Erklärung im Netz: Bekennerschreiben zur Farbattacke aufs Tübinger Amtsgericht

Die Fassade des Nachlass- und Betreuungsgerichts in der Tübinger Schellingstraße wurde in der Nacht auf Freitag, 6. Februar 2026, mit Farbbeuteln beworfen.
Amtsgericht Tübingen- Farbattacke auf Tübinger Amtsgericht in der Nacht auf Freitag, 6. Februar 2026.
- Unbekannte bewarfen Fassade des Nachlass- und Betreuungsgerichts mit Farbbeuteln.
- Anonyme Indymedia-Erklärung: Solidarität mit Maja T., „Freiheit für alle Antifas“.
- Bezug zum Budapest-Prozess: Maja T. zu acht Jahren Haft verurteilt; Berufung eingelegt.
- Amtsgerichtsdirektorin: Zusammenhang „weit hergeholt“; Polizei ermittelt weiter.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Dicke Farbkleckse ziehen sich seit vergangener Woche über die Fassade des Nachlass- und Betreuungsgerichts in der Tübinger Schellingstraße. Unbekannte bewarfen das Gebäude mit Farbbeuteln. Warum, das fragte sich auch Amtsgerichtsdirektorin Stefanie Wentzell am vergangenen Freitag gegenüber der SÜDWEST PRESSE: „Es ist mir unerklärlich, warum wir ins Kreuzfeuer geraten sind.“
Nun ist auf der Online-Plattform Indymedia eine anonyme Stellungnahme aufgetaucht, die es erklären könnte. Ob sie wirklich von denselben Leuten stammt, die das Gericht bewarfen, ist nicht gesichert. Darin wird die Sachbeschädigung mit dem Prozess gegen Maja T. in Ungarn in Zusammenhang gebracht. Die nicht-binäre Person wurde vergangenen Mittwoch in einem umstrittenen Verfahren in Budapest zu acht Jahren Haft verurteilt, wegen eines mutmaßlichen Angriffs auf Rechtsextreme am Rande einer Demonstration 2023. Die ungarische Staatsanwaltschaft hatte 24 Jahre Gefängnis gefordert. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Anklage und Verteidigung gingen in Berufung.
Besondere Aufmerksamkeit zieht der Fall auch auf sich, weil die Auslieferung T.s an Ungarn vom Bundesverfassungsgericht für rechtswidrig erklärt wurde, da nicht-binären Personen in der Untersuchungshaft Gewalt und Diskriminierung drohten. Die einstweilige Verfügung des Gerichts aber kam vier Stunden zu spät an: T. war bereits an Ungarn überstellt worden.
Amtsgerichtsdirektorin: „Kann das nicht nachvollziehen“
In der anonymen Stellungnahme auf Indymedia wird nun direkt auf Maja T. Bezug genommen und „Freiheit für alle Antifas“ gefordert. Unter der Überschrift „Solidarität mit Maja – Farbe auf Tübinger Gericht“ wird die Farbattacke so begründet (Fehler im Original): „Auch wenn das Tübinger Gericht in der Südstadt auf den ersten Blick nichts mit dem Urteil in Budapest zu tun hat: der Staat dem er dient schon!“ Es sei eine Institution des „kapitalistischen Staats“, der „den Faschismus an der Macht als Herrschaftsoption“ habe.
Die Polizei kennt das Schreiben, will die laufenden Ermittlungen aber nicht kommentieren. Man ermittele wegen der Sachbeschädigung weiter in alle Richtungen, so ein Sprecher.
Amtsgerichtsdirektorin Stefanie Wentzell findet es „weit hergeholt und fernliegend“, dass ihr Gericht und sein Gebäude mutmaßlich wegen eines Urteils in Ungarn in Haftung genommen wird: Das Betreuungs-, Insolvenz- und Nachlassgericht nehme wichtige Aufgaben für die Allgemeinheit wahr. „Ich kann das nicht nachvollziehen“, sagt Wentzell.

