Weihnachtsspendenaktion: Das TAGBLATT sammelt dieses Jahr für vier Projekte

In der Tübinger Kinderklinik soll kleinen Patienten bei der Behandlung die Angst genommen werden.
Karoline Niethammer/Hilfe für kranke Kinder- Spendenaktion des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs unterstützt vier Projekte: Kinderklinik, Defibrillatoren, Seniorenmobil und Café FrieDa.
- In der Tübinger Kinderklinik sollen Kinder von Angst abgelenkt werden, Projektkosten: 350.000 bis 400.000 Euro.
- 200.000 Euro werden für AED-Standorte und 20.000 Euro jährlich für laufende Kosten benötigt.
- Seniorenmobil: 50.000 Euro pro Jahr notwendig.
- Café FrieDa: 32.000 Euro fehlen für den jährlichen Betrieb.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Man liegt im Bett und hört die Stechmücke. Es ist dunkel, man sieht sie nicht, aber man weiß, sie wird kommen und stechen. Dann der Stich, man merkt ihn, er tut weh. Etwas anderes ist es, wenn man beispielsweise beim Fußballtraining gestochen wird, fünf Stiche, man bekommt sie aber nicht mit, weil die Aufmerksamkeit mit etwas anderem beschäftigt war. „Wir müssen die Aufmerksamkeit weglenken von der Angst“, sagt Susanne Haase. Sie ist Pflegefachkraft am Universitätsklinikum Tübingen und hat zusammen mit der Kinderärztin Katharina Riebe das Projekt „Zauberformel gegen Angst“ initiiert.
„In den letzten Jahren ist das Thema Angst und Schmerz, und wie man diese vermeiden kann, immer mehr in den Fokus gerückt“, sagt Riebe. Klinikmitarbeiter verschiedener Professionen und aus diversen Fachbereichen haben sich zusammengetan, um Kinder bei diesen Themen besser begleiten zu können und Traumatisierungen vorzubeugen oder sie aufzulösen. „Es gibt Fälle von Traumata, die auf Klinikbehandlungen in der Kindheit zurückzuführen sind“, sagt Haase.
Es geht darum, Kindern die Angst zu nehmen vor der Behandlung. Pflegende und Ärzte zu sensibilisieren für Sprache, denn es mache einen großen Unterschied, wenn man ins Krankenzimmer kommt und sagt: „Wie sind die Schmerzen heute?“, oder: „Wie geht es dem Arm heute?“ Bei dem Projekt sind aber auch Maßnahmen angedacht, die die Aufmerksamkeit der Kinder während der Untersuchung lenken, es wird beispielsweise mit einem Zauberstab gearbeitet, aber auch Hypnosetechniken sollen zum Einsatz kommen, also, ohne das Kind natürlich wirklich zu hypnotisieren, eher wie fantasievolle Traumreisen.
Nachdem bereits einige Verfahren mit Erfolg getestet wurden, soll das Projekt nun in der Kinderklinik gezielt auf den Weg gebracht werden. „Das hört sich alles wie eine Selbstverständlichkeit an. Es wird von unserem Gesundheitssystem aber nicht finanziert“, sagt Oberarzt Felix Neunhoeffer. Deshalb läuft das Projekt über die Stiftung Hilfe für kranke Kinder in der Tübinger Kinderklinik. Für die erste Projektstufe (2025 bis 2027) werden voraussichtlich 350.000 bis 400.000 Euro an Spenden benötigt. In einem ersten Schritt sollen von dem Geld ein Schmerztherapeut in Teilzeit angestellt werden. Außerdem sollen Mitarbeiter aus Pflege und Medizin dafür teilweise freigestellt werden. „Mit Hilfe der Spenden der TAGBLATT-Leserinnen und Leser hoffen wir, einen weiteren Schritt bei der Finanzierung unseres Projektes voranzukommen", sagt Stiftungsvorstand Thomas Hassel.
