Magazin Next Step
: Erfolg ist kein Glück – vom Geflüchteten zum Friseursalon-Besitzer

Muataz Asmi kam als Geflüchteter nach Deutschland. Hier absolvierte er eine Ausbildung zum Friseur, anschließend besuchte er die Meisterschule. Nach einer langen Hängepartie mit den Behörden durfte er im vergangenen Jahr endlich einen Friseursalon in Satteldorf übernehmen. Seine Geschichte wird in der aktuellen Ausgabe von Next Step vorgestellt.
Von
Eileen Schirle
Satteldorf
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Muataz Asmi flüchtete 2015 aus dem Irak nach Deutschland. Heute ist er Besitzer eines Friseursalons in Satteldorf. Eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekommt er – trotz abgeschlossener Berufsausbildung und Meistertitel – vorerst nicht.

Muataz Asmi flüchtete 2015 aus dem Irak nach Deutschland. Heute ist er Besitzer eines Friseursalons in Satteldorf. Eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekommt er – trotz abgeschlossener Berufsausbildung und Meistertitel – vorerst nicht.

Eileen Schirle
  • Muataz Asmi floh 2015 aus dem Irak nach Deutschland und wurde Friseurmeister in Satteldorf.
  • Trotz Ausbildung und Meistertitel erhielt er keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.
  • Sein Weg zum Meister war hart, geprägt von Sprachbarrieren und vielen Prüfungen.
  • Dank Unterstützung konnte er im Oktober 2022 einen Friseursalon übernehmen.
  • Er wünscht sich Ruhe und Erfolg im Salon.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit Schere, Tönungen und Farben verschafft Muataz Asmi seinen Kundinnen und Kunden einen neuen Look. Doch dass sich der 30-Jährige heute überhaupt Friseurmeister nennen darf, ist keine Selbstverständlichkeit. Hinter ihm liegt eine lange Leidensgeschichte. Ein echter Kampf, mit vielen Entbehrungen – und einem vorläufigen Happy End.

Muataz ist im Irak geboren und aufgewachsen. Nach der Schulausbildung zog es ihn zur Marine, dort begann er ein Mechanikstudium. „Mein Traum war es, Ingenieur zu werden“, erinnert er sich. Doch im August 2015 musste seine Familie aus religiösen Gründen aus dem Land fliehen. Muataz wollte zuerst sein Studium beenden, doch die Lage wurde auch für ihn zu unsicher, sodass er nur wenig später seiner Familie in die Türkei folgte. Dort waren die Asmis immer noch nicht sicher, sie gingen weiter nach Deutschland. „Die Flucht war hart und kräfteraubend. Wir erlebten viel Gewalt, mein Bruder wurde ermordet“, erzählt Muataz bedrückt.

In Deutschland kam die Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in Crailsheim unter. Hier beobachtete ihn seine Betreuerin Elke Strauß dabei, wie Muataz anderen Bewohnern die Haare schnitt und vermittelte ihn an Christine Gallasch, die einen Friseursalon in Satteldorf betrieb. Dort fing er zunächst als Friseurhelfer an und fand schnell Gefallen an der Arbeit: „Mir tat es nicht gut, zuhause einfach nur rumzusitzen. Denn dann kommen die schlimmen Erinnerungen von der Flucht wieder hoch. Die Arbeit im Salon tat mir gut und lenkte mich ab.“

Der Weg zum Meister

Nur wenige Monate später erhielt Muataz eine niederschmetternde Nachricht: Abschiebung – trotz seines Jobs als Friseurhelfer. „Die Abschiebung konnte ich umgehen, indem ich eine Ausbildung begann. Frau Gallasch bot mir sofort einen Platz an“, sagt der Iraker. Ein Problem war jedoch die Sprache, er sprach noch sehr wenig Deutsch. Doch mit Sprachkursen, Gesprächen mit Kunden und vor allem der Hilfe von seinen Mitschülern und Freiwilligen aus Satteldorf wurde sein Deutsch immer besser. Heute spricht er es fließend. Schon zu Beginn der Ausbildung war für seine Chefin, die eigentlich schon längst im Ruhestand sein wollte, klar: Der Iraker soll ihr Nachfolger werden. Doch dafür genügt die Ausbildung nicht, er benötigte einen Meistertitel. „Deswegen besuchte ich direkt nach dem Abschluss der Lehre die Meisterschule. Und die war wirklich nicht leicht“, erinnert sich Muataz.

