Ausbildungsstart in Tübingen: Azubi-Mangel im Tübinger Baugewerbe

Die Zahl der Auszubildenden bei der IHK in der Region geht zurück. Neben dem Baugewerbe sehen die Zahlen auch bei der Metalltechnik schlecht aus. Deutlichen Zuwachs verzeichnet hingegen das Verkehrs- und Transportwesen.
Oliver Berg/dpa-tmn/dpa- IHK meldet Rückgang bei neuen Ausbildungsverträgen in der Region um 7,5 Prozent.
- Technisch-gewerbliche Ausbildungen brechen ein, kaufmännische bleiben relativ stabil.
- Im Kreis Tübingen minus 13,8 Prozent – Baugewerbe mit über 66 Prozent besonders betroffen.
- Verkehrs- und Transportwesen legt in Tübingen stark zu, auch Elektrotechnik wächst.
- 16 Prozent der neuen IHK-Verträge entfallen auf internationale Auszubildende.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Zahl der Ausbildungsverträge bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in der Region geht zurück. 1754 neue Verträge wurden in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb zum Start des neuen Ausbildungsjahres bei der IHK Reutlingen eingereicht. Ein Rückgang von 7,5 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr.
Anders sieht es bei der Handwerkskammer Reutlingen aus. Mit 1763 neuen Ausbildungsverträgen wurden dort neun Verträge mehr als im vergangenen Jahr eingereicht. (wir berichteten) An dieser Stelle wichtig zu erwähnen: Die IHK und die Handelskammer sind für unterschiedliche Wirtschaftsbereiche zuständig und führen dementsprechend unterschiedliche Zahlen bei neuen Ausbildungsvertägen. Während die IHK Handel, Industrie, Dienstleistungen und IT betreut, ist die Handwerkskammer für klassische Handwerksberufe zuständig.
„Der Rückgang überrascht uns nicht“
Besonders betroffen von dem Rückgang bei der IHK sind die technisch-gewerblichen Ausbildungen. Waren es dort 2025 noch 752 neue Verträge, sind es in diesem Jahr nur noch 640, 14,9 Prozent weniger. Die kaufmännischen Berufe sind mit einem Minus von 2,7 Prozent verhältnismäßig stabil geblieben, von 1145 neuen Verträgen 2025 zu 1114 in diesem Jahr. „Der Rückgang überrascht uns nicht“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp. „Der wirtschaftliche Wandel und weniger Schulabgänger verändern den Ausbildungsmarkt.“
Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger in der Region Neckar-Alb um 16,3 Prozent zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge nahezu im gleichen Umfang – von 2.267 zum Ausbildungsstart 2015 auf 1.897 im Jahr 2025.
Weniger als die Hälfte der berechtigten Unternehmen bildet aus
Laut der IHK Reutlingen haben die sinkenden Zahlen im Ausbildungsmarkt neben dem demografischen Wandel noch weitere Ursachen. Zum einen befänden sich viele Unternehmen aktuell „in einem tiefgreifenden Transformationsprozess“. Einzelne größere Ausbildungsbetriebe würden daher nicht oder nur eingeschränkt ausbilden. Hinzu komme, dass viele Unternehmen ihre Ausbildungsplätze trotz hoher Bereitschaft nicht mit passenden Bewerberinnen und Bewerbern besetzen könnten.
Insgesamt verfügen 2.996 Unternehmen in der Region über eine Ausbildungsberechtigung bei der IHK. Davon bilden aktuell 1.214 Betriebe aktiv aus. „Gerade weil viele Ausbildungsplätze schwer zu besetzen sind, ist eine gute Berufsorientierung wichtiger denn je. Sie beginnt nicht erst kurz vor dem Schulabschluss. Wer früh verschiedene Berufe kennenlernt und Praxiserfahrungen sammelt, trifft meist die bessere Entscheidung – davon profitieren Jugendliche und Unternehmen gleichermaßen“, sagt Thorsten Leupold, Bereichsleiter Ausbildung bei der IHK Reutlingen.
Industriekaufleute liegen vorne
Zu den gefragtesten Ausbildungsberufen, die die IHK betreut, zählen in diesem Jahr bei den technisch-gewerblichen Berufen Industriemechaniker und Industriemechanikerin mit 133 neuen Verträgen, Fachinformatiker und Fachinformatikerin mit 108 und Mechatroniker und Mechatronikerin mit 77. Bei den kaufmännischen Berufen führen Industriekaufleute mit 151 neuen Verträgen die Statistik an. Danach folgen Kaufleute im Einzelhandel mit 139 sowie Bankkaufleute mit 111 neuen Auszubildenden.
Auch internationale Auszubildende leisten einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung in der Region. Von den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen entfallen 285 auf junge Menschen aus dem Ausland, darunter 74 aus EU-Mitgliedstaaten und 211 aus Drittstaaten. Das entspricht einem Anteil von rund 16 Prozent aller neu abgeschlossenen Verträge.
Wie ist die Lage im Kreis Tübingen?
Speziell im Landkreis Tübingen wurden 424 neue Ausbildungsverträge bei der IHK eingetragen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von 13,8 Prozent. Die technisch-gewerblichen Berufe gingen um 14,2 Prozent auf 151 Neuverträge zurück, die kaufmännischen Berufe um 13,6 Prozent auf 273. Positiv entwickelten sich das Verkehrs- und Transportwesen in Tübingen. Dort wurde eine Zunahme von 58,3 Prozent verzeichnet. Auch bei der Elektrotechnik gibt es in diesem Jahr 23,3 Prozent mehr neue Auszubildende als im Vorjahr.
Deutliche Rückgänge verzeichneten dagegen die Metalltechnik mit einem Minus von 29,4 Prozent und die kaufmännischen Industrieberufe mit einem Minus von 20,6 Prozent bei der Zahl der Auszubildenden. Am härtesten trifft es in Tübingen aber das Baugewerbe mit über 66 Prozent weniger neuen Verträgen. Ein Rückgang von rund zwei Dritteln.
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