Franziska Ansbacher: (lacht) Nein, denn so oft kommt das gar nicht vor. Und wenn ich so genannt werde, nehme ich das immer mit Humor. Selbst würde ich mich aber nicht als First Lady bezeichnen.

Werden Sie inzwischen anders wahrgenommen?

Franziska Ansbacher: Ich würde sagen: genau, wie vorher. Da hat es keine Veränderung gegeben.

Das heißt, Sie können immer noch in der Jogginghose zum Bäcker gehen oder mal zu spät zum Elternabend kommen, ohne dass das für großes Aufsehen sorgt?

Franziska Ansbacher: (lacht) Tatsächlich besitzen wir beide gar keine Jogginghose. Und selbst wenn, würden wir – denke ich – damit nicht auf die Straße gehen, unabhängig vom Amt. Zum Thema Pünktlichkeit: Da lege ich großen Wert drauf. Ich würde mir nie herausnehmen zu sagen: „Jetzt darf ich ja spät kommen“, oder: „Ich habe jetzt ein gewisses Privileg“. Das ist für mich auch eine Sache von Respekt anderen gegenüber.

Herr Ansbacher, könnten Sie als Oberbürgermeister eigentlich auch im Homeoffice arbeiten?

Martin Ansbacher: Wenn ich wollte, könnte ich bestimmte Tage fürs Homeoffice einrichten. Aber dafür bin ich einfach nicht der Typ. Ich arbeite gerne im Büro. Zum einen, weil ich damit klar Arbeit von Freizeit trennen kann und zum anderen brauche ich einfach den persönlichen Kontakt und den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Das ist mir sehr wichtig. Hinzu kommen dann noch zahlreiche Termine, die ich natürlich auch persönlich wahrnehmen will. Kurz gesagt: Homeoffice ginge, wenn ich es wollte, aber ich will es nicht.

Apropos viele Termine. Was bedeutet das für Ihr Privatleben? Braucht Ihre Frau nun auch einen Termin, um Sie zu sprechen?

Martin Ansbacher: (lacht) Nein. Auch davor war ich als Anwalt schon viel unterwegs. Dazu kamen der Fraktionsvorsitz im Stadtrat und Ehrenämter. Meine Frau und ich kennen das also schon. Von der Taktung her hat es sich vielleicht ein bisschen verschärft, aber grundlegend hat sich nichts geändert. Ich denke, das funktioniert bei uns so gut, weil wir ein richtig gutes Team sind.

Sehen Sie das auch so, Frau Ansbacher?

Franziska Ansbacher: Absolut. Ich würde noch einen Schritt weiter gehen und sagen, unsere Familie ist ein super Team. Wenn ich Martin, an Tagen wie heute, begleite, dann springt beispielsweise die Oma ein und ist bei unserer Tochter. Es erleichtert vieles, wenn man Unterstützung von Familie und Freunden erhält. Auch klare Kommunikation ist wichtig. Mein Mann ist zeitgleich mein bester Freund und wir reden über alles. Man muss sich absprechen, man muss organisieren und das Private organisiere ich.

Martin Ansbacher: Stimmt. Das macht alles Franzi. Sonst gäbe es ein Chaos. (beide lachen)

Franziska Ansbacher: Was wir jetzt vielleicht mehr machen müssen als früher ist fürs Wochenende zu planen.

Martin Ansbacher: Da hast du recht. Es gibt Termine, die ich am Wochenende wahrnehmen muss. Da nehme ich, wann immer möglich, die Familie mit. Nicht alle Termine sind dafür geeignet, aber wenn es geht, versuchen wir das.

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Matthias Kessler

Frau Ansbacher, Ihr Mann hat jetzt das höchste Amt der Stadt inne. Sind Sie auch ein politischer Mensch?

Franziska Ansbacher: Ja. Nicht in dem Sinne, dass ich politisch aktiv bin, aber auf jeden Fall politisch interessiert. Wir tauschen uns zu Hause sehr viel über Politik aus.