Zweites Projekt: Einsatz gegen den plötzlichen Herztod
Das zweite Projekt, für das in diesem Jahr gesammelt wird, ist der Einsatz gegen den plötzlichen Herztod. Der plötzliche Herz-Kreislauf-Stillstand ist einer der zeitkritischsten und lebensbedrohlichen Notfälle. Wer nicht reanimiert wird, stirbt. Wer zu spät Hilfe bekommt, kann überleben - allerdings mit schweren und bleibenden Schäden.
„In Deutschland einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu überleben - und das auch noch bei guter Gesundheit - ist leider reines Glück“, sagt die Notärztin Lisa Federle. Gerade im Landkreis Tübingen mit seiner Uniklinik und seinem stabilen ehrenamtlichen Fundament, wohnt der potenzielle Lebensretter wahrscheinlich nebenan, ist Klinikmitarbeiter, Feuerwehrfrau oder Hausarzt. Das weiß Federle nur zu gut und gemeinsam mit Martin Gneiting, Kreisgeschäftsführer des DRK Kreisverbandes Tübingen und Dr. Robert Wunderlich, Oberarzt in der Anästhesie am Universitätsklinikum Tübingen die „App der Region der Lebensretter“ entwickelt.
Das neue Ziel ist es, die flächendeckende Etablierung von rund um die Uhr zugänglichen Defibrillatoren. Bei jedem vierten Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand liegt eine Herzrhythmus-Störung vor. Hier hilft ein gezielter Elektroschock durch einen „Automatisierten Externen Defibrillator“ (AED). Im besten Fall schlägt das Herz nach dem Einsatz eines AEDs wieder normal. Von den derzeit etwa 200 registrierten Defibrillatoren im Landkreis sind aber lediglich 30 rund um die Uhr zugänglich. Die übrigen Geräte sind innerhalb von Gebäuden installiert und nur während der Öffnungszeiten von Firmen, Geschäften oder Sportvereinen erreichbar.
Deshalb sollen Firmen und Vereine bei der Anschaffung spezieller Outdoor-Boxen unterstützt werden, mit denen vorhandene AEDs außerhalb der Gebäude installiert werden können. Weiter sollen in Gebieten AEDs finanziert werden, wo sie bisher gänzlich fehlen. Dank Spenden und Zuschüssen der Diözese Rottenburg, der Stadt Tübingen, dem Landkreis Tübingen und dem Rotary Club Tübingen konnte die technische Einführung des Systems und die Ausstattung der Lebensretter und -retterinnen mit Rucksäcken, Taschen und Beatmungsbeuteln finanziert werden. Damit sind diese Spenden beinahe aufgebraucht. Zukünftig muss jedoch mit rund 20.000 Euro jährlicher laufender Kosten gerechnet werden und die erhofften weiteren 50 AED-Standorte werden ebenfalls rund 200.000 Euro kosten.
Für gleich vier Projekte, die in den kommenden Wochen noch genauer vorgestellt werden, können die Leser- und Leserinnen des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs in diesem Jahr spenden. Die aktuelle Finanzlage macht es Vereinen und Organisationen nämlich momentan schwer, Zuschüsse zu bekommen. Teilweise stehen Projekte vor dem Aus, weil ihnen das Geld fehlt.
Drittes Projekt: das Seniorenmobil
Das Seniorenmobil-Modellprojekt des Stadtseniorenrats und der Fachabteilung Soziales der Stadt etwa. Im Mai dieses Jahres startete es, fast 2000 Fahrten mit dem Seniorenmobil wurden unternommen. Die Stadtwerke Tübingen (SWT) haben für das erste Jahr des Projekts 22.000 Euro gespendet – so können mobilitätseingeschränkte Nutzer ab 65 vergünstigt für 6 Euro beziehungsweise mit Kreisbonuscard für 3 Euro pro Fahrt im Stadtgebiet unterwegs sein. Doch das Geld der Stadtwerke, das eigentlich das ganze erste Jahr über reichen sollte, ist bereits aufgebraucht: So groß war und ist die Nachfrage.
