Aktion 100 000: „Herzchen im Kopf“ führen zu Kredit über 3000 Euro – und ins Verderben

Bernhard W. tauschte sich Tag und Nacht im Internet mit einer angeblichen Soldatin aus. Jetzt ist sein Geld weg und seine Lage sehr prekär.
Monika Skolimowska/dpa- Bernhard W. wurde Opfer eines Internet-Betrugs und verlor Geld an eine angebliche Soldatin.
- Die 64-Jährige Frührentner lebt in prekären Verhältnissen und sammelt Dosenpfand.
- Die Betrügerin versprach, einen Koffer voller Geld zu schicken, verlangte dafür aber 3000 Euro.
- Bernhard W. nahm einen Kredit auf und wurde um weitere 499 Euro durch ein Internetkonto betrogen.
- Sein Schuldenberg wuchs an, das Geld bleibt verschwunden – Polizei konnte nicht helfen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Einzimmerwohnung ist picobello aufgeräumt. Kein Stäubchen hat hier eine Chance, länger auf den Möbeln zu verweilen. Kerzengerade sitzt Bernhard W. (Name geändert) auf dem Schreibtischstuhl. Bei seinem Anblick käme kein Mensch auf die Idee, dass dieser akkurate Mann nach Getränkedosen in Abfallkörben und drumherum Ausschau hält, um sich vom Pfand einen Laib Brot zu kaufen. Doch seine Lage ist prekär und hat sich verschlimmert, als er auf Internet-Betrüger hereinfiel.
Heute sammelt der Frührentner Dosenpfand
Viel Geld hatte der heute 64-Jährige nie besessen. Er war es stets gewohnt, jeden Cent „fünfzehnmal umzudrehen“. Durch unvorhergesehene Ausgaben – „mal war was mit dem Auto, mal ging die Waschmaschine kaputt“ – häuften sich Schulden an, sagt der Vater von zwei inzwischen erwachsenen Kindern. Er ist aus gesundheitlichen Gründen Frührentner mit sehr bescheidenen Bezügen, nach Abzug der Kosten für Wohnung und Kredite bleibt nicht mehr viel übrig für Lebensmittel. Deshalb sei ihm jedes Dosenpfand willkommen, auch wenn er wenig Verständnis dafür hat, dass manche Menschen das Leergut einfach ins Gebüsch werfen.
Und über sich selbst schüttelt er ebenfalls den Kopf: Völlig ruiniert und fassungslos gemacht hat ihn, dass er auf einen Internet-Betrug hereinfiel, obwohl er glaubte, bestens informiert zu sein über Enkeltricks und andere Maschen. Über die sozialen Medien war ihm der Kontakt zu einer ihm unbekannten Frau vorgeschlagen worden. Das machte ihn neugierig. Er schrieb ihr, sie antwortete. Sie gab sich als dänische Soldatin aus, die im Rahmen der Militärallianz im Jemen im Einsatz sei. Und sie war jung und hübsch, kein bisschen aufgedonnert, sondern wirkte auf den Fotos, die sie schickte, sehr brav und seriös.
„Tag und Nacht“ am Handy
Die Nachrichten wurden immer „privater“, erzählt Bernhard W., der seit 15 Jahren geschieden ist und seither „wieder jemanden gesucht“ hat. So hatte sein fernes Gegenüber leichtes Spiel, ihn um den Finger zu wickeln. Rund um die Uhr wartete er auf das „Pling“ des Handys, wegen der Zeitverschiebung war er immer drauf gefasst, eine Nachricht zu bekommen. „Tag und Nacht“, sagt er, kommunizierte er mit der angeblichen Soldatin, mit der er sich ab einem gewissen Zeitpunkt eine gemeinsame Zukunft ausmalte. Denn sie chatteten monatelang – immer intensiver.
Sie kündigte ihren Dienstschluss zum Jahresende 2024 an, an dem ihr kompletter Sold ausbezahlt würde. Ein Foto zeigt eine junge Frau mit einem Koffer voller Geld. Den wolle sie an Bernhard W. schicken, teilte die angebliche Soldatin mit, da ihre einzige Angehörige eine demente Oma in einem dänischen Pflegeheim sei. Allerdings hätten die türkischen Behörden den Koffer beschlagnahmt und würden ihn gegen eine Kaution von 3000 Euro freigeben. Den Betrag sollte Bernhard W. seiner Chat-Partnerin vorstrecken.
„Vor lauter Herzchen im Kopf“ weichgekocht
„Ich sträubte mich wochenlang und sagte, dass ich kein Geld habe“, sagt er. Aber schließlich war er „vor lauter Herzchen im Kopf“ weichgekocht, nahm einen Kredit auf und schickte das Geld an die angegebene Bank. Zu dem Zeitpunkt war er weit davon entfernt, Verdacht zu schöpfen. Außerdem eröffnete er auf Geheiß seiner Chat-Partnerin ein Konto bei einer Internetbank mit einem Überziehungsrahmen von 500 Euro – und rückte die Zugangsdaten heraus. Umgehend waren 499 Euro abgehoben.
Da dämmerte ihm, dass er einem Betrüger aufgesessen war, der das Foto einer real existierenden jungen Frau benutzt und manipuliert hat, um ihn auszuplündern. Er ging zur Polizei, doch das Geld wird er nie wiedersehen – und sein Schuldenberg ist weiter gewachsen.
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