Türsteherin im Interview: „Ich muss mir Respekt verschaffen, das ist das A und O“

Auch Frauen, wie Lisa Gairing, können am Eingang stehen. Denn Muskeln und Kraft sind längst nicht das Wichtigste, um an der Disco-Tür für Ordnung zu sorgen.
Cocomo Club- Lisa Gairing arbeitet als Türsteherin im Cocomo Club in Ulm, eine Position, die oft von Männern dominiert wird.
- Sie betont, dass Kommunikation wichtiger als körperliche Stärke ist, und hat einen Deeskalationskurs besucht.
- Als weibliche Security-Ansprechpartnerin schafft sie Vertrauen, besonders bei weiblichen Gästen.
- Der Frauenanteil in traditionellen Männerberufen, wie Lkw-Fahrerin und in der Landwirtschaft, steigt.
- Gairing hat durch den Job mehr Selbstbewusstsein und Kommunikationsfähigkeit gewonnen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
An der Hirschstraße stehen zwei Männer hinter einer Art Absperrung. Schwarze Hosen, schwarze Jacken. Auf der Brust prangt jeweils der Hinweis „Security“. Ich sage, wohin ich gerne möchte und darf vorbei, gehe weiter Richtung Cocomo. Das Cocomo ist ein Club mitten in Ulm und hat als einer der wenigen Clubs in der Region eine Türsteherin. Direkt vor dem Club steht die 27-jährige Lisa Gairing. Sie kommt aus Altsteußlingen bei Ehingen und arbeitet seit November 2023 für das Cocomo. Drei- bis viermal im Monat steht sie direkt am Haupteingang des Clubs – in schwarzer Montur, mit Walkie-Talkie – und begrüßt die Gäste. Im Interview erzählt sie, worauf es in ihrem Beruf ankommt.
Zunächst einmal, wie kamen Sie denn zu dem Security-Job?
Ein ehemaliger Arbeitskollege erzählte mir, dass das Cocomo für einen Minijob eine Frau für die Security sucht. Da ich gerne verreise, dachte ich mir, das wäre doch ein guter Nebenverdienst. Ich hatte ein Probearbeiten, das lief gut, aber ich hätte im Traum nicht gedacht, dass ich mal als Türsteherin arbeite. Eigentlich bin ich gelernte Einzelhandelskauffrau. Allerdings war ich zuvor in einer Erbacher Firma als Sicherheitsmitarbeiterin tätig, damit bei Veranstaltungen keine unbefugten Personen reinkommen. Jetzt im Club, das gefällt mir besser, da bin ich viel näher an den Gästen dran.
Wer kommt rein und wer nicht, wonach selektieren Sie?
Die eigentliche Selektion findet bereits an der Hirschstraße statt, wo zwei Männer von der Security stehen. Das Verhältnis von Frauen und Männern sollte einigermaßen ausgeglichen sein. Oben an der Tür, wo ich stehe, ist es eher so, dass ich die Leute freundlich begrüße und dann ins Cocomo reinlasse. Ich schaue, ob das über VIP oder über die Abendkasse läuft. Je nachdem, lasse ich die Leute durch die rechte oder die linke Tür, und leite das an die Kollegen drinnen weiter. Wichtig ist es, mit den Gästen locker umzugehen, auf einer coolen Ebene. Ich mache dann auch mal Witze.
Das klingt ziemlich locker. Was, wenn jemand unverschämt wird?
Erstmal stelle ich mich aufrecht und leicht breitbeinig hin. Ein selbstbewusstes Auftreten ist sehr wichtig. Ich muss mir Respekt verschaffen, das ist das A und O. Zudem trage ich meine Sicherheitsuniform, die schützt mich vor anzüglichen Blicken. Sie glauben gar nicht, wie viele Angebote ich von Frauen bekomme, die scheinen auf Uniform zu stehen, die wollen sogar meine Nummer (lacht). Ich sage dann, Du, ich muss hier arbeiten. Natürlich werde ich immer wieder getestet, vor allem von Männern. Manche von denen denken, eine Frau an der Tür, von der lasse ich mir nichts sagen. Mit einer Kleinmädchenstimme komme ich da nicht weiter. In freundlichem, aber sehr bestimmten Ton sage ich dann: Ich begegne Dir respektvoll, also kannst Du mir auch respektvoll begegnen.
