Invasive Ameisen in Tübingen
: Stadt setzt auf die Heißwassermethode gegen Tapinoma magnum

Die Tübinger Stadtverwaltung hat sich mit anderen Kommunen ausgetauscht, in denen die Superkolonien-bildende Ameisenart sich ausbreitet. Sie will mit einer Heißwasserlanze dagegen vorgehen – allerdings nur auf öffentlichem Grund. Die Kolonie am Schlossberg gibt es bereits länger als gedacht.
Von
Jonas Bleeser
Tübingen
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Invasive Ameisen der Art Tapinoma magnum - Foto: Aron Bellersheim vom Naturkundemuseum Stuttgart. Verwendung des Bildmaterials nur mit Nennung des Copyright/Urhebervermerks: SMNS, A. Bellersheim

Invasive Ameisen der Art Tapinoma magnum, hier auf einer Aufnahme des Naturkundemuseums Stuttgart, machen sich auch in Tübingen breit.

SMNS, A. Bellersheim
  • Tübingen testet Heißwassermethode gegen invasive Ameisenart Tapinoma magnum auf öffentlichem Grund.
  • Zwei Kolonien bestätigt: Beethovenweg (neu) und Burgholzweg (seit etwa zwei Jahren).
  • Heißwasser soll Ausbreitung verlangsamen – Einsatz auf privatem Grund nicht vorgesehen.
  • Alternative Mittel wie Kieselgur oder Nematoden werden von der Stadt abgelehnt.
  • Betroffene sollen Schädlingsbekämpfer kontaktieren, Sichtungen an die Stadt melden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bislang sind zwei Kolonien der Ameisen in Tübingen bestätigt, eine im Beethovenweg und eine im Burgholzweg auf dem Schlossberg. Sechs weitere der Stadtverwaltung gemeldete Verdachtsfälle haben sich als heimische Arten herausgestellt.

Tapinoma magnum hat in anderen Gemeinden bereits hohe Kosten verursacht. So kam es in Kehl zu Stromausfällen, weil die Insekten Verteilerkästen besiedelten. „Wir beobachten das Aufkommen der Ameisen weiterhin. Bislang besteht keine Gefahr für die öffentliche Infrastruktur. Damit wir im Fall der Fälle schnell handeln können, prüfen wir jetzt testweise, ob und in welchem Ausmaß der Einsatz heißen Wassers gegen die Ameisen wirkt“, erläutert Lukas Haderlein, Leiter der städtischen Fachabteilung Ordnung und Gewerbe.

Erfahrungen aus anderen Kommunen zeigten, dass heißes Wasser die Ameisen nicht eliminieren, aber deren Ausbreitung verhindern oder zumindest verlangsamen kann. Deshalb soll es nun Tests geben, wie effektiv die Methode ist. Damit hat die Stadtverwaltung einen Tübinger Gartenbau-Unternehmer beauftragt. Ursprünglich hatte sie angekündigt, ein Fahrzeug des Bauhofs dafür umzubauen. „Bevor wir für viele Tausend Euro ein eigenes Fahrzeug aufrüsten, wollen wir sicherstellen, dass das Einbringen heißen Wassers in den Boden tatsächlich den erhofften Nutzen zeigt“, sagt Haderlein.

Kein Einsatz von Kieselgur oder auf privatem Grund

Andere Kommunen setzen im Kampf gegen Tapinoma magnum auf Nematoden, also Fadenwürmer, die in Wasser aufgelöst ausgebracht werden und die Ameisen befallen und abtöten. Auch Kieselgur wird von Gemeinden eingesetzt und teils kostenlos an Besitzer befallener Grundstücke abgegeben. Das feine Mineralmehl greift die Panzerung der Tiere an, wodurch sie vertrocknen. Das hält die Tübinger Verwaltung nicht für geeignet, wie sie auf Nachfrage erklärt. So könne nur eine partielle Eindämmung erreicht werden: „Ganze Völker werden dadurch voraussichtlich nicht bekämpft.“ Außerdem habe das Mittel nur eine beschränkte Zulassung, und eben keine für den Hausgebrauch oder im Freien.

Kolonie am Schlossberg bereits seit zwei Jahren da

In Tübingen wurden die Ameisen der Art Tapinoma magnum bislang zweimal nachgewiesen. Während die Tiere im Beethovenweg neu aufgetreten waren, hat sich inzwischen herausgestellt, dass die Ameisen im Burgholzweg dort bereits seit knapp zwei Jahren anzutreffen sind. Denn schon damals gab es eine Meldung an die Stadt, die nun als Tapinoma magnum bestimmt worden ist.

Bei einem Befall auf einer privaten Fläche sieht sich die Stadt nicht in der Pflicht: Ihre Zuständigkeit endet für sie an der Grundstücksgrenze. Kehl beispielsweise sieht das anders und schickt städtische Bekämpfer auch in private Gärten. Tübingen dagegen rät Betroffenen, einen Schädlingsbekämpfer einzuschalten. Dazu verpflichtet werden können Privatleute allerdings nur, wenn eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit uns Ordnung besteht. Um die Ausbreitung der Ameisen zu dokumentieren, können die von Fachleuten bestätigten Sichtungen der Ameisenart Tapinoma magnum bei der städtischen Fachabteilung Ordnung und Gewerbe gemeldet werden. ordnung@tuebingen.de. Außerdem informiert die Stadt auf www.tuebingen.de/ameisen.