Spendenprojekt an der Uniklinik Tübingen
: Projekt „Zauberformel gegen Angst“ startet

Am Tübinger Uniklinikum startet das Projekt „Zauberformel gegen Angst“. Die Kinderärztin Katharina Riebe und Kinderkrankenpflegerin Susanne Haase haben das Projekt auf den Weg gebracht.
Von
Lisa Maria Sporrer
Tübingen
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Weihnachtsspendenaktion Wochengäste Susanne Haase und Katharina Riebe von der Kinderklinik

Susanne Haase (links) und Katharina Riebe erzählten im TAGBLATT, wie man Kindern die Angst vor der Behandlung nehmen kann.

Carolin Albers
  • Das Projekt „Zauberformel gegen Angst“ am Uniklinikum Tübingen soll Kindern Angst vor Behandlungen nehmen.
  • Es wurde von Kinderärztin Katharina Riebe und Kinderkrankenpflegerin Susanne Haase initiiert.
  • Hypnosetechniken und kreative Methoden wie der „Zauberhandschuh“ werden eingesetzt.
  • Spenden sollen einen Schmerztherapeuten in Teilzeit finanzieren und Mitarbeiter freistellen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Den Zauberhandschuh hat Katharina Riebe immer dabei. Susanne Haase streckt ihren Arm aus und die Ärztin Riebe zieht ihn der Kinderkrankenpflegerin vorsichtig über. Zwei erwachsene Frauen, die mit einer Ernsthaftigkeit ein kindliches Rollenspiel vormachen, das getragen wird durch pure Vorstellungskraft, denn: Einen Handschuh gibt es überhaupt nicht. Jedenfalls nicht materiell.

Aber genau darum geht es dabei: eine kurze kinästhetische Hypnose, die Kindern Angst nehmen kann und den vermeintlichen Schmerz, etwa bei der Blutabnahme, mindert oder gar verschwinden lässt. Ein Gedankenspiel, das ablenkt, das Freude bereitet, denn den Handschuh können die Kinder danach behalten. Und immer wieder benutzen. Katharina Riebe hat ihren seit zehn Jahren. Da war sie kein Kind mehr, sie bekam ihn, um Kindern zu helfen. „Alle wollten sich dann nur noch von mir das Blut abnehmen lassen“, sagt sie.

Katharina Riebe ist Kinderärztin, sie arbeitet in Reutlingen und Tübingen: bei den Kreiskliniken, dem Kinder-Palliativdienst Paluna am Uniklinikum Tübingen und dort auch in der Schmerz-AG. Ärztin wollte sie schon seit der 4. Klasse werden, sie war fasziniert von den medizinischen Pionieren, die unkonventionelle Wege in ihrer Karriere gesucht und umgesetzt haben, sie nahmen grade Albert Schweitzer im Religionsunterricht durch. Afrika faszinierte sie, da wollte sich auch hin – als Ärztin.

Erst Schreinerin, dann Kinderärztin

Katharina Riebe kommt aus Kehl bei Straßburg. Ihr Vater starb früh, die Mutter war allein mit drei Kindern. Früh musste sie deshalb Geld verdienen und machte schließlich eine Ausbildung zur Schreinerin. Auch ihre Eltern hatten eine Schreinerei. Da lag das nahe. Jedes Jahr seit dem Abi aber bewarb sie sich an Universitäten heimlich für ein Medizinstudium. Immer wurde sie genommen. 2001 schließlich begann sie dann doch in Freiburg ihr Studium.

In Freiburg wäre sie gerne geblieben, aber ihr Mann bekam eine Stelle in Karlsruhe, sie selber war Assistenzärztin in Pforzheim. Dann zogen sie nach Reutlingen und Riebe wechselte an die Kinderklinik nach Reutlingen. Zur Tübinger Uniklinik kam sie über eine Palliativweiterbildung. Als sie dann vor drei Jahren durch eine Erkrankung auf einem Auge blind wurde, teilte sie ihre Arbeit anders auf: Ihr Sohn war da erst drei Jahre alt und mit einem Auge voll auf der Intensivstation und im Palliativteam zu arbeiten, war zu viel. Sie reduzierte und kam aber 2023 in die Schmerz-AG des Uniklinikums. Dort lernte sie Susanne Haase kennen.

Susanne Haase ist Kinderkrankenpflegerin an der Tübinger Kinderklinik und sie war dabei, als in Tübingen die Palliativversorgung aufgebaut wurde. Sie selber machte eine Palliative-Care-Weiterbildung, eine in Akupressur. „Ich war immer auf der Suche, mich mit neuem zu füttern“, sagt sie. Und so kam sie 2019 zur Schmerz-AG am Uniklinikum. Zwischen 12 und 15 Mitarbeiter des Klinikums aus ganz verschiedenen Bereichen treffen sich dort und gehen Themen an, wie beispielsweise Schmerzentzug im Delir. Ein Thema, das es durch die Tübinger Uniklinik und die Stiftung Hilfe für kranke Kinder sogar in die Regelfinanzierung geschafft hat.