Und wenn das nicht hilft?
Es gibt Personen, da habe ich ein ungutes Gefühl, da hole ich einen Kollegen dazu. Direkt an der Tür bin ich zwar allein, aber ansonsten arbeiten wir immer in Zweierteams. Die männlichen Kollegen schreiten im Notfall ein, aber das kommt selten vor. Problematisch ist es, wenn die Leute zu viel getrunken haben. Trotzdem spielen Größe und Kraft eine eher untergeordnete Rolle. Klar, dadurch bekommen meine männlichen Kollegen vielleicht schneller Respekt, aber wenn diese die Situation nicht deeskalieren können, bringt ihnen die Statur auch nichts. Im äußersten Notfall würde ich dem Gegenüber in die Weichteile treten, um mich zu schützen, aber das kam bisher nicht vor. Ich habe auch keinen Selbstverteidigungskurs gemacht, sondern einen Deeskalationskurs besucht.

Lisa Gairing ist überzeugt, genauso gute Arbeit zu leisten wie ein männlicher Türsteher.
Cocomo ClubAlso geht es mehr um Kommunikation als um Muskelkraft?
Ja, genau, es geht darum, die Leute durch das Gespräch einigermaßen zu beruhigen und so heikle Situationen zu entschärfen. Wenn einer stark alkoholisiert ist, dann sage ich schon mal, Du besser, wenn Du noch ein wenig an der frischen Luft bleibst oder besser, wenn Du jetzt nach Hause gehst. Ich verändere dann meine Tonlage und spreche sehr streng. Manche nehmen auch Gläser und Becher mit nach draußen. Das ist bei uns nicht erlaubt. Wenn manche Gäste keine Einsicht zeigen, sage ich schon mal: Entweder der Becher geht jetzt rein oder Du gehst heim. Das zieht eigentlich immer. Innerhalb des Clubs gibt es immer Security, die in Zweierteams durch das Cocomo gehen und Präsenz zeigen.
Warum wollte der Besitzer des Cocomo unbedingt eine weibliche Security?
Erstmal muss ich sagen, dass es schade ist, dass es nur so wenig Türsteherinnen gibt. Dabei ist es so wichtig, dass die Frauen im Club eine Ansprechpartnerin haben und sich sicher fühlen können. Ich baue Vertrauen zu den Frauen auf und tröste, wenn sie Kreislaufprobleme haben, sich übergeben müssen oder wenn ein Mann unangenehm wird. Dann hole ich einen Kollegen dazu und wir machen dem Gast klar, dass er die Frau in Ruhe lassen soll. Meistens schicken wir die Person sofort nach Hause. Solche Probleme haben wir aber sehr selten. Umso wichtiger ist es dann, dass ich da bin.
Hat Sie der Job als Türsteherin verändert?
Ja, definitiv. Die Arbeit an der Tür des Cocomo hat mich selbstbewusster und offener gemacht. Ich bin kommunikativer geworden, gehe noch mehr auf Menschen zu und spreche diese direkter an. Gleichzeitig habe ich mir aber auch einen Panzer zugelegt, ein Schutzschild, damit ich nicht alles an mich heranlasse oder mit nach Hause nehme.
Frauen rücken in Männerberufe vor
In einigen traditionell überwiegend von Männern gewählten Berufen ist der Frauenanteil laut Statistischem Bundesamt deutlich angestiegen. So stieg der Frauenanteil bei Ausbildungsverträgen in der Landwirtschaft zwischen 2011 und 2021 von 12 auf 22 Prozent.
Auch am Steuer von Lkw stieg der Anteil angehender Berufskraftfahrerinnen von vier auf elf Prozent. Der Frauenanteil in der technischen Forschung und Entwicklung hat sich in den vergangenen zehn Jahren von 11 auf 18 Prozent erhöht. In Deutschland arbeiten demnach insgesamt rund 42.000 Frauen in diesem Berufsfeld. In der Forst- und Jagdwirtschaft sowie in der Landschaftspflege wurden ähnliche Entwicklungen beobachtet. Von zehn Prozent im Jahr 2013 sei die Frauenquote auf 19 Prozent gestiegen.