Um das Modellprojekt zumindest über das angekündigte erste Jahr hinweg bis April laufen lassen zu können, springt der Stadtseniorenrat mit seinen Rücklagen ein. Eine Folgefinanzierung gibt es bisher nicht. 50.000 Euro braucht das Projekt im Jahr. Gundi Reichenmiller vom Stadtseniorenrat, eine der Initiatorinnen und Hauptverantwortlichen des Projekts, hätte sich gewünscht, dass die Stadt das Projekt in Zukunft regelfinanziert – bei der extrem angespannten städtischen Haushaltslage ist das aber für das kommende Jahr unwahrscheinlich.
Viertes Projekt: Raum für Begegnungen
Ausgelaufen ist auch die finanzielle Förderung des Lebenshilfe-Projekts „Café frieDa“, das ausschließlich auf Spendenbasis läuft. Seit September 2022 hat das Café jeden Sonntag ab 14 Uhr geöffnet und wird rein ehrenamtlich betrieben. „Mit dem Café FrieDa wollen wir einen inklusiven Begegnungsort schaffen“, so Ralf Kümper, Geschäftsführer der Lebenshilfe, über das Projekt. „Hier sollen sich unterschiedliche Menschen begegnen, miteinander in Kontakt kommen oder auch einfach gemütlich ihren Kaffee am Sonntagnachmittag genießen.“ Der Name des Café „FrieDa“ leitet sich von der Friedrich-Dannenmann-Straße ab, in der sich das Bildungshaus der Lebenshilfe befindet.
Durch unregelmäßige, inklusive Veranstaltungen während des Café-Betriebs im Bereich von Kunst und Kultur wurde in den letzten zwei Jahren durch das Café ein Angebot geschaffen, bei dem nicht nur Klienten der Lebenshilfe zusammenkamen, sondern das auch von zahlreichen Menschen aus dem Stadtteil der Weststadt und ganz Tübingen genutzt wird. Finanziert wird das Café, nachdem die Förderung durch die Aktion Mensch ausgelaufen ist, nun über Eigenmittel und weitere Spenden. „Um den Café-Betrieb aufrechtzuerhalten, benötigen wir jährlich rund 38.000 Euro“, sagt Johanna Kreutmayr von der Lebenshilfe. Durch Eigenmittel und Spenden sind bisher 6000 Euro zusammengekommen. Bleibt ein Finanzierungsbedarf von 32.000 Euro.
Der ehemaligen TAGBLATT-Verlegerin Elisabeth Frate, die weiterhin die Weihnachtsspendenaktion koordiniert, liegen Projekte zugunsten von Kindern immer sehr am Herzen. Sie hofft, dass nach der außerordentlich erfolgreichen Sammlung der vergangenen Weihnachtsspendenprojekte auch in diesem Jahr die Spendenbereitschaft wieder so hoch ist. „Alle vier Projekte sind sehr sinnvoll“, sagt sie, „ich würde mich freuen, wenn die Leserinnen und Leser das auch so sehen.“
Von heute an können Sie die Projekte unterstützen
Spenden können Sie auf das TAGBLATT-Konto bei der Kreissparkasse Tübingen (IBAN: DE94 6415 0020 0000 1711 11). Vermerken Sie, wenn Sie eine Spendenquittung benötigen, und fügen in diesem Fall Ihre vollständige Adresse hinzu. Bei Beträgen bis 300 Euro akzeptiert das Finanzamt einen Kontoauszug. Wollen Sie ein bestimmtes Projekt unterstützen (Projekt 1 „Zauberformel“, Projekt 2 „Defibrillator“, Projekt 3 „Seniorenmobil“ oder Projekt 4 „Café Frieda“), bitten wir um einen entsprechenden Vermerk. Wegen der Datenschutzgrundverordnung werden die Namen der Spender in der Zeitung nicht mehr veröffentlicht. Wir speichern Ihre personenbezogenen Daten (Vorname, Nachname, Adresse, Kontodaten, Spendenbetrag) ausschließlich zum Zweck der Durchführung der Spendenaktion und wegen möglicher Nachfragen zu Spendenquittungen (Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO) für maximal sechs Monate. Gemäß Art. 13 DSGVO sind wir verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass wir Name, Adresse und Spendenbetrag der Leser, die eine Spendenbescheinigung wünschen, an die begünstigten Organisationen übermitteln.