Martin Ansbacher: Das ist für mich auch wichtig. Meine Frau hat oft einen anderen Blick auf Dinge oder andere Themen im Fokus. Das hilft mir oftmals auch dabei, Situationen einzuschätzen. Ein kleines Beispiel: Als Erzieherin hat Franzi einen ganz anderen Zugang zum Thema Sozialpädagogik. Sie ist direkt vor Ort und weiß, wie die Situation in den Kitas ist. Sich darüber dann auszutauschen, ist – und war zum Beispiel auch im Wahlkampf – sehr viel wert.

Nicht nur Ihr Mann hat einen Berufswechsel hinter sich. Auch Sie haben den Beruf gewechselt. Stimmt es, dass Sie im gastronomischen Bereich tätig waren, bevor Sie in den pädagogischen gingen?

Franziska Ansbacher: Das stimmt. Ich habe lange im Betrieb meiner Familie gearbeitet, dem österreichischen Restaurant „Zum Franzl“ in Söflingen. Unser Restaurant war zwar klein, aber da steckte sehr viel Arbeit drin. Gastro und Familie unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach. Daher entschied ich mich vor einigen Jahren, etwas anderes zu machen. Pädagogik hat mich schon immer interessiert und vor fünf Jahren habe ich meinen Bachelor an der katholischen Fachhochschule gemacht.

Seit Juni am Start: acht.neun

Dieser Text erschien zuerst im neuen Stadtmagazin acht.neun. Es ging im Juni an den Start. Jeden Monat gibt es darin Geschichten rund um Leute, Lifestyle, Kultur, Gastronomie und Stadtgeschehen. Den Link zur Online-Ausgabe gibt es hier.

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Wenn wir noch einmal einen Schritt zurück zum Franzl gehen – man sagt ja, irgendwas bleibt immer hängen ...

Martin Ansbacher: … also, bei mir sind es die Kilos. (alle lachen)

Wird im Hause Ansbacher österreichisch gekocht?

Franziska Ansbacher: Eigentlich nicht. Außer, wenn mein Vater mal kocht.

Martin Ansbacher: Ich glaube, unsere Küche bestimmen die Schlagworte: gesund und einfach. Wir sind da, denke ich, recht genügsam.

Herr Ansbacher, sie haben unweit des „Franzl“ im „KCC“ auf der Bühne gestanden. Gibt bzw. gab es damals schon eine Verbindung zwischen Ihnen beiden?

Martin Ansbacher: Ja. Ich habe im KCC 15 Jahre lang Theater gespielt. Eine Verbindung bestand schon allein darin, dass sich der Betreiber des KCC, Michael Schild, und der Franzl gut kannten. Das Restaurant und das Theater waren ja nicht weit voneinander entfernt. Franzi kam dementsprechend öfters mal vorbei und so haben wir uns kennengelernt.

Söflingen, KCC-Theater, Kabarett „Hallo Nachbar“: Ganz schön deftig: Helga Kessler, Sandra Jäger, Martin Ansbacher und Michael Schild auf der Bühne des KCC.

Martin Ansbacher (3. v.l.) auf der Bühne des KCC. Der Ulmer Oberbürgermeister spielte 15 Jahre lang an dem Theater in Söflingen.

Maria Müssig/Archiv

Nutzt Ihnen ihre Schauspielerfahrung in der Politik?

Martin Ansbacher: Nein, so würde ich das nicht beschreiben, denn ich bin ja so wie ich bin und damit auch im Amt völlig authentisch. Man braucht allerdings schon ein gewisses Auftreten oder auch Selbstsicherheit. Dabei geht es ums Sprechen, ums Wirken und auch darum, seine Meinung zu vertreten. Ich denke, meine Zeit am KCC hat mir, was diese Selbstsicherheit angeht, durchaus etwas gebracht.

Werden Sie darauf heute noch angesprochen?

Martin Ansbacher: Das kommt durchaus vor, ja. Es freut mich sehr, wenn Menschen mir erzählen, wie positiv sie sich an diese Zeit erinnern.

Bald steht der Schwörmontag und damit auch Ihre erste Schwörrede an. Haben Sie Lampenfieber?

