Nach Großbrand auf Pferdehof bei Tübingen
: „Als wir am Samstagabend hergefahren sind, dachte ich, jetzt sind alle tot“

Eine Scheune und ein Stall sind zerstört, 47 Pferde konnten gerettet werden. Zwei Tage nach dem Großbrand auf dem Pferdehof Liemorgen in Pfrondorf sind die Spuren des Feuers noch deutlich sichtbar. Doch ebenso die Unterstützung durch Landwirte und Nachbarschaft.
Von
Iris Simon
Tübingen
Die abgebrannte Scheue und der betroffene Stall sind noch nicht freigegeben.

Die abgebrannte Scheue und der betroffene Stall sind noch nicht freigegeben.

Iris Simon
  • Großbrand auf Pferdehof Liemorgen in Pfrondorf: Scheune und Stall bis auf Grundmauern zerstört.
  • Feuer brach am Samstagabend gegen 21.45 Uhr aus, über 150 Einsatzkräfte verhinderten Schlimmeres.
  • 47 Pferde und zehn Bewohner blieben unverletzt – Wintervorrat an Heu und Stroh weitgehend verloren.
  • Schadenshöhe laut Polizei wohl im niedrigen, einstelligen Millionenbereich, Ursache noch unklar.
  • Große Hilfsbereitschaft: Futter wird ersetzt, Spenden und Unterstützung aus Landwirtschaft und Region.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es könnte eigentlich idyllisch sein: dutzende Pferde stehen unter dicht behängten Apfelbäumen auf ihren Koppeln, die Herbstsonne drückt ungewöhnlich heiß auf die Felder, aus der nahegelegenen Grundschule ist Kindergeschrei zu hören. Doch ein trockener Wind geht über die Wiesen am Rande des Schönbuch und treibt einen schweren Rußgeruch in der Nase. Und dann steht man auch schon drin. In der Katastrophe, wie Michaela Böhmerle sagt.

Teile des Wintervorrats für Heu und Stroh zerstört

Zwei Tage nach dem Großbrand ist die Zerstörung auf dem Pferdehof Liemorgen in Pfrondorf noch deutlich sichtbar. Wo am Samstagabend eine Scheune in Flammen stand, liegen am Montag verkohlte Balken und Trümmer. Ein Gutachter läuft in einem weißen Anzug umher. Böhmerle steht mit ihrer Familie und den Angestellten auf dem Hof, das Handy in der Hand, und ruft ihren Dackel zurück. Er soll sich von den Überresten fernhalten, um keinen Giftstoffen ausgesetzt zu sein.

Der Brand war am Samstagabend gegen 21.45 Uhr ausgebrochen. Als die Feuerwehr eintraf, stand die Scheune bereits in Vollbrand. Die zeitweise über 150 Einsatzkräfte konnten ein Übergreifen auf das angrenzende Wohnhaus verhindern. Doch das betroffene Stall- und Scheunengebäude ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt und mit ihm große Teile des Wintervorrats an Heu und Stroh. Am Montag sind die großen Einsatzfahrzeuge wieder abgerückt. Zurück bleiben die Schäden – und für die Familie die Frage, wie es auf dem Hof weitergeht. „Arbeiten hilft“, erklärt Böhmerle. Das lenke ab. Einige Tiere müssen auf den Koppeln versorgt werden, da es nicht für alle alternative Unterbringungsmöglichkeiten gibt. Ein Stallzelt ist schon organisiert, doch bis dahin bekommen die Tiere ihr Futter und Wasser auf der Wiese. Es ist eine emotionale Achterbahn, sagt Böhmerle und zeichnet mit ihrer Hand Wellenbewegungen in die Luft. „Mal so, mal so. Als wir am Samstagabend hergefahren sind, dachte ich, jetzt sind alle tot.“ Auch der Sonntag sei fürchterlich gewesen. „Einfach katastrophal. Ich habe mir die ganze Zeit gedacht: Schüttel mich! Es ist ein Albtraum.“

„Immerhin stehen wir nicht im Schneeregen“

Zwei Tage später hat sich der erste Schock gelegt. Von Sonntag auf Montag konnten die Hofbewohnerinnen und -bewohner wieder im Haus übernachten. Zwar ohne Strom, aber mit Stirn- und Taschenlampen sei man zurechtgekommen. Besonders glimpflich ging der Brand für Mensch und Tier aus. Die 47 Pferde, die auf dem Hof leben, konnten rechtzeitig gerettet werden. Auch die zehn Bewohnerinnen und Bewohner des Hofs blieben unverletzt. „Alle haben überlebt. Allen geht es gut. Und wir haben mit dem Wetter ja noch Glück“, erklärt die Pferdezüchterin und muss lachen. „Wer weiß, wie das in sechs Wochen ausgesehen hätte. Immerhin stehen wir nicht im Schneeregen.“

Die Brandursache ist noch unklar

Eine abschließende Schadensaufnahme ist derzeit nicht möglich, er dürfte sich aber nach ersten Schätzungen laut der Polizei im Bereich eines niedrigen, einstelligen Millionenbetrages befinden. Was zum Ausbruch des Feuers geführt hat, kann die Pressestelle noch nicht sagen. Brandermittlungen sind oft aufwendig und benötigen Zeit. Manchmal vergehen Wochen, bis die Spezialisten der Kriminaltechnik zu einem Ergebnis kommen.

Und dann wäre da noch die Hilfsbereitschaft. „Diese Community, diese Menschen sind einfach der Wahnsinn“, erzählt Böhmerle. Der Landwirt, der den Pferdehof für den Winter versorgt, wird das zerstörte Futter und Stroh ersetzen und für den Hof einlagern. Zudem wurden ihnen mehr als ein Dutzend Ballen geschenkt. Auch regionale Unternehmen hätten Unterstützung angeboten. Und dann das ganze Essen. „So viel Kuchen kann man gar nicht essen. Diese Unterstützung hätte ich mir nicht träumen lassen.“ Wie es weitergeht, müsse man schauen. Jetzt müsse sie sich erstmal um neue Mülltonnen kümmern. Die seien unpraktischerweise alle zusammen dem Feuer zum Opfer gefallen.