Gewalt in den Sedelhöfen: User auf Social Media fordern mehr Videoüberwachung und Polizeipräsenz

Im Internet wird über den erneuten Angriff bei den Sedelhöfen diskutiert. Viele fühlen sich nicht sicher, fordern mehr Polizeipräsenz und Videoüberwachung.
Verena Schühly, Montage: swp- In den Sedelhöfen wurde am Samstagabend ein Mann mit einem Stichwerkzeug verletzt.
- Der Täter flüchtete, die Polizei sicherte Spuren und will Zeugen sowie Videos auswerten.
- Viele fühlen sich unsicher; teils wird mehr Polizeipräsenz und Videoüberwachung gefordert.
- Andere lehnen flächendeckende Kameras ab – Sorge vor Überwachung beim Einkaufen.
- Waffenverbotszone gilt seit Oktober 2024, Wirksamkeit wird online angezweifelt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Sedelhöfe in Ulm rücken nach einem erneuten Gewaltdelikt einmal mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Am Samstagabend (11.04.2026) war hier ein Mann niedergestochen worden, der Täter flüchtete.
Der Aufschrei auf Social Media war gewaltig, auf Facebook wurde die Tat sofort nach ihrem Bekanntwerden heftig diskutiert. Denn auch wenn noch vieles unklar ist – die Sedelhöfe sind für viele ein rotes Tuch. Zunächst die Fakten:
Was zur Attacke bekannt ist:
- Am Samstag gegen 19 Uhr kam es in der Unterführung zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt im Bereich der unterirdischen Ladenzeile zu einem Angriff.
- Ein Mann wurde schwer verletzt, schwebt aber laut Polizei nicht in Lebensgefahr.
- Die Tatwaffe blieb zunächst verschwunden, wurde im Laufe des Sonntags jedoch als Messer identifiziert.
- Noch in unmittelbarer Nähe des Tatorts konnte die Polizei einen 18-Jährigen und einen 23-Jährigen festnehmen. Nach weiteren Tatverdächtigen wird gefahndet.
- Die Polizei sicherte Spuren und kündigte an, Zeugen vernehmen und Videos auswerten zu wollen.
- Bei dem Verletzten handelt es sich um einen 22-jährigen ukrainischen Staatsbürger.
- Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Ulm wurde der 23-jährige Mann aus dem Raum Ulm noch am Sonntag dem zuständigen Haftrichter beim Amtsgericht Ulm vorgeführt.
- Der 18-Jährige wurde später wieder auf freien Fuß gesetzt.
Was noch unklar ist:
- Auch zu den Hintergründen weiß man bis jetzt noch nichts, etwa ob sich Täter und Opfer kannten oder ob dem Angriff ein Streit vorausgegangen ist. Solche Details klärt die Polizei üblicherweise in den Vernehmungen ab. Dabei wird – sofern es sein Gesundheitszustand zulässt – sowohl das Opfer befragt als auch Zeugen.
- Wie sieht es mit Videoüberwachung aus? In der Ulmer Innenstadt gibt es einige Kameras, die öffentliche Bereiche überwachen. Am Kriminalitätsschwerpunkt Lederhof etwa hat die Stadt acht Kameras in Betrieb. Ob im Tatbereich bei den Sedelhöfen Kameraaufzeichnungen existierten, ist nicht im Detail bekannt, die Polizei geht aber davon aus. Möglicherweise lässt sich auch auf der Fluchtroute des Täters etwas erkennen.
Worüber online diskutiert wird
Damit zu den Reaktionen auf Social Media. Viele Userinnen und User drückten aus, dass sie sich in der Stadt nicht sicher fühlten. Manche schrieben es ganz offen, andere kommentieren ironisch: „Kann nicht sein. Ulm ist sicher.“ Es gibt aber auch differenzierte Meinungen, so wie dieser User: „Ob das nun mehr oder weniger ist als früher, möchte ich gar nicht behaupten! Dadurch, dass man heutzutage aber ALLES erfährt, macht eben doch ein ganz anderes Gefühl, als man es früher hatte.“ Und andere geben zu bedenken, dass die Sicherheit kein Ulm-spezifisches Gefühl ist, wie dieser Kommentarschreiber: „Leudde: kommt mal für einen Tag nach Stuttgart! Ihr werdet so schnell wieder im Zug nach Ulm sitzen (wenn er denn fährt!)“.
