Aktion 100 000-Spendenaufruf: Helferin braucht selber Hilfe – „Am Schluss konnte ich nicht mehr laufen“

Links den Rollator in der Hand, rechts den Staubsauger: Jasmin L. träumt von einem Roboter, der sauber macht.
Barbara Hinzpeter- Jasmin L., 38, leidet an einer schweren neurologischen Krankheit, die ihr Kleinhirn schädigt.
- Ihre Krankheit wird oft mit Trunkenheit verwechselt, was zu Missverständnissen führt.
- Sie musste ihre Arbeit in der Schwerbehindertenassistenz aufgeben und ist auf eine kleine Rente angewiesen.
- Trotz barrierefreier Wohnung erschweren finanzielle Nöte und körperliche Einschränkungen ihren Alltag.
- Spendenaufruf gestartet: Unterstützung für notwendige Hilfsmittel und Lebensunterhalt gesucht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Krankheit machte sich anfangs schleichend bemerkbar. Doch dann ereignete sich das, was Jasmin L. (Name geändert) als „mein allerschrecklichstes Erlebnis“ in Erinnerung hat: Sie sammelte im Urlaub am Meer mit ihrer fünfjährigen Tochter Muscheln im seichten Wasser. Nur ein paar kleine Schritte vom Strand entfernt. Sanfte Wellen umspülten ihre Waden – und brachten sie ins Wanken. „Ich sehe den Rettungsschwimmer in seiner roten Badehose noch heute vor mir“, erzählt die 38-Jährige. „Er stürmte auf mich zu und schrie, wie ich es wagen könne, so betrunken mit einem kleinen Kind ins Wasser zu gehen.“
„Leute wechselten die Straßenseite“
Auch an der Haltestelle, wo sie später mit ihrem Kind auf den Schulbus wartete, wurde sie öfter von anderen Müttern auf ihre „Trunkenheit“ angesprochen. „Dabei mag ich gar keinen Alkohol“, sagt sie. Als ihre Sprache immer verwaschener wurde, nährte das erst recht bei Vielen den Verdacht, sie sei alkoholisiert. Sie selbst dachte anfangs, der wacklige Gang habe etwas mit den Ohren zu tun. Und als im Winter erste Spastiken an den Händen auftraten, schob sie die auf die Kälte. Als sie begriff, dass etwas nicht stimmt und zum Arzt ging, hatte sie das Gefühl, dass sie von ihrer Umgebung „null ernst genommen“ wurde. „Statt mir zu helfen, wechselten die Leute die Straßenseite, wenn sie mich sahen“, erzählt sie.
Eine Ärztin, die Jasmin L. draußen laufen sah und ihren torkelnden Gang bemerkte, schickte sie zur Neurologin. Die erkannte rasch, was los ist: Jasmin L. leidet an einer aggressiven, schnell fortschreitenden neurologischen Erkrankung, die das Kleinhirn schädigt. Im Dezember 2017 wurde die Krankheit diagnostiziert, Jasmin L. war gerade mal 30, ihre Tochter sieben Jahre alt. Von Anfang an war sie alleinerziehend gewesen. Einen Beruf hatte sie nicht gelernt, das Gymnasium Ende der zwölften Klasse aus Panik vor Klausuren abgebrochen, wie sie kopfschüttelnd erzählt.
„Ich brachte ihm den Kaffee über einen Rollhocker“
Sie fand Arbeit in der individuellen Schwerbehindertenassistenz (ISA) und sorgte fast zehn Jahre lang mit dafür, dass ihr schwer behinderter Klient ein selbstbestimmtes Leben führen konnte. Dabei nahmen ihre eigenen Einschränkungen immer mehr zu. Doch sie arbeitete, solange es irgendwie ging. „Am Schluss konnte ich selbst schon nicht mehr laufen und brachte ihm den Kaffee über einen Rollhocker“, sagt sie.
Vor zwei Jahren aber musste sie aufhören, seither bezieht sie eine kleine Rente. Ihre Tochter kann sie schon länger nicht mehr selbst betreuen, auch weil Konflikte zwischen dem Mädchen und der immer stärker behinderten Mutter zunahmen. Die 15-Jährige lebt heute in einer Einrichtung der Jugendhilfe, das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist seither deutlich entspannter.
Im Sommer dieses Jahres konnte Jasmin L. in eine barrierefreie Wohnung in einem Neubau ziehen. Die ist perfekt, aber teuer. Zuvor hatte sie günstiger gewohnt – allerdings im fünften Stock, ohne Aufzug. „Ich brauchte eine halbe Stunde, bis ich die Treppe unten war“, berichtet sie. Trotzdem ist sie erst seit Kurzem in Pflegegrad 3 eingestuft.
Geld reicht kaum zum Leben
Ihr monatliches Einkommen reicht insbesondere wegen der hohen Miete kaum für den Alltag, der beschwerlich genug ist. So ist es in der barrierefreien Wohnung nicht ohne Weiteres möglich, einen behindertengerechten Toilettensitz anzubringen. Nötig wären Haltegriffe, die an die Wand geklebt werden müssten. „Bohren kann man hier nicht, aber geklebte Griffe bezahlt die Kasse nicht“, bedauert Jasmin L., der es immer schwerer fällt zu putzen. Mit dem Rollator in der einen und dem Staubsauger in der anderen Hand kurvt sie durch die Zimmer. Sie träumt von einem Roboter, der ihr diese Arbeit abnimmt. Die fällt häufig an, da sie einen kleinen Hund hat. Den Vierbeiner schaffte sie sich an, „damit ich gezwungen bin, täglich rauszugehen“. Und seit sie ihre Gassi-Runden mit dem Rollator dreht, wechselt auch niemand mehr die Straßenseite bei ihrem Anblick.
Direkte Hilfe für Jasmin L.
Wer Jasmin L. gezielt unterstützen möchte, vermerkt auf seiner Überweisung unter Verwendungszweck das Stichwort „Jasmin L.“.
Spendenkonten:
Sparkasse Ulm: IBAN: DE4763 0500 0000 0010 0003; BIC: SOLADES1ULM
Volksbank Ulm-Biberach: IBAN: DE7963 0901 0000 0236 4018; BIC: ULMVDE66XXX
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