Tübinger Verleger mit 66 Jahren gestorben
: Die Anteilnahme nach dem Tod von Alexander Frate ist groß

Nach dem Tod des früheren TAGBLATT-Geschäftsführers ist die Anteilnahme in der Stadt groß. Wegbegleiter, frühere Kollegen und Prominente aus der Tübinger Gesellschaft über Alexander Frate.
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Alexander Frate, Elisabeth Frate und Christoph Müller: Vorsicht: Dieses Foto ist möglicherweise nur für den einstigen Verlag Schwäbisches Tagblatt verwendbar. Tagblatt Verleger und Geschäftsführer Alexander und Elisabeth Frate, Christoph Müller. 25.02.04 Bild: METZ

Alexander und Elisabeth Frate und Mitverleger Christoph Müller 2004.

Ulrich Metz/Archiv
  • Tübingen trauert: Der frühere TAGBLATT-Geschäftsführer Alexander Frate starb mit 66.
  • Wegbegleiter würdigen ihn als verlässlichen Partner, Zeitungsprofi und warmherzigen Menschen.
  • OB Boris Palmer betont, Frate habe dem SCHWÄBISCHEN TAGBLATT langfristig Eigenständigkeit gesichert.
  • Kollegen erinnern seine Fürsorge für Mitarbeitende und seinen Humor – oft auch mit „österreichischer Lösung“.
  • Gastronomen und Freunde schildern ihn als Genießer, der Geselligkeit und Gastfreundschaft pflegte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Alexander Frate prägte nicht nur das SCHWÄBISCHE TAGBLATT und die Neckar-Chronik in Horb, er war auch für zahlreiche Menschen in Tübingen eine prägende Persönlichkeit. Einige von ihnen kommen hier zu Wort.

  • Tim Hager, Geschäftsführer der SÜDWEST PRESSE

„Die Nachricht am Montagabend hat mich tief getroffen“, sagt Tim Hager, Geschäftsführer Medienhaus SÜDWEST PRESSE und Schwarzwälder Bote. „Ich habe Alexander Frate in den vergangenen drei Jahren als verlässlichen Partner, Zeitungsprofi mit viel Herz, vor allem aber als liebenswerten Menschen kennengelernt.“ Gerne erinnere er sich an die gemeinsame Arbeit, so Hager weiter, an den freundlichen beruflichen Austausch, „aber auch an viele gemeinsame Abende, die ich mit dem Genussmenschen Alexander Frate und seiner Frau Elisabeth verbringen durfte. Stunden voller Gastfreundschaft, Witz und Aufrichtigkeit.“ Diese Begegnungen und Lebensleistung als Lokalverleger würden ihn immer mit größtem Respekt an Alexander Frate zurückdenken lassen, sagt Hager. „Mein Mitgefühl gilt seiner lieben Frau Elisabeth Frate, den Kindern und Enkelkindern.“

  • Boris Palmer, Tübinger Oberbürgermeister

Das größte Verdienst Alexander Frates aus Sicht des Tübinger Verwaltungschefs: „Nachdem Christoph Müller seine Anteile verkauft hatte, hat Familie Frate dem SCHWÄBISCHEN TAGBLATT 20 weitere Jahre die Eigenständigkeit gesichert.“ Dafür habe sich Alexander Frate eingebracht, dies sei nicht zuletzt für die Stadtgesellschaft ein wichtiges Verdienst gewesen. Zufällige Begegnungen in der Stadt zwischen Frate und seiner Frau Elisabeth einerseits und ihm hätten, so Plamer, stets „freundliche, kurze Gespräche, meistens mit österreichischem Schalk im Nacken“, zur Folge gehabt. Bei denen der Verleger gerne auch „neckisch-humorig Kritik an der Stadtverwaltung“ geübt habe. Palmer: „Ich habe immer gerne einen Schwatz gehalten.“

Von links: Alexander Frate, Elisabeth Frate und Christoph Müller im Jahr 1992.

