Digital Detox: Studienteilnehmer gesucht
: Herausforderung! Vier Wochen lang nur eine Stunde Social Media pro Tag

Eine Studie der Ulmer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie möchte herausfinden, wie sich eine reduzierte Nutzungsdauer auf die Gesundheit auswirkt. Dazu werden Teilnehmer gesucht.
Von
Ulrike Schleicher
Ulm
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Frau schaltet sein Smartphone aus: ILLUSTRATION - Einfach mal abschalten: Selbstbesinnung geht nur ablenkungsfrei. (zu dpa: «Im Urlaub: Digital Detox bitte nur in light») Foto: Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Abschalten im  Sinne des Wortes: Studienteilnehmer sollen ihre tägliche Bildschirmzeit reduzieren.

Sven Hoppe/dpa-tmn/dpa
  • Ulmer Klinik sucht Teilnehmer für Digital-Detox-Studie mit Fokus auf psychische Gesundheit.
  • Ziel: Social-Media-Nutzung auf max. 1 Stunde/Tag reduzieren und Auswirkungen untersuchen.
  • Teilnehmer: 16–29 Jahre, mind. 4 Std. Social Media täglich, nicht in laufender Therapie.
  • Studie läuft online, inkl. Befragungen und Fitnesstracker zur Bewegungsmessung.
  • Anmeldung per E-Mail, es fehlen noch rund 90 Teilnehmende von insgesamt 150.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Manche beschreiben es als große Leere. Wer von heute auf morgen auf TikTok, Instagram, Snapchat und Co. verzichtet, hat unter Umständen regelrechte Entzugserscheinungen. Man fühlt sich abgekapselt und weiß vor allem gar nicht, wie man die gewonnene Zeit ausfüllen soll. Vielleicht ergreift einen Unruhe und man schläft schlecht:  Alles unangenehme Folgen eines Digital Detox, wie der Verzicht auf die sozialen Medien und Internet genannt wird.

Trotzdem sollte man Verzicht üben. Denn wie die derzeitige Forschungslage zeigt, gibt es einen Zusammenhang zwischen der Bildschirmzeit am Smartphone und psychischer Gesundheit, teilt Prof. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Ulmer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie, mit. „So können Symptomatiken, wie zum Beispiel Depressivität, Ängstlichkeit, Schlafstörungen und Stress mit zunehmender Smartphone-Nutzungsdauer steigen, während gleichzeitig die Lebensqualität und das Wohlbefinden junger Menschen abnehmen können“, beschreibt es Fegert. Dies gelte auch für die Nutzung sozialer Medien, die einen wesentlichen Anteil der täglichen Smartphone-Zeit einnehmen. „Darüber hinaus weisen immer mehr Studien auf das hohe Suchtpotenzial sozialer Medien hin.“

Die Teilnehmenden machen alles von zu Hause aus

Unter Fegerts Leitung soll deshalb eine Studie erarbeitet werden. Das Ziel ist, die Bildschirmzeit und Nutzung sozialer Medien von jungen Menschen über einen Zeitraum von vier Wochen zu reduzieren und die Auswirkungen davon auf die psychische Gesundheit zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen dabei helfen, Empfehlungen für einen psychisch gesunden Smartphone- und Social-Media-Konsum zu formulieren sowie niedrigschwellige Strategien für den Lebensalltag zu entwickeln, so Fegert.

Es soll dabei zwei Gruppen geben, erklärt die Projektkoordinatorin Emiliy Sitarski. In einer Gruppe sollen die Teilnehmenden über einen Zeitraum von vier Wochen Social Media nur noch eine Stunde am Tag nutzen. In der anderen Gruppe sollen sie sich selbstverantwortlich für vier Wochen ein tägliches Zeitlimit setzen. Das Ganze läuft jeweils zu Hause ab, die Studienteilnehmer werden online betreut.

„Während der Versuchsphase finden mehrmals Online-Befragungen zur Bildschirmzeit, zur psychischen Gesundheit und zur Schlafqualität statt“, erklärt Sitarski. Einmal wöchentlich werden zusätzliche Fragen gestellt. Und nach zwei Monaten nach Ende der Intervention noch einmal. Stellt sich die Frage, wie Menschen, die ihre Freizeit überwiegend am Handy verbringen, mit der gewonnenen Zeit umgehen sollen? „Vor Studienbeginn gibt es eine Infoveranstaltung, bei der wir dazu verschiedene Vorschläge unterbreiten“, sagt die Projektkoordinatorin. Es werde ein Katalog an Freizeitbeschäftigungen vorgelegt. Zudem habe man die Gelegenheit für ein individuelles Gespräch. Zur Motivation erhalten die Teilnehmenden zudem einen Fitnesstracker (Armbanduhr), der über die gesamte Studiendauer getragen werden soll. Dieser misst, wie viel die Teilnehmenden sich bewegen. Damit die Datenlage am Ende stimmt und es keine „heimliche Bildschirmzeit“ gibt, werden die Teilnehmer anhand ihrer Smartphonedaten überprüft. „Wer die Limits ständig überschreitet, muss dann aus der Studie ausgeschlossen werden.“

Dass die vierwöchige Digital-Detox-Zeit einen positiven Effekt hat, davon sind die Forschenden überzeugt. „Aufgrund von Vorstudien ist von einer Verbesserung der psychischen Gesundheit auszugehen.“ Stress und depressive Symptome sollten abnehmen. Die Schlafqualität, das Wohlbefinden und die Lebensqualität sollten sich verbessern. „Bei Teilnehmenden mit intensiver Social Media-Nutzung kann jedoch zu Beginn der Intervention mit einer Zunahme von Nervosität oder Unruhe gerechnet werden.“ Noch hat die Studie nicht begonnen, es fehlen noch Teilnehmer, die sich trauen.

Teilnehmer zwischen 16 und 29 Jahren gesucht

Rund 150 Teilnehmende brauchen die Forschenden für die Digital Detox-Studie. 60 haben sich laut Emiliy Sitarski bereits gemeldet. Mitmachen können Interessierte bundesweit, denn die Studie läuft ausschließlich über Onlinekontakte.

Die Voraussetzungen: Zwischen 16 und 29 Jahre alt, ausreichende Deutschkenntnisse (Schule oder Arbeit in deutscher Sprache), ein Smartphone, Nutzer von Social Media für mindestens 4 Stunden am Tag. Nicht in laufender psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung.

Wer interessiert ist, kann sich unter socialmedia.kjp@uniklinik-ulm.de mit dem Betreff „Social Media Pause“ melden. Mit Vor- und Nachnamen sowie Telefonnummer. Nach der Informationsveranstaltung kann man entscheiden, ob man teilnimmt.