Dass schon wenige Stunden nach der Tat ohne genaue Kenntnisse über Herkunft von Täter und Opfer Hass und Hetze gegen Menschen anderer Nationalität verbreitet wurde, zeigt, wie aufgeheizt die Debatte ist. Einige zitierten auch das von Kanzler Friedrich Merz ins Spiel gebrachte „Stadtbild“.
Ist mehr Überwachung und Kontrolle die Lösung?
Andere gingen sachlicher an die Debatte heran und suchten nach Lösungen, so wie dieser User: „Kameras,Kameras Kameras und jeder Menge Einsatzkräfte zur Überwachung“. Eine stärkere Polizeipräsenz wurde mehrfach gefordert. In Sachen Videoüberwachung waren sich die Kommentarschreiber aber nicht so einig: „Sind wir mal ehrlich in anderen Städten hat es auch Video-Überwachungen wie Frankfurt Fußgänger Zone und Bahnhof sowie Stuttgart und auch Hamburg , Brennpunkte wo es oft zu Übergriffen und Delikten kommt“, schrieb einer. Andere fühlen sich unwohl bei dem Gedanken, selbst in der Innenstadt etwa beim Einkaufen und Bummeln gefilmt zu werden. Auch das wird aber unterschiedlich gesehen: „Mich kann man gerne auf der Straße überwachen habe nichts zum verbergen.“
Was ist eigentlich mit der Waffenverbotszone in Ulm?
Ein weiterer Lösungsansatz ist die Waffenverbotszone. Die gilt in Ulm immerhin seit Oktober 2024. Im ersten Jahr wurden 22 Verstöße dagegen festgestellt, wie die Polizei im Herbst 2025 berichtete. Erst Ende März wurde die Zone verlängert.
Allerdings zweifeln viele User online an ihrer Wirksamkeit: „Und da zeigt es wieder wer sowas macht juckt die Waffenverbotszone eh nicht.“ Manche wünschen sich mehr Hinweise auf die Regelung: „Man hört immer nur von der Verbotszone aber ohne sichtbare hinweisen könnte man es für ein Gerücht halten.“ Das meint auch dieser User: „Für die Katz weil zwar angeordnet, aber nirgends erkennbar oder sichtbar für Bürger“.
Inwieweit die Stadt und die Polizei hier noch einmal nachbessern wollen, ist noch unklar.
Sicherheit rund um Hauptbahnhof und Sedelhöfe
Immer wieder tauchen die Sedelhöfe im Polizeibericht auf: Gewalttaten und Drogendelikte sind hier keine Seltenheit. Im Jahr 2025 sorgte ein Video für Aufsehen, das in Sozialen Medien geteilt wurde. Darauf waren mehrere junge Männer zu sehen, einer von ihnen bekam offenbar eine Flasche über den Kopf gezogen. Die Polizei ermittelte einen 22-Jährigen als Opfer der Attacke.
Erst Anfang März hatte das Frauenforum bemängelt, die Sedelhöfe seien ein Angstraum. Frauen würden sich hier nicht sicher fühlen.
Anfang 2024 führte die Polizei im Abstand von wenigen Wochen zwei groß angelegte Razzien in der Bahnhofstraße, am Bahnhofsvorplatz sowie am benachbarten Lederhof durch. Man wolle das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger stärken, hieß es damals. In den Monaten davor war das Areal zu einer Art Kriminalitätsschwerpunkt geworden: Es gab Schlägereien, Vandalismus, Raubüberfälle. Auch in den Monaten danach war es nicht wirklich ruhiger dort geworden: Im April 2024 gingen mehrere Männer mit Schlagstöcken, Messern und Steinen aufeinander los. Im Mai 2024 wurde eine Seniorin in der Wohnanlage Sedelhöfe Opfer eines Angriffs: Zwei Männer attackierten sie im Aufzug.