Die gleiche Konstellation, nur 12 Jahre zuvor: Alexander Frate, Elisabeth Frate und Christoph Müller im Jahr 1992.

Ulrich Metz/Archiv
  • Herbert Rösch, Kreisvorsitzender Dehoga, Hotel am Schloss, Restaurant Mauganeschtle

Alexander Frate war bekanntermaßen Feinschmecker. „Er hat sehr gerne gegessen und sehr gerne etwas Gutes getrunken“, bestätigt Herbert Rösch, Tübinger Kreis-Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands. Rösch und Frate kannten sich gut und tauschten sich auch privat über Weine aus. Im Restaurant Mauganeschtle, oben im Hotel am Schloss, saßen Alexander und Elisabeth Frate regelmäßig – und ganz sicher jedes Jahr zu Beginn der Spargelsaison. Der gebürtige Österreicher Frate „bestellte dann gerne ein Wiener Schnitzel mit Spargel“, sagt Rösch. Wenn der Gastronom etwas Neues kreierte, ließ er den Feinschmecker probieren und fragte nach dessen Einschätzung. „Er hatte einen guten Gaumen.“

  • Martin Mayer, ehemaliger Chef vom Dienst des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs (2001 bis 2012)

Martin Mayer und Alexander Frate arbeiteten bereits Mitte der 1980er-Jahre in der Neckar-Chronik zusammen. Das Horber Team war dem Geschäftsführer extrem wichtig. „Er sah das Team als sein Team.“ Der Konkurrenzdruck zum Schwarzwälder Boten war damals enorm. In der Neckar-Chronik versuchte man, dem „mit begrenzten Mitteln und Stellen“ standzuhalten. Erfolgreich. Unter Frates Ägide wurde ausgebaut – bis Anfang der 90er-Jahre die Geschäftszahlen einbrachen. „Er wäre gerne in Horb weitergekommen“, sagt Mayer. Die Geschäftsstellen in Sulz und Freudenstadt wurden geschlossen, Personal abgebaut, „das hat ihn sicher geschmerzt“.

Als Mitverleger Christoph Müller 2004 seine Anteile an die Ulmer SÜDWEST PRESSE verkaufte, „geriet Frate unter Druck“ – zum einen durch die neuen Partner, zum anderen durch den Zeitungsmarkt, der weiter anzog. Als Chef vom Dienst vertrat Mayer damals in Konferenzen die Redaktion. Einig sei man sich nicht immer gewesen. „Das Müller-Team empfand er oft als widerborstig und auch als zu links.“ Den Argumenten der Redaktion sei Frate in der Regel aber dennoch zugewandt gewesen. Nach Verhandlungen ging man nicht selten mit einer „österreichischen Lösung“ auseinander, wie Frate es gerne nannte. Einer Lösung, die zwar nicht den anfänglichen Forderungen entsprach, aber mit der am Ende beide Seiten leben konnten.

Alexander Frate mit Walter Schultheiß: Vorsicht: Dieses Foto ist möglicherweise nur für den einstigen Verlag Schwäbisches Tagblatt verwendbar. Walter Schultheiß und Alexander Frate auf der Tagblatt Terasse
11.08.05 Bild: MetzAlexander Frate mit Walter Schultheiß

Alexander Frate mit Walter Schultheiß: Der bekannte schwäbische Volksschauspieler war im August 2005 zu Besuch im Verlagsgebäude des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS und damit in dem Haus seiner Kindheit.

Ulrich Metz/Archiv
  • Giuseppe Ciliberti, Spaghetteria, Restaurant Al Dente

Im italienischen Restaurant Al Dente aßen Alexander und Elisabeth Frate öfter zu Mittag. Das Lokal in der Bursagasse liegt nur ein paar Schritte entfernt vom Haus der Frates im Neckarbad. „Ich kenne ihn, seit ich in Tübingen bin“, sagt Pino Ciliberti, etwa 40 Jahre also. Sein Tod trifft ihn sehr. Alexander Frate „war immer positiv“, sagt er, „immer lustig“.

