Donaufest Ulm/Neu-Ulm 2026: Da ist musikalisch etwas im Fluss – und das soll man hören

Ein Auszug aus der musikalischen Speisekarte: (von links im Uhrzeigersinn) Nicim Izazvan aus Serbien, das ukrainische Trio Elba Band und Waldeck aus Österreich.
Internationales Donaufest- Internationales Donaufest 2026: Pop-, Jazz- und Folklore-Programm auf drei Open-Air-Bühnen.
- Booking-Ziel ist aktuelle Musik aus Donauländern, oft in Landessprache und mit jungen Acts.
- Snails aus Moldawien spielen auf der Donaubühne – in ihrer Region sind sie Stars.
- Österreich-Schwerpunkt mit Yasmo & Die Klangkantine, Waldeck und der „Wiener Melange“.
- Kooperationen entstehen vor Ort, etwa Killo Killo Banda mit Dunkelbunt und lokale Projekte.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Irgendwann ging Rainer Markus Walter auf, wen er da fürs Internationale Donaufest 2026 (3. bis 12. Juli 2026) verpflichtet hatte. Im Mai war der für das Pop-, Jazz- und Folklore-Programm zuständige künstlerische Leiter ins moldawische Chisinau gereist, um sich mit der Band Snails zu treffen. Schon auf dem Weg zum Restaurant traf man kichernde Mädchen, vor dem Proberaum drückten sich Fans herum. Abends beim Konzert machte Walter dann große Augen: In der ausverkauften Halle unweit der Uni hatten sich Tausende versammelt. „Das sind die moldawischen Oasis“, sagt der Ulmer. Und auch im benachbarten Rumänien seien Snails richtige Stars. Und jetzt spielen die Brit-Rocker an einem Sonntagabend (5. Juli, 21 Uhr) auf der Donaubühne.
Solche Erlebnisse zeigen Walter, dass er mit dem Booking auf dem richtigen Weg ist. Man muss dabei nicht um den heißen Brei herumreden: Das Donaufest hat sich in den vergangenen Jahr(zehnt)en verändert, lange vorbei die Zeiten, als teure Balkan-Stars wie Goran Bregović anreisten. Alles ist ein bis zwei Nummern kleiner, dafür bei freiem Eintritt. Sein Budget habe sich im Vergleich zur letzten Ausgabe nicht verändert, sagt Walter. Um dennoch ein interessantes Programm gestalten zu können, brauche es Verhandlungsgeschick und ein gutes Netzwerk. „Und es gibt Bands, die gerne kommen wollen, weil sie wissen, wie es auf dem Donaufest ist.“
Tipps kommen aus den Länder selbst
Die Grundidee ist, dem Publikum zu zeigen, was gerade in den Donauländern entsteht oder die Menschen dort begeistert. Dafür recherchiert Walter online und vor Ort, er zapft aber auch das Netzwerk des Donaubüros an, fragt Projektpartner im Südosten. Snails aus Moldawien oder die Balkan-Reggae-Truppe Merudia aus Bulgarien waren Tipps aus ihren jeweiligen Heimatländern.
Wo lohnt sich also der Besuch? Natürlich bei den Österreichern: Die HipHop-Jazz-Brass-Formation Yasmo & Die Klangkantine (4. Juli, 19 Uhr, Donaubühne Ulm) war ein naheliegendes Booking, schließlich ist Rapperin Yasmin „Yasmo“ Hafedh auch Moderatorin der Eröffnungsfeier. Und Waldeck kennen Musikfans als Experten für Lounge-Beats und Electro-Swing (9. Juli, 21 Uhr, Donaubühne Ulm).
Einen neuen Dreh bekommt bei seiner sechsten Ausgabe das Format „Wiener Melange“ (8. Juli, 20 Uhr): Erstmals konnten sich Bands über die Initiative „Music Austria“ bewerben. Fast 100 Bewerbungen sind laut Walter eingegangen, ausgewählt habe man „drei Bands, die auf dem Sprung sind“: Belle Fin und Vereter gewinnen dem Wienerlied neue jazzige beziehungsweise queer-migrantische Seiten ab, Das Schottische Prinzip klingen wie die Austria-Antwort auf den feministischen Indie-Punk von Wet Leg.
Apropos Wien: Dort arbeiten gerade die für Ska und Reggae bekannte Killo Killo Banda aus dem serbischen Novi Sad und der Electro-Swing-Producer Dunkelbunt – zwei „Donaufest-Wiederholungstäter“ – an ihrer gemeinsamen Show für die „Donaufest Factory“ (11. Juli, 20.30 Uhr, Donaubühne Ulm). „Da entstehen wirklich zwei Stunden Live-Show für uns“, freut sich Walter.
„Geburtshelfer“ für ein neues Live-Projekt
Das Donaufest gibt auch den Anstoß für besondere Kooperationen und Produktionen. Auch lokal, so musiziert das sonst für instrumentalen Jazz bekannte Henning Dampel Trio mit dem A-cappella-Ensemble Maulhelden (3. Juli, 20 Uhr, und 4. Juli, 14 Uhr, Bühne im Weindorf). Bei einem besonderen Tipp des künstlerischen Leiters war das Festival so etwas wie der „Geburtshelfer“: Dass der Serbe Raid Kyu, der Beatmacher des ebenfalls Donaufest-bekannten Rappers Marcelo, seine Downbeat-Produktionen jetzt im Bandformat live zum Klingen bringt (9. Juli, 20 Uhr, Weindorf-Bühne; 10. Juli, 15 Uhr, Bühne Neu-Ulm), lag laut Walter auch an seiner Anregung.
Das musikalische Spektrum ist groß: Dabei ist unter anderem noch das nach Hamburg geflohene ukrainische Folklore-Pop Trio Elba Band, das 2025 bei „The Voice of Germany“ antrat (11. Juli, 19.30 Uhr, Bühne Neu-Ulm), die Ungarn Kávészünet mit lyrischem Indie-Rock (3. Juli, 21 Uhr, Donaubühne Ulm) und die vielseitige Pop-Gruppe Nicim Izazvan (10. Juli, 19 Uhr, Donaubühne Ulm), „eine große Nummer“ in Serbien. Die hat Walter ein zweites Mal eingeladen, weil sie bei ihrem letzten Besuch das Pech hatte, gegen ein Spiel der Fußball-Nationalmannschaft antreten zu müssen. Die Deutschen waren bei der EM 2016 bis ins Halbfinale gekommen, verrückte Geschichte.
Was beim Blick aufs Programm auffällt: Ein Großteil der rund 80 Künstlerinnen und Künstler singt nicht auf Englisch, sondern in ihren jeweiligen Muttersprachen. Das sei nicht geplant gewesen, sondern „einfach passiert“, so Rainer Markus Walter. Aber ja, aktuell gehe eine neue Generation selbstverständlich mit dem eigenen heimischen Liedgut oder auch der literarischen Tradition um. Was auch bedeute, dass es immer schwieriger werde, die Grenze zwischen dem Pop- und dem Folklore-Programm zu ziehen. Da ist musikalisch etwas im Fluss im Donauraum – und auf dem Donaufest soll man es hören können.
Auf zwei Seiten des Flusses
Drei Open-Air-Bühnen werden musikalisch bespielt beim Donaufest: die Donaubühne und die Weindorf-Bühne auf der Ulmer Seite, dazu die Bühne am Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm. Überall ist der Besuch kostenlos. Mehr zu den einzelnen Konzerten steht auf donaufest.de/programm.


