Lebensmittelkontrollen im Kreis Tübingen: Pistolen im Eisfach, verschimmelte Würste und verbotene Nikotin-Pouches

Lebensmittelkontrollen im Landkreis Tübingen: Schreckschusspistolen, Salami, Trüffel, Steckdose
Landratsamt Tübingen- Kreis Tübingen: 2025-Bericht zur Lebensmittelüberwachung mit kuriosen Funden.
- 2823 Kontrollen; 36 % der Betriebe geprüft; bei 45 % Verstöße.
- Sanktionen: 6 Verwarnungen, 77 Bußgelder, 7 Strafverfahren; 1 Hähnchenwagen stillgelegt.
- Funde: Pistolen im Eisfach, Moped neben Lebensmitteln, Schimmel auf Salami; Trüffel-Schimmel unbedenklich.
- Nicotine Pouches und übergroße Vapes beschlagnahmt; Restaurantfälle ohne Lebensmittelbezug.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Pistolen im Eisfach, verschimmelte Würste, ein Moped neben unverpackten Lebensmitteln und ein Hähnchengrill-Inhaber, der – gerade als die Kontrolleure kamen – durch eine herabstürzende Deckenverkleidung verletzt wurde: Das sind die kuriosesten Fälle, die der Bericht der Lebensmittelüberwachung 2025 nennt.
Die Lebensmittelüberwachung ist eine Abteilung des Landratsamts. Sie hat die Aufgabe, Lebensmittelbetriebe zu kontrollieren: Sind die Produkte hygienisch gelagert? Sind sie zum Verzehr geeignet? Sind Lager und Küche sauber? Ist alles richtig gekennzeichnet? Geprüft werden dabei nicht nur Restaurants und Imbisse, sondern auch Tankstellen, Hersteller und Lieferanten.
Im vergangenen Jahr hat die Behörde im Kreis Tübingen 2823 Kontrollen gemacht. Dabei wurden etwa 36 Prozent der Betriebe angeschaut. Die meisten davon, 63 Prozent, wurden routinemäßig überprüft. Die anderen waren Kontrollen nach Verbraucheranzeigen oder Nachkontrollen, bei denen geschaut wurde, ob früher kritisierte Mängel beseitigt wurden. Bei fast der Hälfte der Kontrollen – bei 45 Prozent – hat die Behörde Verstöße gegen das Lebensmittelrecht festgestellt. Die meisten davon waren geringfügige Hygienemängel, fehlerhafte Kennzeichnungen oder ungenügende Eigenkontrolle. In 2 Prozent der Fälle gab es Sanktionen: Sechsmal wurde ein Verwarnungsgeld eingezogen, 77 Mal ein Bußgeld verhängt und siebenmal ein Strafverfahren eingeleitet.
Hähnchenwagen stillgelegt
Stillgelegt wurde ein Hähnchengrill-Wagen. Die Kontrolleure wollten ihn eigentlich abnehmen. Doch dazu kam es nicht, da es, wie es im Bericht heißt, „wenige Minuten zuvor zu einem unvorhergesehenen Zwischenfall gekommen war“. Die Deckenverkleidung des „offensichtlich in die Jahre gekommenen Wagens“ war heruntergebrochen und hatte den Kiosk-Betreiber leicht am Kopf verletzt. Die Kontrolleure schauten sich den Wagen trotzdem an und entdeckten „zahlreiche Altverschmutzungen“. Auf einem Foto (unten rechts) sind völlig verdreckte Schalter zu sehen, bei einem davon fehlt die obere Abdeckung. „Aufgrund der fehlenden Grundreinigung sowie der erheblichen baulichen Mängel waren die Voraussetzungen für eine Inbetriebnahme nicht erfüllt“, heißt es in dem Bericht.
Auf einem Wochenmarkt fanden die Kontrolleure unverpacktes Brot unterhalb eines Holzbalkens, von dem sich Splitter lösten. Die hätten ins Brot fallen können, weshalb die Brote erst überprüft und dann an einem geeigneten Ort gelagert wurden. In einem Lagerraum stand neben verpackten und unverpackten Lebensmitteln ein Moped. Weil auch dort die Gefahr bestand, dass die Lebensmittel verunreinigt werden, musste das Moped weg.