  • Michael Bamberg, bis Sommer 2023 Leitender ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Tübingen

„Das war schon mehr als eine Bekanntschaft“, sagt der Vorstandsvorsitzende der ProBasket Tübingen AG, Michael Bamberg, „er war wie ein guter Freund“ – obwohl er und Alexander Frate sich in der Regel nur zweimal im Jahr zum Abendessen trafen. „Er war ein sehr angenehmer Gesprächspartner, blieb immer dezent im Hintergrund, dafür kümmerte er sich umso mehr um die Probleme in der Gesellschaft. Er hat für die Zeitung und für die Menschen hier gelebt.“

Hallenfussball Tagblatt Turnier in Moessingen 2019: Vorsicht: Dieses Foto ist möglicherweise nur für den einstigen Verlag Schwäbisches Tagblatt verwendbar. Hallenfussball  Tagblatt Turnier in Moessingen  2019     13.01.2019
Finale
SV Croatia Reutlingen - SV Anadolu Reutlingen
Siegerehrung; Tagblatt Geschaeftsfuehrer Alexander Frate (li) uebergibt den Pokal und das Preisgeld an Daniel Bubalo (re, SV Croatia Reutlingen)
FOTO: ULMER Pressebildagentur
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TAGBLATT-Fußball-Turnier in Mössingen 2019. Alexander Frate übergibt Sieger-Pokal und Preisgeld an Daniel Bubalo vom SV Croatia Reutlingen.

Ulmer/Archiv
  • Egon Ruf, ehemaliger Vertriebsleiter beim SCHWÄBISCHEN TAGBLATT.

„Er hat sich immer sehr um das Wohl der Mitarbeiter gekümmert“, erinnert sich Egon Ruf, ehemaliger Vertriebsleiter beim TAGBLATT. „Seine Wertschätzung gegenüber den Zustellern war immer sehr hoch. Ihre Arbeit hat er immer gewürdigt.“ Bei jeder Weihnachtsfeier, bei jedem Grillfest sei Alexander Frate anwesend gewesen. „Und er hat auch oft selbst Hand angelegt, wenn Not am Mann war.“ Frate sei immer sehr hilfsbereit gewesen und für neue Ideen aufgeschlossen. „Und er war auch nicht nachtragend.“ Ruf erinnert sich noch gut an seine Anfangszeit, als er selbst 1981 als Außendienstmitarbeiter in Horb begann. „Das war eine eingeschworene Gemeinschaft aus Redaktion, Anzeigenvertrieb und Geschäftsführung.“

Auf Frate sei immer Verlass gewesen. Und: „Es war immer lustig mit ihm.“ Frate sei immer gut gelaunt gewesen. „Ich kann mich so gut wie gar nicht erinnern, dass er mal schlechte Laune hatte.“ Für ihn sei er „mehr Freund als Vorgesetzter“ gewesen.

Alexander Frate: Vorsicht: Dieses Foto ist möglicherweise nur für den einstigen Verlag Schwäbisches Tagblatt verwendbar. Gomaringen, Zusteller Weihnachtsfeier des Schwäbischen Tagblatts.  Geschäftsführer Alexander Frate verkündet seinen Rücktritt in den Ruhezustand.  Vertriebsleiter Michael Lauer übergibt als Abschiedsgeschenk einen Zustellerwagen.
Aufnahme Klaus Franke 28.11.2023

Die Weihnachtsfeier der Zusteller war Alexander Frate ein Herzensanliegen. Zum Abschied Frates aus dem TAGBLATT überreichte Vertriebsleiter Michael Lauer 2023 einen Zustellerwagen.

Klaus Franke/Archiv