Streit um alte Telefonzellen
: Tübingen will Gebühren von der Telekom

Auch mehr als drei Jahre nach ihrer Abschaltung sind Telefonzellen nicht aus Tübingen verschwunden. Um sie endlich loszuwerden, plant die Stadt, die Telekom da zu treffen, wo es weh tut – am Geldbeutel.
Von
Julian Ettema
Tübingen
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Telefonzelle ausser Betrieb

Der Telefonzelle am Stadtgraben vor dem Nonnenhaus sieht man die Jahre deutlich an. Auch für sie plant die Stadt, der Telekom künftig eine Sondernutzungsgebühr in Rechnung zu stellen.

Katharina Kausche/dpa
  • In Tübingen stehen noch 13 alte Telefonzellen, sechs davon in der Altstadt.
  • Die Stadt plant eine Sondernutzungsgebühr für die genutzten Flächen.
  • Ziel ist, die Telekom zum Abbau der ungenutzten Zellen zu bewegen.
  • Letzte Telefonzellen wurden laut Telekom im Januar 2023 außer Betrieb genommen.
  • Abbau sollte bis Ende 2025 erfolgen; Genehmigungen verzögern den Prozess.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Telefonzelle. Früher Grundpfeiler der mobilen Kommunikation, heute Relikt der Vergangenheit. Und – um es mit den Worten von Oberbürgermeister Boris Palmer zu sagen – Unrat, der das Stadtbild versaut. Nach Angaben der Stadt modern noch insgesamt 13 der antiken Kommunikationsmodule in Tübingen vor sich hin, sechs davon in der Altstadt.

Bereits vergangenen Dezember ärgerte sich OB Palmer in einem kurzen Video auf Facebook über die unansehnlichen Zeitzeugen und erfolglosen Versuche, den Abbau der alten Telefonzellen im Stadtgebiet zu beschleunigen. Nach langwierigem Streit mit der Telekom will Tübingen nun andere Seiten aufziehen. „Es ist in Planung, eine Sondernutzungsgebühr für die Telefonzellen zu erheben“, sagte eine Sprecherin der Stadt Tübingen der Deutschen Presse Agentur (dpa).

Miete für die Telefonzelle

Eine solche Sondernutzungsgebühr ist ein von Kommunen erhobenes Entgelt für die Nutzung von Flächen, die dem öffentlichen Verkehr gewidmet sind, und die über den üblichen Gemeingebrauch hinausgeht. Für die von den Telefonzellen in Beschlag genommene Fläche würde also quasi Miete anfallen. Darüber, wann die Gebühr kommen soll und wie hoch sie ausfällt, macht die Stadt bisher keine Angaben.

Die Telekom hatte bereits im Januar 2023 die letzten öffentlichen Telefonzellen außer Betrieb genommen. Die Exemplare in Tübingen stehen also seit mindestens drei Jahren herum, ohne einen Zweck zu erfüllen. Und das sieht man den meisten von ihnen auch an.

Kosten als Motivator?

Ende 2025 sollte der Abbau eigentlich abgeschlossen sein, so zumindest der Plan des Kommunikationsunternehmens. Als Grund für die Verzögerung nannte ein Firmensprecher das langwierige Genehmigungsprocedere mit kommunalen Einrichtungen. Darüber, wann genau die Telekom die Tübinger Telefonzellen denn nun abbauen will, machte der Konzern keine Angaben.

Bleibt abzuwarten, ob die drohende Sondernutzungsgebühr in der Lage ist, dieses Genehmigungsprocedere zu beschleunigen. Falls die Tübinger Mieten für Telefonzellen denen von Wohnraum nahekommen, könnten die Chancen recht gut stehen.