Tübinger Stocherkahnrennen 2026
: Nicaria gewinnt nach furioser Aufholjagd – und vermisst einen Ehering

43 Teams, tausende Zuschauer und jede Menge Trubel auf dem Neckar: Team Nicaria gewinnt die 70. Auflage des Tübinger Stocherkahnrennens.
Von
Constantin Zeyer
Tübingen
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Stocherkahnrennen 06 26 Foto Carolin Albers

Das Gedränge auf dem Neckar war am tückischen Nadelöhr wie jedes Jahr besonders groß.

Carolin Albers
  • Team Nicaria gewann die 70. Auflage des Stocherkahnrennens nach starker Aufholjagd.
  • Am Nadelöhr lag zunächst ATV Arminia vorn – danach setzte sich Nicaria klar ab.
  • 43 Teams starteten, rund 10.000 Zuschauende säumten Brücken und Neckarinsel.
  • Kostümwettbewerb: Die Fachschaft Medizin siegte mit einem schwimmenden OP-Saal.
  • Ein Nicaria-Mitglied meldete einen verlorenen Ehering und bot 500 Euro Finderlohn.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Stimmung bei Team Nicaria war ausgelassen. „Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen, so schön, so schön“, trällerte die Besatzung bei der Siegerehrung vom Balkon der Alten Straßburger Burschenschaft Germania. Im Freudentaumel ließ ein Crew-Mitglied eine Sektflasche fallen. Glücklicherweise wurde niemand von der herabstürzenden Flasche getroffen. Getrübt wurde die Feierlaune auch nicht dadurch, dass der Stocherer des Teams verkündete, in den Wirren des Rennens sei ein Ehering verloren gegangen. Für dessen Wiederbeschaffung setzte er kurzerhand einen Finderlohn von 500 Euro aus.

Am Nadelöhr stellt Team Nicaria den Anschluss her

Der Verein vom Österberg mit der Startnummer 14 hatte rund eineinhalb Stunden zuvor die 70. Auflage des Tübinger Stocherkahnrennens mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Dabei sah es lange Zeit nicht nach einem Sieg aus: Am berüchtigten Nadelöhr – dem schmalen Wasserweg zwischen Neckarinsel und Neckarbrücke – lag zunächst noch der Kahn der ATV Arminia zu Tübingen in Führung. „Der Abstand zum nächsten Kahn ist durchaus deutlich“, hatte der Rennmoderator kurz zuvor durch sein Megafon gerufen.

Als der Arminia-Kahn den mittleren Pfeiler der Neckarbrücke bereits halb umrundet hatte, tauchte schließlich auch der Nicaria-Kahn auf. Und zündete den Turbo: Nach der zweiten Passage des Nadelöhrs lag Team Nicaria beinahe gleichauf mit der Arminia. Auf dem anschließenden Streckenabschnitt flussaufwärts setzte sich der Nicaria-Kahn deutlich ab und fuhr den Sieg souverän nach Hause.

Wie jedes Jahr war die Neckarinsel schon lange vor der Kostümparade um 13 Uhr (siehe Infobox) gut gefüllt. Viele Studierende hatten sich dort bei diesigem, aber trockenem Wetter bereits am Vormittag niedergelassen und vertrieben sich die Zeit unter anderem mit Bierpong und Flanky Ball. Gleichzeitig waren zahlreiche Familien entlang des Neckars unterwegs.

  • Stocherkahnrennen 06 26 Foto Carolin Albers

    Ausgelassene Stimmung auf den Kähnen

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen 06 26 Foto Carolin Albers

    Der Kostümwettbewerb: hier die Fachschaft Zahnmedizin und ihre Zahn-Feen vor viel Publikum

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen Kostümwettbewerb

    Die pinken Affen sind immer wieder dabei.

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen Kostümwettbewerb

    Das Siegerteam mit der Neckar-OP: die Faschschaft Medizin

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen Kostümwettbewerb

    Auch die bevorstehende Fußball-WM war Thema des Kostümwettbewerbs

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen Kostümwettbewerb

    Der Kahn des Akademischen Skiclubs mit dem Thema: der Schuh des Manitu

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen Kostümwettbewerb

    Klare Statements von diesem Kahn

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen

    Besucherandrang auf der Platanenallee

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen

    Das Rennen geht los.

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen 06 26

    Am Nadelöhr entstehen die spektakulärsten Szenen.

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen

    Mit viel Power durchs Nadelöhr

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen 06 26

    Keine Chance, trocken zu bleiben

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen 06 26

    Die Landsmannschaft Schottland wurde disqualifiziert.