Martin Ansbacher: Lampenfieber weniger. Aber das Ganze ist natürlich etwas Neues für mich. Diese Situation, auf den Balkon zu treten, die Menschenmassen zu sehen und zu spüren – das ist etwas ganz Spezielles, etwas ganz Besonderes: eine ganz große Ehre. Ich würde nicht sagen, dass ich Lampenfieber habe, sondern großen Respekt. Die Menschen haben ja auch eine Erwartungshaltung und möchten sehen, wie der neue OB die Schwörrede hält und welche Themen er für die Zukunft der Stadt für wichtig ansieht. Da habe ich selbstverständlich den Anspruch, eine gute erste Schwörrede zu halten.

Werden Sie die Schwörrede im Vorfeld schon mal probelesen, Frau Ansbacher?

Franziska Ansbacher: Wenn Martin mich lässt. (lachen)

Lassen Sie ihre Frau die Rede im Vorfeld lesen?

Martin Ansbacher: Natürlich. Aber auch andere werden sie lesen. Die Rede soll ja den richtigen Ton und vor allem die richtigen Themen treffen. Da ist Feedback vorab dementsprechend sehr wichtig.

Würden Sie ihrem Mann sagen, wenn er den Ton nicht trifft?

Franziska Ansbacher: Auf jeden Fall.

Ulms Oberbürgermeister und seine Frau Franziska

Ulms Oberbürgermeister und seine Frau Franziska im Ulmer Rathaus. „Mein Mann ist zeitgleich mein bester Freund und wir reden über alles“, sagt sie im acht.neun-Doppelinterview.

Ulli Schlieper/Atelier Schlieper/Magazin 89

Vom Ulmer Nationalfeiertag zum Thema Urlaub. Wie darf man sich den bei Familie Ansbacher vorstellen?

Martin Ansbacher: Es kommt darauf an. Ich finde beispielsweise, dass Österreich ein unglaublich schönes Urlaubsland ist. Wir machen auch gerne Städtereisen innerhalb Deutschlands. Aber auch Entspannung muss sein.

Franziska Ansbacher: Wichtig ist es, Ulm zu verlassen, um wirklich abschalten zu können. Dieses Jahr wird es ein paar Tage am Meer geben. Da genießen wir dann zu dritt die Zeit als Familie.

Reisezeit ist Lesezeit. Haben Sie schon ein Buch für den Urlaub im Blick oder lesen Sie aktuell etwas?

Martin Ansbacher: Ich lese gerade, passenderweise, zwei Bücher über den Schwörmontag. Und Peter Schaal-Ahlers, der Münsterpfarrer, hat mir ein Buch über die Entstehung des Grundgesetzes geschenkt. Das habe ich mir für den Sommer vorgenommen.

Franziska Ansbacher: Ich lese wahnsinnig gerne Thriller, unter anderem von Sebastian Fitzek. Aber tatsächlich lese ich aktuell mit meiner Tochter zusammen vor allem Kinderbücher. Es ist schön, Klassiker von Ottfried Preußler oder Erich Kästner wieder zu erleben. Das macht richtig Spaß.

Kommen wir für die letzte Frage noch einmal zum Thema Beruf. Wissen Sie noch, was Sie als Kind werden wollten?

Franziska Ansbacher: Etwas ganz Konkretes gab es nicht. Aber ich habe mich schon immer für das Entdecken und Erkunden von anderen Ländern interessiert. Etwas im Bereich Reisen hätte ich mir sehr gut vorstellen können.

Martin Ansbacher: Ich wollte Tierarzt werden. Einen Faible für Tiere habe ich auch heute noch.

Anwalt, Stadtrat und jetzt Oberbürgermeister

Martin Ansbacher hat am 17. Dezember 2023 die Stichwahl gegen den damaligen Amtsinhaber Gunter Czisch mit 55,1 Prozent gewonnen. Am 29. Februar wurde Ansbacher als Oberbürgermeister vereidigt, seit 1. März ist er im Amt.

Er war seit 2014 Stadtrat, zuletzt Fraktionsvorsitzender der SPD. Seine Ämter als SPD-Kreisvorsitzender und Turngau-Vorsitzender legte er nach der Wahl nieder. Der gebürtige Neu-Ulmer wohnt mit seiner Frau Franziska und der achtjährigen Tochter am Eselsberg. Er ist Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht sowie für Miet- und Wohnungseigentumsrecht und war Partner in einer Ulmer Kanzlei.