Tierärztin aus dem Kreis Tübingen klärt auf: Kurznasige Hunde und Kaninchen trifft die Hitze am härtesten

Kurznasige Hunderassen wie diese beiden Möpse leiden besonders unter der Hitze. Wichtig für Hundebesitzer ist jetzt: Die frühen Morgenstunden oder den späten Abend zum Gassigehen nutzen. Dazwischen sollten die Hunde drinnen bleiben.
Frank Rumpenhorst/dpa-tmn/dpa (Symbolfoto)- Hitzewelle: Tiere leiden stark, besonders kurznasige Hunde und Kaninchen.
- Hunde frühmorgens oder spätabends ausführen – tagsüber drinnen und Wasser bereitstellen.
- Keine Tiere im Auto lassen, keine Kaltwasserdusche bei Überhitzung, lieber lauwarm kühlen.
- Katzen tagsüber ins Haus, Kaninchen in kühle Räume; Kühlmatten und Ventilator mit Ausweichplatz.
- Teiche beschatten und Wasser prüfen, Vögeln und Insekten flache Wasserschalen anbieten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die andauernden hohen Temperaturen machen nicht nur uns Menschen zu schaffen. Auch Tiere leiden unter der Hitze und viele Haustierbesitzerinnen und -besitzer fragen sich: Wie kann man den vierbeinigen, den gefiederten und den geschuppten Freunden bei diesem Wetter beistehen? Die Dußlinger Tierärztin Miriam Simmert hat im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE die besten Tipps und alle Informationen, worauf Tierfreunde jetzt achten müssen.
Allgemein gelte das Gleiche wie auch für uns Menschen, sagt Simmert: „Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden. Für ausreichend Wasser sorgen.“ Und, ganz wichtig: „Tiere bei solchen Temperaturen nicht im Auto lassen.“ Autos können sich extrem aufheizen; die Innentemperatur kann weit über der Außentemperatur liegen.
Wer kann, sollte auch an die Wildtiere denken (siehe Infobox). Das geht zum Beispiel, indem man eine Schale Wasser in den Garten stellt.
Hunde: Für Hundebesitzer hat Simmert zusätzlich folgende Tipps: „Frühmorgens und spätabends Gassi gehen.“ Gerade für brachycephale, also kurznasige Hunde wie Möpse oder französische Bulldoggen sei das Wetter sehr gefährlich: „Hunde schwitzen über die Nase und die Pfoten“, erklärt die Tierärztin. „Sie brauchen die Nase als Klimaanlage – den kurznasigen Hunden fehlt das, weswegen sie besonders leiden.“
Abhilfe schaffen Kühlmatten, die es im Tierfachhandel gibt. Die können im Kühlschrank abgekühlt und den Hunden auf dem Fußboden zur Abkühlung angeboten werden. Wichtig auch: „Wenn ein Hund überhitzt, darf man nicht versuchen, ihn mit kaltem Wasser abzukühlen“, betont die Tierärztin. Stattdessen sollte man versuchen, die Körpertemperatur mit lauwarmem Wasser abzusenken.
Im Tierbedarf gibt es Schlecksnacks für Hunde und Katzen, die an diesen heißen Tagen eine gute Abkühlung bieten. Außerdem könne man Joghurt einfrieren und sowohl Hunden als auch Katzen als Erfrischung anbieten.
Katzen: Katzenbesitzern würde Simmert empfehlen, die Tiere tagsüber drin zu lassen, falls sie nicht selbst die Möglichkeit haben, über eine Katzenklappe ein- und auszugehen. „Katzen, die frei ihren Aufenthaltsort wählen können, können selber entscheiden, ob sie rein- oder rausgehen wollen“, so Simmert. Für Katzen, die auf die Hilfe von Menschen zum Türeöffnen angewiesen sind, gilt aber: Tagsüber lieber drinnen. „Wir Menschen sollten uns ja auch bei solchen Temperaturen eigentlich nicht draußen aufhalten.“

Kaninchen sollten bei den aktuellen Temperaturen nicht mehr im Außengehege sein, sondern nach drinnen geholt werden. Am besten kommen sie in einem kühlen Zimmer im Keller unter.
Markus Scholz/dpa-tmn/dpa (Symbolfoto)Nagetiere: Kaninchen seien neben kurznasigen Hunden wohl die Haustiere, die am meisten unter der Hitze leiden, sagt Simmert. „Die dürfen nicht draußen sein. Am besten ist es, wenn sie in einem Kellerzimmer unterkommen können.“ Kühlmatten gebe es auch für Kaninchen; auch Ventilatoren könnten aufgestellt werden. Vorsicht aber bei Zugluft! Die Kaninchen müssen immer eine Ausweichmöglichkeit haben. Auch Meerschweinchen und andere Nager sollten nicht draußen in der Sonne stehen, sondern bei der Hitze lieber reingeholt werden.
Eine gute Nachricht für Rennmaus-Halter: „Rennmäuse sind per se Wüsten- oder Steppenbewohner, die können relativ gut mit hohen Temperaturen umgehen“, so Simmert. In einer 30 Grad heißen Dachgeschosswohnung sei es allerdings für alle Tiere schwierig. Deswegen sei es wichtig, die Zimmer so gut es geht herunterzukühlen und den Nagern genug Wasser bereitzustellen. Ein abgekühltes Sandbad kann außerdem Linderung verschaffen.
Gurke, gerne auch vorher kurz im Kühlschrank (aber nicht im Eisfach, da gefrorene Nahrung den Magen-Darm-Trakt belasten könnte) abgekühlt, ist für alle Nager eine willkommene Abkühlung.

