Freiwillige Feuerwehr: Wie drei Freunde einer Frau gemeinsam das Leben retteten

Die drei Lebensretter und Freiwilligen Feuerwehrmänner Vito Tisci, Felix Kemeter und Gabriel Bauer (von links) im Feuerwehrhaus Bodelshausen.
Carolin Albers- Drei Feuerwehrmänner retten eine Frau in Bodelshausen in der Nacht des 15. Oktobers (2024).
- Felix Kemeter, Vito Tisci und Gabriel Bauer unterstützen sich gegenseitig bei Notfällen.
- Die Rettung erfolgte durch die „Lebensretter“-App, die Ersthelfer alarmiert.
- Defibrillatoren sind nachts oft nicht zugänglich; Spendenaktion für mehr Geräte läuft.
- Frau erholt sich nach Herzinfarkt im Uniklinikum.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn ein Notruf eingeht, ruft Felix Kemeter üblicherweise seinen Freund Vito Tisci an. Oder umgekehrt. So war es auch am Abend des 14. Oktober 2024. Kemeter lag schon im Bett, als er über App als Ersthelfer angefordert wurde. Es war kurz vor Mitternacht. Auch Tisci hatte sich schon hingelegt. Kemeter war als erster vor Ort. Sozusagen ein Fehlalarm. Der Mann, zu dem er kam, hatte einen Krampfanfall. Die Lebensretter-App aber, mit der Ersthelfer von der Rettungsleitstelle gerufen werden, um die Zeit zu überbrücken, bis der Rettungsdienst eintrifft, ploppt auf dem Handy nicht bei jedem Notfall auf. Es geht um den plötzlichen Herztod. Um bewusstlose Personen also, die schnell reanimiert werden müssen. Kemeter leistete Erstversorgung und gab seinem Freund Tisci Entwarnung. Er müsse nicht kommen. Um kurz nach Mitternacht sollten sie dann doch zusammen mit Gabriel Bauer in Bodelshausen ein Leben retten.
Die Abmachung, dass sich Felix Kemeter und Vito Tisci anrufen, wenn sie zu einem Notfall gerufen werden, ist nichts Offizielles. Auch Gabriel Bauer ist Teil dieser privaten Telefonkette. Sie wollen sich gegenseitig unterstützen. Weil sie wissen, wie wichtig das manchmal ist. Wie belastend es sein kann, allein in Notsituationen zu sein. Menschen retten, Angehörige beruhigen, alles professionell im Griff haben. Sie kennen das aus ihrem Feuerwehr-Alltag. Bei einem seiner Einsätze, erinnert sich Vito Tisci, kursierten in den sozialen Netzwerken schon Bilder des Unfall-Autos. Die Rettungsdienste waren grade erst eingetroffen. Auch er mit der Feuerwehr. Es war ein 18-Jähriger, Verkehrsunfall, der erste Tote, den Tisci bei einem Einsatz gesehen hat. Kurz darauf kamen die Eltern des Verunglückten, sie hatten das Auto auf Bildern im Netz wiedererkannt und waren sofort zur Unfallstelle geeilt, durchbrachen die Polizeiabsperrung und Tisci musste sie aufhalten, abschirmen. Damit sie ihren toten Sohn nicht in diesem Zustand sehen. 2017 war das. Da war Tisci gerade selber erst 18 Jahre alt.
Weggeschlossene Defibrillatoren in Bodelshausen
Vito Tisci ist der älteste der drei Freunde. Die Drei verbindet eine lange Freundschaft. So wie man befreundet ist, wenn man gemeinsam in der Jugendfeuerwehr aufwächst, gemeinsam hineinwächst in die Verantwortung, das Vereinsleben, in die Gemeinschaft. Drei Spielgefährten aus dem gleichen Ort, Bodelshausen, knapp 6000 Einwohner. Kameraden, deren Wege sich schließlich örtlich trennen, wenn die Schule beendet ist. Vito Tisci, 26 Jahre alt, macht in Rottenburg seinen Master in Nachhaltiger Energiewirtschaft und Technik. Auch Gabriel Bauer, 22 Jahre alt, studiert: Sicherheitsingenieurswesen in Furtwangen. Felix Kemeter, ebenfalls 22, arbeitet mittlerweile in Balingen als Schreiner. Alle drei aber sind noch immer in der Freiwilligen Feuerwehr Bodelshausen aktiv, Jugendgruppenleiter, stellvertretender Leiter der Kindergruppe, stellvertretender Jugendwart.
