Herrlesbergladen in Lustnau
: Boris Palmer bittet zur Kasse

Tübingens Oberbürgermeister kassiert eine Stunde lang zur Unterstützung des genossenschaftlich organisierten Nachbarschaftsladens.
Von
Tobias Zug
Tübingen
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OB Boris Palmer kassiert am Donnerstagnachmittag im Herrlesbergladen. Und am Freitag feierte der Laden seinen 17. Geburtstag.

„Kommen Sie öfter hier her?“ Oberbürgermeister Boris Palmer kassiert im Herrlesbergladen, der vor 17 Jahren eröffnet wurde.

Carolin Albers
  • OB Boris Palmer kassierte eine Stunde im Lustnauer Herrlesbergladen.
  • Der genossenschaftliche Laden geriet vergangenes Jahr in finanzielle Not.
  • Ehrenamtliche helfen seither; Aktion entstand bei einer Brainstorming-Runde.
  • Palmer wohnte bis 2002 im Gebäude; Laden eröffnete im Februar 2009.
  • Wunsch an die Stadt: FSJ-Stelle für Laden und Herrlesbergtreff; Umsatz passte an dem Tag.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zehn bis zwanzig Leute drängeln sich in dem kleinen Laden, stehen Schlange für ihre Einkäufe bis kurz vor der Eingangstür. Der Mann an der Kasse hat's aber nicht eilig, hält noch Gespräche mit der Kundschaft vor ihm an der Ladentheke. „So viel? Da bekommen Sie eine ordentliche Rechnung. Vielen Dank, kommen Sie wieder!“ „Kommen Sie öfter hierher? Wohnen Sie hier? Ich habe hier auch mal gewohnt.“

Eilig hat's niemand, denn viele sind gerade wegen des freundlichen Herrn da an der Kasse gekommen: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer stand da nämlich etwa eine Stunde lang im Lustnauer Herrlesbergladen, unterstützt von Laden-Mitarbeiterin Bärbel Foese-Mallot, tippte die gekauften Waren ein und kassierte ab. „Bargeld oder Karte?“ Meistens bar, immer mal wieder Karte. „Brauchst du noch eine Quittung für deine Eltern?“

Wie berichtet, war der genossenschaftlich organisierte Laden auf dem Herrlesberg vergangenes Jahr in arge finanzielle Nöte geraten. Das Aus drohte. Unter Judith Sägesser von der Nachhaltigkeitsgruppe im Herrlesbergtreff wurden Ideen entworfen und umgesetzt, wie der Laden gerettet werden kann. Unter anderem arbeiten seither Ehrenamtliche im Laden. Einer davon war, zumindest eine Stunde lang, der Oberbürgermeister.

Als Student dort gewohnt

„Das war die Idee von einer aus unserem Ehrenamtsteam bei einer Brainstorming-Runde“, berichtete Sägesser. Sie habe dann sofort Palmer eine Mail geschrieben – und der sagte prompt zu. „Dass wir als Stadt ein Interesse haben, solche Treffpunkte zu erhalten, ist klar“, sagte Palmer, „wir sind auch ständig in Kontakt. Und wenn das so einfach geht, nur mal ein bisschen zu kassieren, um zu unterstützen, dann mache ich das gerne."

Zu Studienzeiten hatte der 53-Jährige sogar bis 2002 in dem Gebäude gewohnt; direkt über dem Laden, der im Februar 2009 eröffnet wurde. „Ich habe auf dem Herrlesberg meine ersten zehn Tübingen-Jahre verbracht“, erzählte Palmer, „mir hat es gut gefallen. Das Problem, dass es ein bisschen tot ist, hat mich als Student nicht gestört: Da war nur die Frage, wo kriegst du eine Wohnung in Tübingen, möglichst mit Fahrradentfernung und Busanschluss. Und das hat der Herrlesberg.“

Rainer Breitfeld vom Vorstand und Sägesser berichteten Palmer noch von den Problemen des Ladens wie steigenden Kostendruck, trugen den Wunsch vor nach einer FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr)-Stelle im Laden und dem angrenzenden Herrlesbergtreff. Der Umsatz an diesem Tag passte jedenfalls. Und Palmer konnte wieder seine Erfahrungen auffrischen aus seiner Jugendzeit, als er auf dem Tübinger Marktplatz am Obststand seines Vaters half. Wobei: „Ich war noch nie auf der anderen Seite einer solchen Digitalkasse mit so vielen Tasten, das war etwas kompliziert. Und was echt schräg ist: alles digital machen – und dann wieder Bargeld einkassieren.“