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen 06 26

    Verantwortungsvolle Aufgabe: Am Nadelöhr den Überblick behalten und andere Kähne wegschieben

    Carolin Albers
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    In OP-Kleidung das Rennen bestritten: die Fachschaft Medizin

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  • Stocherkahnrennen

    Nadelöhr-Szene

    Carolin Albers
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    Kurz vor dem Ziel: Die einen landen im Gebüsch, die anderen haben es fast geschafft.

    Carolin Albers
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    Ein letztes Mal die Nummer zeigen vor dem Ziel.

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    Das Verliererteam: die Burschenschaft Germania

    Carolin Albers
  • Stocherkahnrennen

    Wie die Verlierer den Lebertran tranken und ausspuckten, wollten viele sehen. Sie reihten sich unter dem Balkon auf und schauten von unten zu.

    Carolin Albers
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Der schwimmende OP-Saal gewinnt das Spanferkel

Traditionell begann der Renntag bereits vor dem eigentlichen Stocherkahnrennen mit dem Kostümwettbewerb. Statt der ursprünglich angekündigten zehn Teams präsentierten neun Teams ihre Verkleidungen auf dem Neckar. Die Fachschaft Geo- und Umweltnaturwissenschaften, die den Wettbewerb in den vergangenen Jahren mehrfach für sich entscheiden konnte, trat unter dem Motto „Angry Birds“ an. Weitere Mottos waren Fußball-Weltmeisterschaft, Beach Party, Harry Potter oder Sport in den 1980er-Jahren. Den Sieg sicherte sich die Fachschaft Medizin. Die Crew hatte ihren Stocherkahn in einen schwimmenden Operationssaal verwandelt. Dafür war eigens ein OP-Tisch auf dem Kahn aufgebaut worden, auf dem eine „Patientin“ lag, während mehrere Teammitglieder in OP-Kleidung eine Operation nachstellten. Mit der aufwendigen Inszenierung überzeugte das Team die Jury und gewann den diesjährigen Kostümwettbewerb – und damit einen Spanferkel-Gutschein.

Tübinger Lichtenstein mit Startdesaster

Als die Kähne auf Höhe des Neckarstegs Aufstellung bezogen, säumten rund 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Brücken entlang der Strecke sowie weite Teile der Neckarinsel. Eine Ausnahme bildete die Alleenbrücke: Sie blieb aufgrund ihres maroden Zustands für das Publikum gesperrt. Polizei und Sicherheitsdienst achteten darauf, dass sich dort keine Menschen versammelten.

Weil einer der Kähne kurzfristig ausfiel, gingen nur 43 der ursprünglich 44 angekündigten Teams an den Start. Bis sich alle Boote auf Höhe des Neckarstegs in Position gebracht hatten, dauerte es eine Weile – weshalb das Rennen erst um 14.07 Uhr und damit mit wenigen Minuten Verspätung begann. Dann ging es turbulent los: Während der Kahn der ATV Arminia ganz links die beste Spur erwischte und früh die Führung übernahm, gerieten viele andere Teams sofort ins Gedränge und bremsten sich gegenseitig aus.

Einen besonders bitteren Rennauftakt erlebte das Team Tübinger Lichtenstein (Startnummer 24): Die Stocherin verhakte ihren Stock am Markierungsseil und stürzte in den Neckar. Weil ihr Team jedoch mit Paddeln beschäftigt war und sich zudem ein Crew-Mitglied zeitgleich mit der Besatzung eines anderen Kahns in einen Disput verwickelte, bemerkte zunächst niemand ihren Sturz. So musste die Stocherin mehrere Meter durch das oberschenkelhohe Wasser hetzen, ehe ihr Team sie wieder an Bord holte.

Lebertran so schnell geschluckt, als wäre es Apfelschorle

Das Team mit der Startnummer 24 hatte bereits vor Rennbeginn für Aufsehen gesorgt: Auf den Rücken mehrerer Teammitglieder standen die Aufschrift „FREE GAZA“ sowie die Zahlenkombination 161, ein bekannter Code aus der linken und antifaschistischen Szene. Tübinger Lichtenstein war auch eines der wenigen Teams, bei dem eine Frau als Stocherin das Kommando hatte.

Team Nicaria erreichte das Ziel rund 20 Minuten nach dem Start. Als Letzter überquerte der Kahn mit der Startnummer 25 die Ziellinie – jener der Burschenschaft Germania Tübingen, die das Rennen damit im kommenden Jahr ausrichten wird. Bei der abschließenden Siegerehrung vermittelte die Besatzung allerdings nicht den Eindruck, als wäre sie darüber sonderlich enttäuscht. Und den Lebertran, den die Verlierer traditionell trinken müssen, stürzten einige Crewmitglieder so schnell hinunter, als handele es sich um Apfelschorle. Das gelbe Öl schlucken musste auch Team L! Schottland, da es von der Rennjury disqualifiziert worden war.