Fachkräftetage in der Arena Hohenlohe
: Tausende planen ihren Karrieresprung auf der Messe

Mit rund 100 Firmen und 700 freien Jobs locken die Fachkräftetage der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe zum zehntem Mal viele Menschen an. Der Fachkräftemangel ist weiterhin ein Problem
Von
Tobias Würth
Ilshofen
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10. Fachkräftetage der Südwest Presse Hohenlohe in der Hohenloher Arena in Ilshofen. Berufsmesse. Messe für Jobs Job Berufe Berufswahlmesse Karrieremesse Christian von Stetten eröffnet sie  Foto: Ufuk Arslan

10. Fachkräftetage der Südwest Presse Hohenlohe in der Hohenloher Arena in Ilshofen.

Ufuk Arslan
  • 10. Fachkräftetage der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe in Ilshofen mit rund 100 Firmen und 700 freien Jobs.
  • Tausende Besucher suchen Karrieremöglichkeiten, viele nutzen die Messe für direkte Bewerbungen.
  • Politiker betonen die Wichtigkeit von Infrastruktur und flexiblen Arbeitszeiten für die Region.
  • Firmen berichten über Fachkräftemangel und ihre Strategien zur Mitarbeitergewinnung.
  • Nächste Messe wieder in der Arena Hohenlohe geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Aus ihrem Ausstellerverzeichnis der Fachkräftetage ragen bunte Post-Its heraus. Mit diesen Klebemarken hat sich Nele Bovensmann auf den Besuch der großen Mitarbeitermesse in der Arena Hohenlohe vorbereitet, um alle Firmen zu finden. Aus ihrem Ausstellerverzeichnis der Fachkräftetage ragen bunte Post-Its heraus. Mit diesen Klebemarken hat sich Katja Herrmann auf den Besuch der großen Mitarbeitermesse in der Arena Hohenlohe vorbereitet, um alle Firmen zu finden.

Die vielleicht am besten vorbereitete Messebesucherin zählt mit 16 Jahren auch zu den Jüngsten. „Ich suche eine Firma für ein duales Studium im Bereich Betriebswirtschaftslehre und Management“, sagt sie. Ihr Freund Timo Mayer begleitet sie. Wenn die Firmenvertreter wüssten, was er gerade studiert, würden sie ihn wohl sofort ansprechen. Mit Wirtschaftsinformatik gehört der 20-Jährige wohl zu einem der gefragtesten Messebesucher. Nele Bovensmann geht systematisch vor: „Ich schaue mir die Firmen an und treffe dann zu Hause eine Entscheidung mit den Flyern, die ich mir mitnehme. Ich bräuchte eine Hochschule hier in der Nähe, damit ich nach Hause pendeln kann.“

Voraussetzungen schaffen

Genau solche Aussagen sind Wasser auf die Mühlen der Politiker. Am Ende seiner kurzen Rede zur Eröffnung der Messe bedankt sich CDU-Bundestagsabgeordneter Christian von Stetten für die gute Infrastruktur. Mit dem Campus Schwäbisch Hall der Hochschule Heilbronn gebe es ein Studienangebot. So könnten kluge Köpfe an die ansonsten landwirtschaftlich geprägte Region gebunden werden.

„Gemeinsam starten wir die zehnte Auflage der Fachkräftetage“, hatte zuvor Thomas Radek, Geschäftsführer der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe gesagt. Zu dieser GmbH gehören die Zeitungen Haller Tagblatt, Hohenloher Tagblatt und die Rundschau in Gaildorf. Rund 100 Firmen und Institutionen bieten 700 offene Stellen in den drei Hallen der Arena Hohenlohe an. Die Karrieremesse ist so beliebt, dass sie nun zum zweiten Mal statt im Crailsheimer Hangar in der viel größeren Arena ausgetragen wird. Beim letzten Mal hatten sich gleich auf der Messe 90 Prozent drei Aussteller für die diesjährige Auflage angemeldet. Die Stellenausschreibungen und Firmenpräsentationen kann man auch im Internet auf (www.fachkräftetage.de) erreichen. Das Karriereportal bluum bereichert die von der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe organisierte Messe als Partner.

Firmen müssen suchen

„Wir werden weiterhin erfolgreich sein. Dafür benötigen wir talentierte und qualifizierte Mitarbeiter“, gibt Landrat Gerhard Bauer als Schirmherr die Marschrichtung vor. Er erinnert an seine Jugend. „Wir waren froh, einen Studienplatz oder einen Job zu finden.“ Heute habe sich der Wind gedreht und die Firmen müssten nach Bewerbern Ausschau halten.

