Nach Skandalen und Parteiaustritt
: Boris Palmer sieht keine Chancen auf Ministeramt

Boris Palmer polarisiert: Er beschreibt sich als grün und konservativ und sucht Mehrheiten, die manchmal sogar nahe bei der AfD liegen. Ein Ministeramt hat er sich mittlerweile wohl abgeschminkt.
Von
jbr/dpa
Tübingen
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Boris Palmer

Tübinger OB Boris Palmer: „Ich passe in kein Lager.“

Jan Philipp Strobel/DPA
  • Boris Palmer sieht für sich keine Chance auf ein Ministeramt und nennt drei Gründe.
  • Er hält sich nach 20 Jahren als Oberbürgermeister für ungeeignet und ist parteilos.
  • Nach seinen Eklats rechnet er mit null Aussicht, als OB und Talkshow-Gast bewirke er mehr.
  • Über sich sagt er: Er passe in kein Lager, suche je nach Thema wechselnde Mehrheiten.
  • Er stand in manchen Punkten SPD, Grünen und auch der AfD nahe – kommunal funktioniert das.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Tübingens Rathauschef Boris Palmer sieht drei Gründe, warum er weder Minister ist noch einer werden wird. „Erstens bin ich nach 20 Jahren als Oberbürgermeister für das Ministeramt nicht geeignet“, sagte der 54-Jährige der „Schwäbischen Zeitung“ (Montag) und dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag. „Zweitens habe ich nach all meinen Eklats gar keine Aussichten mehr. Das ist beendet. Ich bin parteilos, und diese Ämter werden nur von Parteien vergeben. Drittens bewirke ich als Oberbürgermeister und Talkshow-Gast mehr als in jedem Ministerium.“

Rund um die Landtagswahl in Baden-Württemberg war spekuliert worden, ob Palmer einen Ministerposten unter Regierungschef Cem Özdemir (Grüne) bekommt. Dieser machte seinen Freund und Trauzeugen schließlich zu einem ehrenamtlichen Berater, der dem Land beim Bürokratie-Abbau helfen soll.

In manchen Positionen der AfD nahe

Palmer sagt über sich selbst laut dem Bericht: „Ich passe in kein Lager.“ Er beschreibe sich als grün und konservativ, fordere mit der CDU Videoüberwachung am Bahnhof, mit den Grünen mehr Windräder. Sein „konsequenter Pragmatismus“, so Palmer den Angaben zufolge, „führt dazu, dass ich in manchen Punkten der SPD nahestehe, in manchen den Grünen und in manchen auch der AfD. Klingt ganz schlimm, ist aber so.“ Er suche Mehrheiten, wie er sie brauche, heißt es in dem Bericht. „Kommunalpolitisch funktioniert das wunderbar, bundespolitisch aber nicht.“

Palmer war zu Beginn seiner Karriere Landtagsabgeordneter und ist seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen. Er war mal als möglicher Nachfolger des damaligen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) gehandelt worden, bevor er 2023 nach mehreren Skandalen bei den Grünen austrat. Beim linken Flügel der Öko-Partei gilt er deswegen vielen als rotes Tuch.

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Sein Vater Helmut habe sich einen Wahlspruch des Humanisten Erasmus von Rotterdam in sein Tagebuch geschrieben, sagte der Sohn den Zeitungen. „Nulli cedo“, zu Deutsch: Ich weiche niemandem. „Mir wurde vorgelebt, dass man für seine Meinung einsteht“, sagte Palmer. „Durch das Erbe meines Vaters war es mir unmöglich, auch nur einen Schritt zurückzumachen.“