Zum Tod von Winfried Gaus
: Ein Fels mit großem Herz

Marike Schneck und Hans-Jörg Schweizer erinnern sich an Winfried Gaus, den ehemaligen Redaktionsleiter der NECKAR-CHRONIK in Horb und Chef vom Dienst beim SCHWÄBISCHEN TAGBLATT in Tübingen.
Von
Marike Schneck,
Hans-Jörg Schweizer
Horb/Tübingen
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Überschrift: Vorsicht: Dieses Foto ist möglicherweise nur für den einstigen Verlag Schwäbisches Tagblatt verwendbar. Winfried Gaus beim Huthmacher-Konzert im Kloster Horb 25.3.2007. Bild: Kuball

Winfried Gaus beim Konzert im Horber Kloster

Charly Kuball/Archiv
  • Nachruf auf Winfried „Gofy“ Gaus: Er starb am Donnerstag.
  • Er war Redaktionsleiter der NECKAR-CHRONIK in Horb und Chef vom Dienst in Tübingen.
  • Kollegen schildern ihn als klaren, scharfkritischen und humorvollen Blattmacher.
  • Seine Überschriften trafen präzise, seine Kolumnen galten als treffend.
  • Er liebte Motocross – Stürze waren für ihn Ansporn, weiterzufahren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es bräuchte mehr Menschen wie Winfried „Gofy“ Gaus. Menschen, die Fehler nicht als Minuspunkte summieren, sondern zu Kristallweizen addieren, die man miteinander trinken sollte.

Seine Kolumnen, von denen er viel zu wenige schrieb, trafen den Kern der Sache. Seine Kritik war scharf, aber nie von oben herab. Was andere in 140 Zeilen nicht auf den Punkt bringen konnten, setzte er in 20 Zeichen in die Überschrift. Und die saß. Immer.

In der Redaktionsstube hörte man ihn meist hart in die Tasten hacken, manchmal auch fluchen (besonders gern, wenn wieder einmal zur Unzeit das Telefon schellte), am allerliebsten aber laut lachen. Hatte da einer einen rechten Bockmist zusammengeschrieben? Oder hatte er einen großartigen Cartoon entdeckt? Dann riss er die Seite raus und pinnte die Zeichnung an die Wand, damit auch alle anderen was zu lachen hatten.

So verdruckst und verschroben er manchen vorkommen mochte, die ihn nicht kannten und sich wegen der verwaschenen KTM-Shirts ein vorschnelles Urteil bildeten, so offen war Gofy. Er liebte das Leben. Er ließ sich nicht einschränken. Nicht von Konventionen und schon gar nicht von Menschen, die diesen blind folgen. Er machte, was er für richtig hielt – und er ließ andere ebenso gewähren.

War man vertraut, scheute er sich nicht, auch mal die Hosen runterzulassen. Und sei es nur, um einen Blick auf die neuesten blauen Flecken zu gewähren, die er sich beim Motocross zugezogen hatte. Jede Fahrt ein Wagnis, jeder Sturz ein Grund, wieder aufzusitzen und weiterzufahren. Jede Wunde ein Beweis dafür, dass das Leben ihn nicht untergekriegt hatte.

Keine Floskeln, keine Phrasendrescherei

Aufgeben war nie eine Option. Nicht beim Crossen und schon gar nicht beim Zeitungmachen. Jede Krise eine Herausforderung. Aber kein Grund, die Segel zu streichen. Als Redaktionsleiter steuerte er das Schiff auch durch schwere Fahrwasser und war für seine Redaktion der sprichwörtliche Fels in der Brandung. Könnte er dies lesen, er würde vermutlich milde lächeln, es dulden, hätte es selbst aber nie so formuliert. Denn Gofy war einer, der sagte, was ist. Keine Floskeln, keine Phrasendrescherei.

Gofy war ein großartiger Chef, ein großherziger Mensch, der das KTM-Logo auf der Brust trug und das Herz am rechten Fleck. Eines, das übrigens nicht nur für Familie, Freunde, Motorrad und Zeitung schlug, sondern in dem auch viel Platz für jene war, denen das Leben nicht so viel Kampfgeist mit auf den Weg gegeben hatte.

Am Donnerstag ist Winfried Gaus gestorben. Man möchte ihn immer mit seinem ebenso schiefen wie offenherzigen Grinsen in Erinnerung behalten.