Attempto-Preise für Tübinger Forschung: Fische schlafen anders als bislang angenommen

Mit den Attempto-Preisen 2026 ausgezeichnet: Vikash Choudhary und Lisa Haxel.
Alexander Ries/Universität Tübingen- Attempto-Preise 2026 gehen an Vikash Choudhary und Lisa Haxel – jeweils 5000 Euro.
- Choudhary zeigt: Zebrafische haben vier Schlafunterstadien, erfasst per Augenbewegung und EEG.
- Ein Stadium tritt vor allem tagsüber auf, drei überwiegend nachts. Befunde auch bei Verwandten.
- Haxel entwickelt lernende Software für TMS: reagiert auf Hirnstrom und passt Pulsstärke an.
- Voraussage in etwa sieben Millisekunden am motorischen Hirnbereich erprobt, weitere Studien folgen.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Zebrafische schlafen komplexer als bislang angenommen. Und Magnetpulse könnten künftig genauer auf das menschliche Gehirn abgestimmt werden. Für Forschungen zu diesen beiden Themen haben Vikash Choudhary und Lisa Haxel die Attempto-Preise 2026 erhalten. Das berichtet die Universität Tübingen in einer Pressemitteilung. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 5000 Euro dotiert. Überreicht wurden sie am Dienstag, 20. Oktober im Rahmen der Mitgliederversammlung des Universitätsbunds.
Bisherige Annahmen infrage gestellt
Choudhary forscht am Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. Er untersuchte mit seinem Team den Schlaf von Zebrafischlarven. Bisher gingen Forschende häufig davon aus, dass Fische im Schlaf lediglich eine längere Ruhephase durchlaufen. Doch Kameraaufnahmen über mehrere Tage zeigten etwas anderes: Anhand der Augenbewegungen lassen sich vier verschiedene Schlafunterstadien unterscheiden. Eines tritt vor allem tagsüber auf, die übrigen drei überwiegend nachts. Messungen der Hirnaktivität ergänzten die Beobachtungen. Auch bei verwandten Fischarten fand das Team die Unterteilung. „Choudharys Ergebnisse zeigen, dass die Architektur der Schlafstadien bei den niederen Wirbeltieren komplexer ist als gedacht“, heißt es in der Pressemitteilung.
Haxel beschäftigt sich mit dem menschlichen Gehirn. Die Wissenschaftlerin, die früher in Tübingen forschte und inzwischen an der TU München und am Forschungszentrum Helmholtz München arbeitet, entwickelte ein lernendes Computerprogramm für die transkranielle Magnetstimulation (TMS). Bei dieser Methode beeinflussen Magnetpulse die Hirnaktivität. Sie wird in der Forschung und bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt.
Voraussage innerhalb von sieben Millisekunden
Die Wirkung der Pulse schwankt jedoch von Mensch zu Mensch und sogar von Moment zu Moment. Haxels Software wertet deshalb Hirnstrommessungen aus und sagt innerhalb von etwa sieben Millisekunden voraus, wie das Gehirn auf einen Puls reagieren dürfte. So lässt sich dessen Stärke anpassen. Erprobt wurde das Verfahren zunächst am motorischen Hirnbereich, der die Muskulatur steuert. Weitere Studien an anderen Hirnregionen müssen nun zeigen, welches Potenzial es für therapeutische Anwendungen hat.
Die Attempto-Stiftung zeichnet mit den Preisen neurowissenschaftliche Veröffentlichungen von Tübinger Nachwuchsforschenden aus.
