Verbrechen im Kreis Tübingen: Das waren aufsehenerregende Prozesse an Tübinger Gerichten 2024

Abbild der Göttin der Gerechtigkeit Justitia über dem Eingang zum Tübinger Gerichtsgebäude in der Doblerstraße. Ihre Augen sind verbunden, weil vor dem Gesetz alle gleich sein sollen.
Erich Sommer- 2024 sorgten mehrere Prozesse in Tübingen für Aufsehen:
- Ein Schulleiter stach in einer Buchhandlung auf eine Frau ein, um Schulden zu entkommen – 11 Jahre Haft.
- Ein Mann tötete seine Ex-Partnerin und ließ das Kind zurück – 12 Jahre Haft.
- Eine Ukrainerin wurde von ihrem Ex-Partner ermordet – lebenslange Haft.
- Ein Arzt missbrauchte eine Patientin – 2,5 Jahre Haft.
- Schutzgelderpressung in einem Club – 3 Jahre Haft für einen Türsteher.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Tübinger Justiz hat 2024 etliche ungewöhnliche Verfahren zu bearbeiten, die auf teils großes öffentliches Interesse stoßen – eine Auswahl im Überblick:
Er wollte töten – um vor Schulden ins Gefängnis zu fliehen
Am 9. Februar verurteilt das Tübinger Schwurgericht einen 41-jährigen Schulleiter aus Bayern wegen versuchten Mordes zu elf Jahren Gefängnis. Er hatte in einer Tübinger Buchhandlung einer ihm völlig fremden Frau ein Messer in den Rücken gestochen. Sie überlebte dank der schnellen Reaktion von Polizei und Rettungskräften. Eine zunächst völlig rätselhafte Tat – die durch sein Geständnis vor Gericht nur noch unglaublicher erscheint. Denn sein Motiv ist es, möglichst lange in Haft zu kommen: Er glaubt irrigerweise, er könne so seinen Schulden entkommen.
Er tötete seine Ex-Partnerin – und ließ das Kind dort zurück
Am 16. Februar schicken die Richter einen 21-Jährigen wegen Totschlags für 12 Jahre ins Gefängnis. Er hatte seine 22-jährige Ex-Partnerin und Mutter eines gemeinsamen Kindes durch deren Mössinger Wohnung gejagt, sie mit einem Wasserkocher attackiert, sie gewürgt, ihr zahlreiche Knochen gebrochen und sie getötet. Das Kleinkind überließ er sich selbst, als er im Anschluss die Wohnung verließ. Die Tat löste großes Entsetzen im Steinlachtal aus, die Getötete war bei der Fasnet aktiv und sehr beliebt. Damit ihr Leichnam in ihr Geburtsland Thailand überführt werden konnte, sammelte der Verein in kurzer Zeit über 21.000 Euro.
Sie floh vor dem Ukraine-Krieg – und wurde in Tübingen ermordet
Wegen Mordes verurteilt das Tübinger Schwurgericht am 9. April einen 45-Jährigen zu lebenslanger Haft. Auch er tötete seine Ex-Partnerin. Die 42-Jährige war mit ihrer minderjährigen Tochter vor dem Krieg aus der Ukraine geflohen. In Polen lernte sie den Mann kennen, er ging mit ihr nach Tübingen. Dort lebten sie in derselben Flüchtlingsunterkunft. Immer wieder kam es zu Konflikten. Am 24. September erstach er die Frau. Anschließend stellte er sich der Polizei.
Vor Gericht verhält er sich auffällig, unterbricht die Prozessbeteiligten, berichtete davon, Satan habe mit ihm gesprochen. Doch ein Gutachter bescheinigt ihm volle Schuldfähigkeit. Die Mutter der Ermordeten bat die Richter um die höchste Strafe – und die entschieden auf lebenslange Haft.
Prozess um Missbrauch in der Tübinger Psychiatrie
Bundesweit Schlagzeilen macht ein Fall, der am Tübinger Schöffengericht verhandelt wird: Es verurteilt am 26. April einen 61-jährigen Arzt der Tübinger Psychiatrie wegen 53-fachen Missbrauch einer Patientin. Eine ursprünglich ebenfalls angeklagte Vergewaltigung sei nicht nachweisbar.
Aber weil er verbotenerweise zu einer Schutzbefohlenen in einem Therapieverhältnis eine Beziehung gehabt habe, verhängen die Richter zweieinhalb Jahre Haft. Ob das Urteil Bestand hat, wird eine Berufung im kommenden Februar am Tübinger Landgericht zeigen. Und ebenfalls 2025 soll eine Entscheidung im Arbeitsgerichtsprozess fallen: Der Arzt klagt dort gegen seine Kündigung.
Schutzgelderpressung durch Türsteher an Tübinger Club?
Für Gesprächsstoff sorgt auch ein weiterer Prozess am Schöffengericht: Zwei junge Männer sollen versucht haben, Schutzgeld vom damaligen Betreiber des Clubs „Schwarzes Schaf“ zu erpressen. Die Richter verhängen am 20. Juni wegen räuberischer Erpressung drei Jahre Haft gegen einen 28-jährigen ehemaligen Türsteher des Clubs, sein zwei Jahre jüngerer Bruder kommt wegen Beihilfe mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr Haft davon.
Einsamer Tod trotz Notrufsystem – Zivilprozess am Landgericht
Lag die einstige Chefin des Reisebüros Reder in Tübingen eine Woche lang hilflos auf dem Boden, weil es einen Fehler im Notrufsystem des DRK gab? Ihr Sohn ist davon überzeugt und verklagte den Kreisverband vor dem Landgericht.
Er stach im Streit auf einen Busfahrer ein
Zu einem eskalierenden Streit war es am 7. Februar am Bussteig beim Rottenburger Bahnhof gekommen: Ein 23-Jähriger war mit dem Busfahrer aneinandergeraten. Schließlich attackierte er den 51-Jährigen mit einem Küchenmesser. Er fügte ihm Schnitt- und Stichwunden zu. Angeklagt wurde er wegen versuchten Totschlags. Doch am Ende des Prozesses entscheidet die Kammer anders.
Prozess um harsche Worte bei der Feuerwehr Kirchentellinsfurt
Etliche Feuerwehrleute aus Kirchentellinsfurt sitzen zweimal in Gerichtssälen in der Tübinger Doblerstraße: erst bei einer Verhandlung am Amtsgericht, dann bei der Berufung am Landgericht. Einem Feuerwehrmann aus ihren Reihen wirft die Staatsanwaltschaft vor, Kirchentellinsfurts Bürgermeister Bernd Haug mit Kraftausdrücken beleidigt zu haben. Das Tübinger Amtsgericht spricht den Feuerwehrmann im Juni frei, das Landgericht kommt dann zu einer anderen Lösung.