In Köln lernte er alles rund um Frisuren, Styling und Make-up sowie Kenntnisse in Recht und Wirtschaft. „Es gibt eine hohe Durchfallquote, die Anforderungen sind extrem hoch“, weiß er. Die Sorge, es nicht zu schaffen, war groß, es gab Nächte, da konnte er deswegen kein Auge zumachen. Karin Postner, eine Kundin aus dem Salon, hat mit ihm in ihrer Freizeit die rechtliche Theorie gepaukt. „Das war großartig“, zeigt sich der 30-Jährige dankbar. „Sie war eine so große Hilfe, hat ihre private Zeit geopfert, um mir zu helfen. Und dabei konnte sie einfach immer alles besser erklären als meine Lehrer“, lacht er. Schließlich, nach einigen Wiederholungsprüfungen, durfte er ab Oktober 2022 den Meistertitel tragen.

Warten auf die Behörden

Und damit war alles gut? Nein, leider nicht: Muataz durfte den Salon seiner Chefin trotzdem nicht – wie eigentlich geplant – im Dezember 2022 übernehmen. Er besaß nur einen befristeten Aufenthaltstitel für ein Jahr, damit war es ihm untersagt, selbständig tätig zu sein. „Das war wirklich niederschmetternd. Ich habe alles dafür getan, mir diesen Traum zu erfüllen. Und dann machten mir die Behörden einen Strich durch die Rechnung.“ Es folgten Monate des Wartens. Und wieder gab es keine Nacht, in der Muataz durchschlafen konnte, die Sorgen waren zu groß. Zahlreiche Formulare mussten ausgefüllt und Nachweise besorgt werden. So zum Beispiel benötigte er die Kreditsicherung einer Bank. „Ich bin aber immer noch ein Flüchtling. Keine Bank genehmigt einem Flüchtling einen Kredit“, weiß der Iraker. Satteldorfs Bürgermeister Thomas Haas setzte sich für ihn ein, die örtliche Bank sagte ihm schließlich zu. Mithilfe einer Anwältin gelang es ihm, seinen Aufenthaltstitel umzuwandeln. Die neue Genehmigung ist zwar immer noch begrenzt, erlaubt ihm aber, den Salon zu führen.

Und so durfte er, neun Jahre nach seiner Flucht, schließlich im Oktober vergangenen Jahres den Salon von Christine Gallasch übernehmen. Muataz ist dankbar: Seiner ehemaligen Chefin für ihr Vertrauen und seinen Kunden und seinen drei Mitarbeiterinnen, dass sie immer an ihn glaubten und ihn bei allem unterstützen. Er selbst ist auch stolz auf sich, so viel geschafft zu haben: „Erfolg ist kein Glück. Dass ich heute hier stehe, ist das Ergebnis viel harter Arbeit. Ich habe jahrelang auf so viel verzichtet. Ich war nie krank, hatte keinen Urlaub. Meine freie Zeit habe ich für das Lernen und die Prüfungsvorbereitung genutzt.“ Für Muataz stand aber immer die Frage nach dem „Warum“ im Vordergrund: Warum will ich das überhaupt machen? „Um es mir selbst zu beweisen. Um glücklich zu sein. Und um zu zeigen: Ich bin dankbar und nutze die Chance, die mir andere gegeben haben“, antwortet er. Das Leben sei ein Geben und Nehmen. „Und wenn ich hier in Deutschland etwas bekomme, muss ich dafür einfach etwas leisten.“

Für die Zukunft wünscht er sich nur eines: Ruhe. Er möchte weiter erfolgreich den Salon führen und sich mit Kunden und Bekannten nicht mehr über die Schwierigkeiten der letzten Jahre unterhalten müssen. Und er wünscht sich Nächte, in denen er endlich durchschlafen kann.

Alle Infos zum Magazin „Next Step“

Zweimal jährlich – einmal im März und nochmal im Juli – veröffentlicht die SÜDWEST PRESSE Hohenlohe das Magazin „Next Step“, das sich an junge Menschen richtet, die auf der Suche nach ihrem beruflichen Werdegang sind. Darin enthalten sind zahlreiche Berufsporträts von Azubis und Studierenden aus der Region, Geschichten von echten Machern, die bereits die Karriereleiter nach oben gestiegen sind, und viel Wissen zu Ausbildung, Studium, Bewerbung und Co. Jede Ausgabe ziert zudem eine andere prominente Persönlichkeit das Cover und steht im großen Next Step-Interview Rede und Antwort.

Neben Muataz Asmi werden in der aktuellen Ausgabe auch zwei weitere Macher vorgestellt: Felix Wilhelm, Vize-Weltmeister im Bauschreinerhandwerk aus Mulfingen und Lea Metzger, Prozessmanagerin bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Das Magazin gibt es als gedruckte Variante oder kann kostenlos in der Online-Ausgabe gelesen werden.