Ein Schmerztherapeut für traumatisierte Patienten

Auch das Projekt „Zauberformel gegen Angst“ ist auf die Schmerz-AG zurückzuführen. Um genau zu sein, auf Susanne Haase und Katharina Riebe. Es geht darum, Kindern die Angst zu nehmen vor der Behandlung. Pflegende und Ärzte zu sensibilisieren für Sprache, denn es mache einen großen Unterschied, wenn man ins Krankenzimmer kommt und sagt: „Wie sind die Schmerzen heute?“, oder: „Wie geht es dem Arm heute?“ Bei dem Projekt sind aber auch Maßnahmen angedacht, die die Aufmerksamkeit der Kinder während der Untersuchung lenken, es wird beispielsweise mit einem Zauberstab gearbeitet, aber auch Hypnosetechniken sollen zum Einsatz kommen, also, ohne das Kind natürlich wirklich zu hypnotisieren, eher wie fantasievolle Traumreisen. Manchmal reicht da schon ein Zauberhandschuh für aus.

„Es geht uns darum, jetzt ein breites Konzept zu dem Projekt aufzustellen“, sagt Haase. Im Kleinen haben sie schon angefangen, das Konzept umzusetzen, jede Station in der Kinderklinik hat bereits eine „Zaubertasche“ mit Utensilien, die Kindern die Angst vor der Behandlung nehmen können. „Wir wollen das aber so nachhaltig umsetzen, dass die Zaubertaschen nicht in einem halben Jahr wieder in der Schublade verschwinden“, sagt Haase.

„Nicht jedes Kind hat Angst vor der Behandlung“, sagt Katharina Riebe. Aber für die Kinder, die Angst haben, müsse es Möglichkeiten geben, damit umzugehen. Und diese Möglichkeiten solle jeder kennen und auch beherrschen, der in der Klinik mit Kindern arbeitet. Und im Zweifelsfall, auch für traumatisierte Patienten, die es durchaus gibt, soll noch ein Schmerztherapeut zum Einsatz kommen. In einem ersten Schritt sollen von den Spenden, die für die Umsetzung des Projekts benötigt werden, ein Schmerztherapeut in Teilzeit angestellt werden. Außerdem sollen Mitarbeiter aus Pflege und Medizin dafür teilweise freigestellt werden.

So können Sie die Projekte unterstützen

Spenden können Sie auf das TAGBLATT-Konto bei der Kreissparkasse Tübingen (IBAN: DE94 6415 0020 0000 1711 11). Vermerken Sie, wenn Sie eine Spendenquittung benötigen, und fügen in diesem Fall Ihre vollständige Adresse hinzu. Wollen Sie ein bestimmtes Projekt unterstützen (Projekt 1 „Zauberformel“, Projekt 2 „Defibrillator“, Projekt 3 „Seniorenmobil“ oder Projekt 4 „Café Frieda“), bitten wir um einen entsprechenden Vermerk. Wir speichern Ihre personenbezogenen Daten ausschließlich zum Zweck der Durchführung der Spendenaktion und wegen möglicher Nachfragen zu Spendenquittungen für maximal sechs Monate.

Katharina Riebe

wurde 1976 in Kehl geboren. Nach ihrem Abitur 1996 machte sie zunächst eine Ausbildung zum Schreiner, arbeitete in dem Beruf vier Jahre lang und begann 2001 in Freiburg ihr Medizinstudium. Nach dem Examen 2009 war sie Assistenzärztin in Pforzheim und kam schließlich zur Kinderklinik in Reutlingen, wo sie lange auf der Kinderintensivstation arbeitete. 2014 machte sie eine Palliativweiterbildung und arbeitet seit 2016 neben Reutlingen auch an der Tübinger Uniklinik im Paluna-Team, dem Palliativteam für Schwerstkranke Kinder.

Katharine Riebe ist verheiratet und hat einen Sohn.

Susanne Haase

wurde 1969 bei Leinfelden-Echterdingen geboren und machte von 1988 bis 1991 eine Ausbildung Kinderkrankenpflege am Uniklinikum Tübingen. 1993 machte sie die Fachhochschulreife und anschließend Weiterbildungen: zur Mentorin, in Onkologie, Palliativ Care, zur Schmerz-Expertin. 2014 war sie im Vorbereitungsteam, dass die Palliativmedizin am Uniklinikum etablierte, 2016 übernahm sie dort die Pflegerische Leitung.

Susanne Haase ist verheiratet und hat zwei Töchter.