Und dann fanden die Kontrolleure Waffen. In einer Kneipe lagen im Gefrierfach eines Kühlschranks zwei Pistolen. Der Kneipenwirt gab an, sie würden nicht ihm gehören. Es seien Schreckschusswaffen, wie sie auch an Silvester genutzt würden. Wem sie gehörten, „konnte im Rahmen der Kontrolle nicht abschließend festgestellt werden“ – man weiß es also nicht. Die Waffen jedenfalls wurden beschlagnahmt.
Guter und schlechter Schimmel
Die Kontrolleure lernten im vergangenen Jahr auch dazu, nämlich, dass es guten und schlechten Schimmel gibt. In einem Restaurant, das nicht das hygienischste war, fanden sie schwarzen und weißen Trüffel mit weißem Schimmelpilz. Sie schickten Proben davon ans Untersuchungsamt. Der Sachverständige teilte zunächst mit, dass die Trüffel auf den ersten Blick nicht zum Verzehr geeignet seien. Ein Pilzexperte wusste es aber besser: Trüffel seien Pilze, das weiße Mycel sei während der Lagerung weitergewachsen. Alles gut also.
Bei den Würsten in einer Metzgerei war es allerdings anders: Die luftgetrocknete Salami hatte nicht nur den erwünschten Edelschimmel, sondern auch einen „blau-gräulichen Fremdschimmelbefall“. Abwaschen konnte man ihn nicht, und auch er wächst immer weiter. „Spontan angeschimmelte Lebensmittel sind ekelerregend und grundsätzlich als genussuntauglich zu bezeichnen“, urteilen die Kontrolleure in ihrem Bericht. Und sie klären auf: Luftgetrocknete Salami mit weißem Edelschimmel erfordere ein gleichmäßig trockenes Klima bei moderater Temperatur.
Kontrolleure finden verbotene Nikotin-Pouches
Erwischt haben die Kontrolleure auch einen Lieferanten. Er stand vor einem Lebensmittelgeschäft und hatte Obst und Gemüse geladen, dazu aber auch etliche vermeintlich leere Kartons und Abfälle. In fünf Kartons fanden die Kontrolleure tabakfreie Nikotinbeutel, sogenannte „Nicotine Pouches“ oder „Snus“. Diese sind in Deutschland verboten, waren aber, so die Kontrolleure, für den Weiterverkauf beziehungsweise zur Abholung in dem Geschäft bestimmt. Sie riefen die Polizei, die die Ware beschlagnahmte und gegen den Lebensmittelhändler ein Strafverfahren einleitete.
In Tankstellen fanden die Kontrolleure teilweise größere Mengen von Nikotin-Pouches und Vapes mit zu großem Tankvolumen. Auch dort beschlagnahmte die Polizei die Ware und leitete Strafverfahren ein.
Restaurantessen ohne Folgen
Wer in einem Restaurant gegessen hat und dann Magen-Darm-Probleme bekommt, vermutet oft, dass die Beschwerden am Essen liegen. Im vergangenen Jahr meldeten sich deshalb mehrere Leute bei der Lebensmittelüberwachung. Die setzt sich dann sofort mit dem Gesundheitsamt in Verbindung und sie kontrollieren gemeinsam den Betrieb. Es werden Proben genommen, die in ein Labor geschickt werden. Im vergangenen Jahr gab es ausschließlich Entwarnungen: „Glücklicherweise“ sei bei keinem Erkrankungsfall „ein Zusammenhang mit dem Verzehr eines Lebensmittels hergestellt“ worden.
Beschwerden melden
Verbraucher können Beschwerden telefonisch unter (07071) 207 32 17 oder per Mail an veterinaerwesen@kreis-tuebingen.de bei der Lebensmittelüberwachung melden. Jede eingehende Beschwerde werde, so das Landratsamt, sorgfältig bearbeitet und der Sachverhalt genau geprüft. Auf verbraucherinfo-bw.de können kreisweit aktuelle Beanstandungen angeschaut werden. Außerdem gibt es auf der Site kreis-tuebingen.de/gesundheit zahlreiche Informationen.








