Galerie am Saumarkt in Ulm: Zerknüllte Leinwände, zerlegte Gesichter

Mixed-Media-Arbeiten von Wendoly Monteiro da Costa (links) und Joséphine Sagna.
Julika Nehb- Galerie am Saumarkt zeigt „Weblingbling“ mit Werken aus Wiblingen – bis Samstag, 17. Oktober.
- Zu sehen sind Arbeiten von Wendoly Monteiro da Costa und Joséphine Sagna.
- Sagna thematisiert als Schwarze Frau Vorurteile und Rassismus mit fragmentierten Porträts.
- Monteiro da Costa schafft abstrakte Mixed-Media mit geknüllten Leinwänden und Kraterflächen.
- Ort und Zeiten: Fischergasse 34, Mittwoch–Freitag 10–12 und 14–18 Uhr, Samstag 10–12 Uhr.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Weblingbling“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Galerie am Saumarkt. Wer da protzige Klunker erwartet, ist aber auf dem Holzweg. Vielmehr spielt der Ausstellungstitel klanglich auf den Ulmer Stadtteil an, in dem die beiden Künstlerinnen, Wendoly Monteiro da Costa und Joséphine Sagna, aufgewachsen sind: Wiblingen. Mit der bereits zweiten gemeinsamen Ausstellung der beiden möchte die Galerie das eigene Programm verjüngen und mehr Kunst mit Ulm-Bezug zeigen.
Die deutsch-senegalesische Künstlerin Sagna (Jahrgang 1989) lebt inzwischen in Frankreich und macht gesellschaftspolitische Kunst, die für das Programm der Galerie eher ungewöhnlich ist. Im Zentrum steht Sagnas Erfahrung, als Schwarze Frau in einer überwiegend weißen Gesellschaft aufzuwachsen und zu leben – also immer wieder Vorurteilen zu begegnen und strukturellen und alltäglichen Rassismus zu erleben. Das zeigt sie mit bildraumfüllenden Köpfen Schwarzer Frauen in intensiven Farben und starken Kontrasten.
Wut, Stolz, Anmut
Aus den ausdrucksstarken Porträts sprechen Wut und Frustration, aber auch Widerstand, Stolz und Anmut. Innere Spannung und äußerer Druck hinterlassen deutliche Spuren. Sagna betont sie, indem sie die Gesichter in Fragmente zerlegt und manchmal fast kubistisch verzerrt. Effektiv nutzt die Künstlerin dazu verschiedene Techniken aus Malerei, Zeichnung, Collage, Graffiti und Street Art.
So viel Lebensgeschichte und Selbstbehauptung finden sich in den abstrakten Arbeiten von Wendoly Monteiro da Costa (Jahrgang 1988) auf den ersten Blick nicht, auch wenn die Werke sich optisch gut ergänzen. Die Mixed-Media-Kunst der inzwischen in Berlin lebenden Künstlerin vermittelt vielmehr Materialinteresse und Materiallust.
Die Leinwände füllt sie wahlweise mit satten Ölbatzern oder bearbeitet sie mit Acryl, Gips, Kreide oder Sprühfarbe. Anschließend wird der Bildgrund mit einer Entschlossenheit zusammengeknüllt, mit der sich manche Schriftsteller von missratenen Textentwürfen trennen. In Schichtarbeit entstehen zerfurchte Oberflächen und farbenfrohe Kraterlandschaften, die durchaus ansprechend sind. Das ist technisch mehr als solide, doch im direkten Vergleich mit Sagnas figurativem Ansatz bleibt ein klares Anliegen verborgen.
Die Ausstellung ist bis Samstag, 17. Oktober 2026, in der Galerie am Saumarkt im Ulmer Fischerviertel (Fischergasse 34) zu sehen. Mittwoch bis Freitag von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 12 Uhr.

