Anker für seelisch Erkrankte: Gemeindepsychiatrisches Zentrum: Vom Hinterhof ins Licht

Monika Balint (r.) und Tina Lahaye im sonnengelben Bistro Bachmanns des Gemeindepsychiatrischen Zentrums.
Matthias Kessler- Das Gemeindepsychiatrische Zentrum (GPZ) in Ulm bietet Hilfe für psychisch erkrankte Menschen.
- Das Bistro Bachmanns im GPZ soll Isolation reduzieren und Begegnungen fördern.
- Rund 160 Klienten suchten im letzten Jahr Unterstützung im GPZ, das auch kreative Angebote bietet.
- Spielenachmittage, Strickrunden und Musikabende fördern Teilhabe und Nachbarschaft.
- Spenden für soziale Projekte wie das GPZ können gezielt über Konten der Sparkasse Ulm und Volksbank Ulm-Biberach unterstützt werden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Wände und Schränke sind sonnengelb, Licht durchflutet den Raum: Das Bistro Bachmanns im Dichterviertel vermittelt Wohlgefühl, es hat das Zeug dazu, die Seele aufzuhellen. Es gehört zum Gemeindepsychiatrischen Zentrum Ulm (GPZ). „Das GPZ ist ein Begegnungsraum für Menschen mit psychischen Erkrankungen“, sagt Monika Balint, Geschäftsführerin des Reha-Vereins, die das GPZ betreibt.
Vor zwei Jahren von der Bleichstraße umgezogen
Das GPZ belegt das ganze Erdgeschoss der Bachmannstr. 11. Der langgestreckte Neubau ist ein Objekt der Ulmer Heimstätte, das mit dem Parallel-Gebäude Kleiststr. 4 der UWS (Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft) verbunden ist. Auch in dem wird das Erdgeschoss sozial genutzt – vom „Montessori-Kinderhaus im Dichterviertel“, früher die „Kleinen Strolche“ am Unteren Kuhberg. „Als die Heimstätte mit dem Projekt auf uns zukam, fanden wir den Platz sofort gut, weil wir bisher versteckt in einem Hinterhof waren und hier nun sichtbarer sind“, sagt Balint. Und so zog das GPZ vor knapp zwei Jahren von der Bleichstraße 1/2 ins Dichterviertel.
Vor allem das Bistro bringt die Menschen zueinander. „Bis zu 70 Essen gehen pro Tag raus“, weiß Tina Lahaye. Die Diplom-Sozialpädagogin leitet das GPZ, in dem acht Stammmitarbeiter, zwei Absolvierende des Freiwilligen Sozialen Jahres, ein Hausmeister und eine Verwaltungsfachkraft beschäftigt sind. Im GPZ finden Menschen, die psychisch erkrankt sind, niedrigschwellig Hilfe. Der Sozialpsychiatrische Dienst hält wöchentlich eine Sprechstunde ab und die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) des Uniklinikums Ulm kommt nach telefonischer Vereinbarung im GPZ vorbei.
Fakten zum Gemeindepsychiatrischen Zentrum (GPZ)
Träger Der Reha-Verein für soziale Psychiatrie existiert seit 45 Jahren. Sein Ziel ist, psychisch Kranken dabei zu helfen, so gut wie möglich auf eigenen Beinen zu stehen. Ob soziale, medizinische oder berufliche Rehabilitation: Der Verein betreibt in Ulm und Heidenheim diverse Einrichtungen, darunter das Gemeindepsychiatrische Zentrum (GPZ) in der Bachmannstr. 11.
Unkomplizierte Hilfe Wer gravierende Durchhänger und psychische Probleme hat, dem wird niedrigschwellig unter die Arme gegriffen. Die Ambulanten Sozialpsychiatrischen Dienste Ulm halten jeweils donnerstags im GPZ von 10 bis 11.30 Uhr ihre offene Sprechstunde ab. Kontakt: (0731) 374 919 88.
Balint und Lahaye registrieren beide, dass der Publikumsverkehr zugenommen hat. Im gerade abgelaufenen Jahr hätten rund 160 Klienten am GPZ angedockt. Je nach Fähigkeiten können sie sich in den Beschäftigungsräumen ausprobieren. Während in einem Bastelraum einfachere Dinge wie Karten hergestellt werden, geht es in der Holzwerkstatt durchaus anspruchsvoll zu. „Die Arbeiten stehen und fallen mit den Menschen, die hier sind“, erklärt Tina Lahaye. „Diese akkurat bemalten Holzvögel können wir gerade nur deshalb herstellen, weil wir jemanden haben, der das kann“, sagt sie und zeigt auf gekonnt gefertigte blaue Modelle mit Pfauenaugen-Muster.
Beliebte Spielenachmittage
„Einsamkeit ist generell und gerade bei psychisch kranken Menschen ein ganz großes Thema“, ist Balint überzeugt. Die Sichtbarkeit des Bistros soll Einsame aus ihrer Zurückgezogenheit locken. Sie bringt mehr Publikumsverkehr, animiert zur Teilhabe. „Die Spielenachmittage etwa werden gut angenommen“, sagt Tina Lahaye. Außerdem gibt es gleich mehrere Termine für „Stricklieseln“, an denen gemeinsam und mit Unterstützung der Handarbeit gefrönt werden kann. Feste Zeiten zum Lauschen von „Lagerfeuermusik“ und ein Lauftreff runden das Angebot ab.
Lahaye erzählt vom zunehmenden Miteinander der Nachbarschaft. Manche Bewohnerin und mancher Bewohner der gegenüberliegenden Seniorenwohnanlage entwickle sich zum Stammgast im Bistro. Wenn noch genügend Essen da sei, könnten ausnahmsweise Nicht-Klientinnen und -Klienten gegen einen kleinen Aufpreis verköstigt werden.
Auch im Haus selbst geht man aufeinander zu. So kümmert sich zum Beispiel eine Rentnerin um eine vierköpfige Wohngruppe des Rehavereins, indem sie die Klienten beim Einkaufen unterstützt. Denn, was für psychisch gesunde Menschen problemlos ist, bedeutet für seelisch erkrankte Menschen oft eine riesengroße Hürde.
Gezielt Sozialprojekte fördern
Wer soziale Institutionen wie zum Beispiel die im Artikel genannten unterstützen möchte, vermerkt auf seiner Überweisung unter Verwendungszweck das Stichwort „Sozialprojekt“.
Spendenkonten:
Sparkasse Ulm: IBAN: DE4763 0500 0000 0010 0003; BIC: SOLADES1ULM
Volksbank Ulm-Biberach: IBAN: DE7963 0901 0000 0236 4018; BIC: ULMVDE66XXX
Kontoinhaber: SÜDWEST PRESSE-Aktion 100 000 und Ulmer helft e.V.