Moderator Harald Grüßer stellt dem Key-Note-Sprecher noch vor dem kleinen Impulsvortrag Fragen zur aktuellen Lage in Berlin. Grüßer: „Herrscht nun Stillstand nach dem Ampel-Aus?“ Christian von Stetten antwortet spontan: „Ich dachte, sie fragen mich jetzt, ob ich den Bundeskanzler schon auf der Messe gesehen haben. Olaf Scholz benötigt spätestens im Frühjahr einen neuen Job.“ Er prognostiziert aber ein noch schnelleres Ende der politischen Kontrahenten: „Ich denke, in den nächsten zehn Tagen wird die Vertrauensfrage gestellt.“

Rahmenbedingungen verbessern

In seiner Rede betont der CDU-Abgeordnete die Wichtigkeit von Bürokratieabbau und flexibleren Arbeitszeiten. „Wenn abends um 24 Uhr bei einer Hochzeitsfeier der Bierhahn zugedreht wird, weil der Mitarbeiter die Höchstarbeitszeit von zehn Stunden am Tag überschritten hat, geht das nicht.“ Besser wäre es, die Höchstarbeitszeit pro Woche und nicht pro Tag festzulegen.

Der Bundespolitiker mit Hohenloher Wurzeln schaltet in den Wahlkampfmodus: Das Bürgergeld müsse vom Tisch, da es Menschen vom Arbeiten abhalte. Früher ging die Union schon mal mit dem Slogan „Kinder statt Inder“ in den Wahlkampf. Doch heute hört sich das so an: „150.000 bis 200.000 Fachkräfte verliert Deutschland jedes Jahr, allein weil Arbeitnehmer in Rente gehen.“ Diese Lücke sei schlichtweg nicht allein aus dem Inland heraus zu schließen. Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand sagt: „Wir müssen Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland holen.“

Tausende Besucher an zwei Tagen

Im Laufe der beiden Messetage versuchen wieder mehrere Tausend junge Menschen, Karrierechancen zu finden. Da der Eintritt kostenlos ist, werden die Besucherzahlen nicht exakt erfasst. An die kleine Eröffnung schließt sich ein Rundgang über die Messe an. An den besuchten Ständen schildern die Firmenvertreter ihre Strategien, Mitarbeiter zu gewinnen. Alle zeigen sich glücklich, dass die Fachkräftetage ihnen dazu die Möglichkeit bietet.

Thorsten Bullinger, Geschäftsführer von Bausch und Ströbel, berichtet zum Beispiel: „Die Situation hat sich etwas beruhigt. Aber den Fachkräftemangel gibt es.“ Der sei nicht nur ein Schlagwort. Mit mehr Mitarbeitern könnte durchaus auch mehr Umsatz generiert werden. Doch rund 40 Stellen seien bei dem Maschinenbauer aus Ilshofen seit ein paar Jahren immer unbesetzt.

„Ich habe mich umgehört. Alle sind sehr zufrieden mit der Organisation und dem Ablauf der Fachkräftetage“, sagt Peer-Silvan Ley, Leiter für Lesermarkt, Marketing und Logistik der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe. Der Messeorganisator hat erfahren: „Es werden Kontakte geknüpft. Doch von dem ein oder anderen hört man sogar, dass ein Vertrag geschlossen wurde, was auf einer Messe ja eher unüblich ist.“

Immer am Ball bleiben

Michael Drölle, Geschäftsführer der Stanz- und Umformungstechnik Drölle in Sulzdorf erläutert: „Wir machen schon sehr viel, gehen in die Schulen. Bereits Kinder im Alter von acht bis neun Jahren lernen uns bei Techniktagen kennen. Wir gehen auf Messen, sind online unterwegs: Man muss heutzutage sehr viel tun, um Mitarbeiter zu gewinnen.“ Wenn einmal ein Fertigungsleiter aus einer anderen Ecke Deutschlands nach Sulzdorf ziehe, würde der bei der Wohnungssuche und allem anderen komplett unterstützt. Die Firma, die auch die Automobilindustrie beliefert, müsse in der derzeitigen Rezession Rückgänge in den Aufträgen hinnehmen. Die würden aber durch Zuwächse in anderen Bereichen kompensiert. „Man merkt, dass die Wirtschaft schwächelt. Aber das pendelt sich in den nächsten zwei Jahren wieder ein.“ Daher sei jeder Unternehmer gut beraten, die Mitarbeitermannschaft jetzt schon gut für die Zukunft aufzustellen.