Tübingen · Politik
: Annette Widmann-Mauz: „Voll Neugier ins Offene“

Nach 27 Jahren: Annette Widmann-Mauz tritt bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr als CDU-Kandidatin an.
Von
uja, Bild: Carolin Albers
Tübingen

Annette Widmann-Mauz.

Carolin Albers

Sie habe sich den Entschluss „nicht leicht gemacht“, schreibt sie. Doch sie sei „nach reiflicher Überlegung“ zur Überzeugung gekommen, „dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, den Staffelstab an jüngere Hände weiterzugeben“. Im September 2025, wenn voraussichtlich die nächsten Bundestagswahlen stattfinden, wird Annette Widmann-Mauz nicht mehr für die CDU kandidieren. Dies teilte sie gestern Abend in einem Brief allen CDU-Mitgliedern in ihrem Wahlkreis mit. Auch die Medien wurden informiert.

27 Jahre gehörte Widmann-Mauz dem Bundestag an, es sei eine „spannende Zeit“ gewesen, auf die sie „dankbar und zufrieden“ zurückblicke. Jedoch: „Alles hat seine Zeit“. Sie wolle jetzt einen „neuen Weg“ gehen: „Ins Offene, voll Neugier und Zuversicht.“ Bis September werde sie ihre Arbeit „mit voller Kraft“ fortsetzen.

Widmann-Mauz zog 1998 erstmals über die Landesliste in den Bundestag ein, wo sie, nach der Niederlage des bisherigen Tübinger CDU-Abgeordneten Claus-Peter Grotz auch den Landkreis mit vertrat. 2002 trat sie im Tübinger Wahlkreis an und wurde seither immer direkt gewählt. Auch jenseits des Parlaments machte sie in Berlin Karriere.

So stieg sie unter Angela Merkel im Jahr 2009 zur Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit auf und wurde schon als künftige Gesundheitsministerin gehandelt. Stattdessen ernannte die Kanzlerin 2018 aber Jens Spahn zum Gesundheitsminister und machte Widmann-Mauz zur Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration, eine Aufgabe, die sie mit großem Elan anging.

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Parteiintern geriet sie wegen ihrer liberalen Positionen aber zunehmend in die Kritik. Bei der Wahl zur stellvertretenden CDU-Landesvorsitzenden erhielt sie zuletzt nur noch 65,9 Prozent der Stimmen. Auch mit der Bewerbung für das Präsidium der Bundespartei scheiterte sie 2022.

Widmann-Mauz, die in Balingen aufwuchs und dort auch Abitur machte, trat mit 18 Jahren der CDU bei und wurde nur zwei Jahre später stellvertretende Landesvorsitzende der Jungen Union. Ihr Studium der Politik- und Rechtswissenschaften an der Tübinger Universität beendete sie nach acht Jahren ohne Abschluss und wurde Berufspolitikerin. Außer in der CDU ist sie Mitglied in zahlreichen Organisationen, darunter der Stiftungsrat des Jüdischen Museums, die Hospiz- und Palliativstiftung. Außerdem ist sie Schirmherrin der Kusterdinger„Arche“.