Jetzt sind die Enkel dran
: Reinhold Würth: „Ich quatsche aus dem Hintergrund vielleicht noch ein bisschen rein“

Nach mehr als 75 Arbeitsjahren tritt der „Schraubenkönig“ ab. „Ich werde es lässiger nehmen“, sagt Reinhold Würth. Den Ton gibt von nun an eine neue Generation an.
Von
Laura Mensch
Künzelsau
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Der neue Vorsitzende des Würth-Stiftungsaufsichtsrates, Benjamin Würth (links) sagt, er wisse, dass Würth weiter wachsen werde.

Der neue Vorsitzende des Würth-Stiftungsaufsichtsrates, Benjamin Würth (links) sagt, er wisse, dass Würth weiter wachsen werde.

Bernd Weißbrod/dpa
  • Reinhold Würth tritt nach 75 Arbeitsjahren zurück; Enkel Benjamin übernimmt.
  • Benjamin Würth will das Unternehmen weiterentwickeln, ohne große Änderungen.
  • Reinhold Würth zieht sich zurück, plant private Aktivitäten wie eine Karibikreise.
  • Das Unternehmen erwartet 2024 aufgrund der Konjunkturkrise Umsatzrückgang.
  • Würth bleibt bedeutend für die Region, mit über 20.000 Kunstwerken in Museen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit Anbruch des neuen Jahrs ist nach 75 Arbeitsjahren soweit: Der als „Schraubenkönig“ bekannte Unternehmer Reinhold Würth tritt ab. Die jüngere Generation übernimmt den Betrieb, den Reinhold Würth vom kleinen Familienbetrieb zum Milliardenkonzern gebracht hat. Sein Nachfolger im sogenannten Stiftungsaufsichtsrat wird Enkel Benjamin Würth. „Ich will nicht per se etwas ändern, aber fortführen und ausbauen“, sagte der 43-Jährige der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wolle dem Konzern Sicherheit und Verlässlichkeit mitgeben und offen für Neues sein. Auch die von seinem Großvater etablierte Unternehmenskultur wolle er weiterführen.

„Ich möchte das Unternehmen agil halten. Dass man im Markt reagieren und agieren kann“, sagte Würth. Die Wirtschaft ändere sich ständig. „Morgens beim Aufstehen sieht es anders aus als am Vorabend. Und darauf muss so ein großes Unternehmen reagieren können.“ Einen 100-Tage-Plan für die erste Zeit gebe er sich aber nicht. Das sei das Schöne an Familienunternehmen: „Ich darf in Abschnitten von vielleicht fünf oder zehn Jahren denken. Was will ich dann erreicht haben? Und darauf muss ich hinarbeiten.“

Würth senior: „Ich werde es lässiger nehmen“

Nach dem Generationenwechsel will Reinhold Würth es ruhiger angehen lassen. „Ich werde es lässiger nehmen als seither“, sagte der Unternehmer der dpa in Künzelsau. Er werde sehr viel privat machen. „Zuerst gehe ich Ende Januar auf mein Boot für einen Monat“. Das Ziel sei die Karibik. „Wahrscheinlich werden wir British Virgin Islands dieses Jahr machen.“

Würth zieht sich mit dem Jahreswechsel weitgehend von seinem Lebenswerk zurück. Wie schon Anfang Oktober beim Festakt zu seinem 75. Arbeitsjubiläum angekündigt, übergibt er den Vorsitz des Stiftungsaufsichtsrats dann an seinen Enkel Benjamin Würth. Groß einmischen wolle sich der Unternehmenspatriarch künftig nicht: „Ich quatsche aus dem Hintergrund vielleicht schon noch ein bisschen rein. Aber ich werde mich zurückhalten.“

Reinhold Würth war bereits vor Jahren aus dem Tagesgeschäft des Konzerns ausgestiegen, der sein Geld mit Befestigungs- und Montagetechnik verdient. Seitdem saß er unter anderem dem Stiftungsaufsichtsrat vor, also dem Organ, das über die Familienstiftungen wacht. Diesen gehört die Gruppe. Benjamin Würth ist seit Anfang 2023 stellvertretender Vorsitzender des Gremiums.

Vom kleinen Betrieb zum Milliarden-Unternehmen

Würth begann 1949 eine Lehre in der Schraubengroßhandlung seines Vaters. Nach dessen Tod fünf Jahre später übernahm der damals 19-Jährige den kleinen Betrieb. Unter seiner Führung expandierte das Unternehmen in den folgenden Jahrzehnten im großen Stil. Heute umfasst das Sortiment demnach mehr als eine Million Produkte  – unter anderem für Handwerks- und Industriebetriebe. Dazu gehören neben Schrauben und Dübeln zum Beispiel auch Werkzeuge und Arbeitsschutz-Artikel. Einen Teil stellt die Firma selbst her.

Bei einem Festakt zu seinem 75. Arbeitsjubiläum im Herbst würdigte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) den 89-Jährigen unter anderem als „innovativen Traditionalisten und traditionsbewussten Erneuerer“. Der Kanzler hob auch Würths politische Wortmeldungen hervor. Der Unternehmer hatte im Frühjahr 2024 zum Beispiel mit einem Schreiben Schlagzeilen gemacht, in dem er seinen Beschäftigten in Deutschland davon abgeraten hatte, für die AfD zu stimmen.

Der einstige Zwei-Mann-Betrieb hat Würth zum Milliardär gemacht – er zählt heute zu den reichsten Deutschen. Für den Handelskonzern arbeiteten zuletzt weltweit mehr als 88.500 Menschen – davon gut 27.400 in Deutschland. 2023 erzielte die Würth-Gruppe einen Umsatz von mehr als 20 Milliarden Euro.

Die frühere Schraubengroßhandlung mit zwei Mitarbeitern ist heute ein Milliarden-Konzern. (Archivbild)

Uwe Anspach/dpa

Gewinneinbruch erwartet

Würth übergibt den Konzern aber in wirtschaftlich unruhigen Zeiten. Für das Geschäftsjahr 2024 rechnete der Unternehmer aufgrund der Konjunkturkrise mit einem Umsatzminus von zwei Prozent. Erwartet wurde darüber hinaus ein Einbruch des Vorsteuergewinns um 25 bis 30 Prozent.

Die Lage ist Benjamin Würth zufolge schwierig, aber nicht hoffnungslos. Eine Prognose für 2025 sei dennoch schwierig. „Da müssen wir ein bisschen an der Glaskugel reiben, wie es denn aussehen wird.“ Aber die Auftragseingänge seien am Steigen und es sehe so aus, als ob man die Basis des Ganzen erreicht habe. Für die kommenden zehn Jahre gab sich Würth junior zuversichtlich: „Ich weiß, dass wir weiter wachsen werden“, sagte er. Der Markt sei groß. „Ich meine, wir sind Weltmarktführer, haben aber vielleicht weltweit fünf Prozent Marktanteil. Das heißt, es gibt für uns ein unendliches Potenzial zu wachsen.“

Würth ist bedeutsam für die Region

Am Stammsitz in Künzelsau (Hohenlohekreis) ist der Konzern mehr als ein Arbeitgeber. Die ganze Region gilt als Würth-Land: Den Namen tragen dort unter anderem ein naher Flughafen, eine Hochschule, ein Sinfonieorchester sowie ein Kultur- und Kongresszentrum. Würth senior ist zudem Kunstmäzen - und baute in den vergangenen Jahren seine Sammlung immer weiter aus. Zuletzt umfasste sie mehr als 20.000 Werke, die in mehreren Museen in seiner Heimat und an Firmenstandorten im Ausland ausgestellt werden.