Einen erweiterten Erste-Hilfe-Kurs hatten die drei als Feuerwehrleute auch schon gemacht, die Zusammenarbeit mit Rettungsdiensten ist ihnen nicht fremd, und nachts aus dem Schlaf gerissen zu werden, gehört eben auch zum Profil eines Feuerwehrmannes. So kam es, dass sich alle drei registrierten, als ihnen ihr Kreisbrandmeister erzählte, dass im September 2024 der Landkreis Tübingen Teil der „Region der Lebensretter“ wird. Das System der Lebensretter funktioniert so: Bei einem Verdacht auf Kreislaufstillstand funkt die Rettungsleitstelle, bei der der Notruf eingeht, außer Notarzt, Rettungswagen und „Helfern vor Ort“ auch via „Lebensretter“-App registrierte Ersthelfer an. Die zwölf Ersthelfer, die sich am nächsten am gemeldeten Notfall befinden, werden alarmiert. Die vier, die sich am schnellsten zurückmelden, werden von der App schließlich zum Ort des Einsatzes geführt.
Das waren in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober in Bodelshausen Felix Kemeter, Gabriel Bauer und Vito Tisci. Als erster war Kemeter da, drei Minuten, nachdem der Notruf bei der Leitstelle eingegangen war. Er kam gerade von dem Mann mit dem Krampfanfall. Auch Tisci war noch in Habachtstellung, wegen der privaten Telefonkette, und er war ähnlich schnell da, wie Bauer, nur kurz nach Kemeter, der schon begonnen hatte, die Frau, die bewusstlos neben ihrem Bett lag, zu reanimieren. Tisci übernahm, dann Bauer. Reanimation ist nämlich körperlich sehr anstrengend. Alle drei hielten die Frau am Leben bis der Rettungsdienst eintraf.
Eigentlich ist es so gedacht, dass der dritte Lebensretter einen Defibrillator mitbringt. Um zusätzlich zur Herzdruckmassage lebensrettende Stromstöße an Herz zu senden. Den Defibrillator brachte aber der vierte Helfer, der in der Nacht des 15. Oktober zu der bewusstlosen Frau kam, ein „Helfer vor Ort“ mit, ebenfalls ein ehrenamtliches Lebensretter-System, bei dem die Helfer aber zu jedem Einsatz gerufen werden, etwa auch, wenn jemand vor einer Bäckerei ausrutscht. Die „Helfer vor Ort“ haben einen Defibrillator immer im Auto. Die „Lebensretter“ nicht.
„Defibrillatoren gibt es in Bodelshausen nur in der Volksbank und im Rewe. Beide sind nachts verschlossen“, sagt Gabriel Bauer. Von den derzeit etwa 200 registrierten Defibrillatoren im Landkreis sind nur lediglich 30 rund um die Uhr zugänglich. Die übrigen Geräte sind innerhalb von Gebäuden installiert und nur während der Öffnungszeiten von Firmen, Geschäften oder Sportvereinen erreichbar. Deshalb sollen weitere 50 Defibrillatoren im Landkreis installiert werden. Die aber müssen über Spenden finanziert werden.
Felix Kemeter, Gabriel Bauer und Vito Tisci jedenfalls haben der Frau geholfen am Leben zu bleiben. Sie wurde mit einem Herzinfarkt der Vorderwand ins Uniklinikum gefahren. Nach drei Tagen konnte sie schon von der Intensivstation entlassen werden. Wer die Frau ist und wie es ihr geht, wissen die drei jungen Männer nicht. Aber darum geht es ja auch nicht. Als sie erfahren, dass sie schon aus der Klinik entlassen wurde, freuen sie sich. „Richten Sie ihr Grüße aus, falls Sie mit ihr sprechen!“
Nur noch bis Montag läuft die Spendenaktion
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