Griechische Landschildkröten fühlen sich bei dem Wetter pudelwohl. Temperaturen bis 40 Grad sind super für sie. Ein Bad ist trotzdem willkommen.
Miri WatsonSchildkröten: Als wechselwarme Tiere freuen sich die meisten Landschildkrötenarten über die Temperaturen. „Die finden das richtig super, wenn es so heiß ist“, sagt die Tierärztin. Für Griechische Landschildkröten seien Temperaturen bis 40 Grad kein Problem. Simmert betont allerdings: „Schildkröten brauchen auch Schatten.“ Schattenplätze sollten den Tieren immer zur Verfügung stehen; genau wie ausreichend frisches Wasser in flachen Schalen.
Ein Funfact: Die Vierzehenschildkröte (auch: Russische Landschildkröte) hält Sommerruhe. So wie andere Schildkrötenarten im Winter, verkriecht sich die Vierzehenschildkröte im Sommer für einige Zeit im Boden und schläft.

Regenwaldvögel wie etwa dieser Nymphensittich brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Bei Hitze lieben sie es, mit Wasser angesprüht zu werden.
Christian Charisius/dpa (Symbolfoto)Vögel: Regenwaldbewohner wie Graupapageien und Nymphensittiche brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Sie lieben es, mit Wasser besprüht zu werden. „Man kann die auch unter die Dusche stellen“, sagt Simmert.
Hühner: „Hühner haben bei der Hitze auch ganz schön zu kämpfen“, so Simmert. Man kann ihnen zur Abkühlung ein feuchtes Sandbad anbieten oder einen Rasensprenger aufstellen: „Wenn sie Lust haben, können sie dadurch watscheln.“ Außerdem wichtig sei, jetzt vermehrt auf Parasiten zu achten: „Bei solchen Temperaturen hat die Vogelmilbe Hochkonjunktur“, sagt die Tierärztin. Zudem müsse der Schlafplatz gut kontrolliert werden. Mitunter würden Hühner in kleinen Häusern untergebracht – da müssen die Halter darauf achten, dass es darin nicht zu heiß wird – hilfreich ist dabei ein Thermometer im Stall.

Wer Fische in einem Teich hält, muss die Wasserqualität regelmäßig prüfen. Bei Hitze kann der Teich schnell kippen; das gilt es zu vermeiden.
IMAGO/Ramon van Flymen (Symbolfoto)Fische: Wer Fische im Gartenteich hält, sollte jetzt darauf achten, dass die Wasserqualität nicht kippt. Das Wasser sollte öfter gewechselt werden; Sauerstoff-, PH- und Bakteriengehalt sollten regelmäßig überprüft werden. „Wer merkt, dass der Teich anfängt, zu kippen, sollte Gegenmaßnahmen ergreifen“, erklärt Tierärztin Simmert. Dazu gehören der Wasserwechsel und das Beschatten des Teichs.
Für Fische in Aquarien spielt die Hitze keine so große Rolle. „Manche Arten brauchen eine konstante Wassertemperatur von 24 Grad. Die bekommt man jetzt leichter gehalten. Drüber wird es wahrscheinlich nicht gehen.“
Wie Wildtieren helfen?
Tierärztin Miriam Simmert rät dazu, flache Wasserschalen – gerne mit Steinen darin – in den Garten oder auf den Balkon zu stellen. Das helfe sowohl den Vögeln als auch den Insekten und anderen Wildtieren. Vogelnistplätze sollten, wenn möglich, beschattet werden. Zudem macht es Sinn, sie regelmäßig zu kontrollieren: Wenn Küken gestorben sind, dann sollten sie aus dem Nistkasten herausgenommen werden.
Aus Bächen, Tümpeln und Flüssen sollte gerade kein Wasser geschöpft oder abgeleitet werden. Der BUND informiert, dass viele der Oberflächengewässer aktuell unter anhaltender Hitze und fehlenden Niederschlägen leiden – das ist auch für die darin lebenden Tierarten wie dem Steinkrebs oder der Steinfliege ein Problem. Wer Tiere schützen möchte, sollte deswegen gerade auch besonders sparsam mit Wasser umgehen.

