Studie der Uni Ulm
: Forscher warnen: Soziale Medien können Kinder krankmachen

Ein Forscherteam mit Ulmer Beteiligung hat Empfehlungen zum Umgang mit TikTok, Snapchat, YouTube und Instagram entwickelt. Eine davon: kein Account vor dem 13. Lebensjahr!
Von
Ulrike Schleicher
Ulm
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Jugendsprache der Zoomer und Boomer: Familie mit ihren Smartphones am Esstisch (Themenfoto vom 13.01.2024). Jede Generation spiegelt mit ihrer Sprache auch ihre Jugendkultur. Im Oktober wird das "Jugendwort des Jahres" 2024 bekanntgegeben; Mucke, Fluppe, Sportsfreund waren die Jugendwoerter der Boomer. (Siehe epd-Feature vom 26.09.2024)
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Eltern sollten Vorbild bei der Nutzung des Handys sein und vor allem Regeln zusammen mit den Kindern festlegen.

Detlef Heese/epd
  • Soziale Medien können das Wohlbefinden von Kindern verschlechtern, warnt ein Ulmer Forscherteam.
  • Empfehlung: Kein Social Media-Account vor dem 13. Lebensjahr, klare Regeln mit Kindern aufstellen.
  • Problematische Nutzung (PSMU) führt zu Depressionen, Essstörungen und Selbstverletzungen.
  • Emotional labile Jugendliche sind besonders gefährdet.
  • Forschungsergebnisse wurden im Familienausschuss des Bundestags präsentiert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Nutzung Sozialer Medien kann krank machen und das Wohlbefinden verschlechtern. Zu diesem Schluss kommen Forschende aus verschiedenen Ländern und haben unter der Koordination des Leiters der Abteilung Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, Prof. Christian Montag, Empfehlungen zur Social Media-Nutzung formuliert. Diese sind für Eltern und Bildungseinrichtungen interessant.

„Social Media gehört nicht in die Hände von Kindern und jungen Heranwachsenden! Kein eigener Account vor dem 13. Lebensjahr“, lautet eine dieser Empfehlungen des internationalen Teams von Forschenden aus den Sozialwissenschaften, der Psychologie und der Psychiatrie. Eltern sollten mit ihren Kindern detaillierte Regelungen für die Nutzung von Socia Media Apps wie Youtube, TikTok, Snapchat, Instagram und Co. festlegen, und das bereits vor dem ersten Gebrauch. Außerdem müssten Väter und Mütter hier Vorbild sein und mit gutem Beispiel vorangehen.

Handyverzicht in Schulen empfohlen

In dem Beitrag spricht sich das Forschungsteam außerdem für verbindliche Regelungen in der Schule aus. Die Lehrkräfte sollten in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen – am besten unter Beteiligung der Schülerinnen und Schüler – verbindliche Richtlinien für die Nutzung von Smartphones in der schulischen Umgebung aufstellen, die dann sowohl für die Schüler als auch die Lehrerschaft gelten. Am besten wäre es nach Ansicht der Verfasserinnen und Verfasser des Konsenspapiers, wenn Kinder und Jugendliche während des gesamten Schultages auf die Nutzung des Smartphones verzichten würden.

„Ein verantwortungsvoller Umgang mit diesem anspruchsvollen Thema muss evidenzbasiert sein. Wir brauchen Regeln, die auf wissenschaftlicher Erkenntnis basieren, und es ist zweifelsohne mehr Forschung nötig“, erklärt Montag ergänzend. Die Fragen rund um die sozialen Medien seien aber drängend, und es gäbe bereits einiges an Erkenntnissen.

Demnach kann die problematische Nutzung Sozialer Medien (PSMU), so der Begriff für einen übermäßigen und gesundheitsgefährdenden Social Media-Gebrauch, suchtähnliche Formen annehmen. So werde aktuell diskutiert, inwieweit die Symptome der anerkannten Computerspielsucht (Gaming Disorder) auf den Bereich der exzessiven Social Media-Nutzung übertragen werden können. Kinder- und Jugendliche mit PSMU neigten verstärkt zu Depressionen und Angstzuständen, beobachtet würden außerdem vermehrt Essstörungen und Selbstverletzungen. „Dazu kommen emotionale und soziale Störungen sowie eine problematische Körperwahrnehmung“, heißt es.

Emotional labile Jugendliche besonders gefährdet

Es wurde auch der Frage nachgegangen, warum die einen das Smartphone nicht mehr aus der Hand legen und andere weder TikTok noch Youtube brauchen. Denn nicht alle jungen Menschen seien gleichermaßen anfällig für eine problematische Social Media-Nutzung. „Besonders hoch ist das Risiko bei jungen Heranwachsenden. Mädchen sind möglicherweise anfälliger als Jungen“, erläutert Montag. Aber es gibt auch aktuelle Zahlen, die zeigen, dass sich die Geschlechterverhältnisse angleichen.

Überdurchschnittlich stark betroffen sind Jugendliche, die emotional labil sind, die wenig Selbstbewusstsein und Selbstkontrolle haben und dafür psychosoziale Probleme. Doch situative und kontextuelle Faktoren spielen ebenso hinein: Gibt es klare Regeln und verbindliche Richtlinie für den Umgang mit Social Media von Seiten des Elternhauses und von Seiten der Schule?
Warum junge Menschen so häufig zum Smartphone greifen und Social Media Content konsumieren, wurde auch hinterfragt.

So wird vermutet, dass tiefergehende psychologische und soziale Mechanismen greifen. „Möglicherweise werden negative Gefühle reguliert und nicht erfüllte Bedürfnisse kompensiert. Schließlich geht es um Zugehörigkeitsgefühle, um Anerkennung und Bewunderung sowie nicht zuletzt um die Angst, etwas zu verpassen“, erklären die Forschenden. Von FOMO ist die Rede, der Fear of Missing Out, aber ebenso von Freunden, die man dort trifft und Freundschaften, die man dort findet.

Erkenntnisse im Bundestag vorgestellt

Prof. Christian Montag hat die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Social Media-Nutzung vor Mitgliedern des Familienausschusses im Deutschen Bundestag vorgetragen. Außerdem fordert er die Finanzierung der Forschung zum Thema PSMU. Dafür könnten EU-Strafgelder von Digitalkonzernen verwendet werden, die gegen den EU Digital Services Act verstoßen.

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