Arbeitgeberattraktivität
: Unternehmenskultur als Schlüssel

Die Unternehmenskultur entscheidet im Kampf um die klugen Köpfe über Sieg oder Niederlage – davon zeigt sich Nadin Kundic, seit März Geschäftsführerin beim Haller Personalvermittler Bera, überzeugt. Im Interview erklärt sie, dass der Fachkräftemangel trotz aktueller wirtschaftlicher Flaute ein akutes Problem bleibt.
Von
Adina Bauer
Schwäbisch Hall
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Viele Besucher am Sonntag auf der 10. Fachkräftetage der Südwest Presse Hohenlohe in der Hohenloher Arena in Ilshofen. Berufsmesse. Messe für Jobs Job Berufe Berufswahlmesse Karrieremesse Christian von Stetten eröffnet sie , [leer]

Die Karrieremesse Fachkräftetage der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe bietet Unternehmen im November eine gute Möglichkeit, sich qualifizierten Fachkräften als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.

Ufuk Arslan
  • Unternehmenskultur ist entscheidend, um im Fachkräftemangel attraktiv zu bleiben.
  • MINT-Berufe, Handwerk und Gesundheitsbranche besonders stark nachgefragt.
  • Demografischer Wandel und Qualifikationslücken verschärfen den Fachkräftemangel.
  • Ausbildung und Weiterbildung müssen stärker gefördert werden.
  • Arbeitgebermarken stärken: Werte leben, Benefits bieten, Social Media nutzen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Frau Kundic, wie nehmen Sie den Fachkräftemangel in der aktuellen wirtschaftlichen Lage wahr?

Nadin Kundic Das ist wirklich spannend: Die Wirtschaftslage in einigen Branchen schwächelt, aber wir haben dennoch einen Fachkräftemangel. In einigen Branchen werden sogar in einfachen Positionen Hilfskräfte gesucht. Aktuell haben wir zum Beispiel einen Auftrag bekommen von einem Möbelwerk für Lagermitarbeiter. Das zeigt, es gibt also Brachen, in denen die Auftragslage anzieht. Andererseits gibt es Branchen wie den Automobilsektor, hier läuft es aktuell gar nicht gut, auch die zahlreichen Zulieferer aus der Region haben zu ächzen.

Welche Branchen sind hingegen besonders von der starken Nachfrage nach Fachkräften betroffen?

Wir merken eine starke Nachfrage im Bereich der MINT-Berufe, also gerade bei den Naturwissenschaften, Elektrotechnik und ein Stück weit auch im Maschinenbau. Hier schwächeln zwar auch einige Firmen, aber es gibt noch gute Auftragslagen. Zudem gibt es eine hohe Nachfrage im Dienstleistungssektor und dann auch natürlich ganz klassisch im Handwerk und in der Gesundheitsbranche – also in den Berufen, in denen schon lange eine Knappheit herrscht. Diese verschärft sich jetzt noch.

Welche Faktoren tragen dazu bei, dass der Fachkräftemangel auch in der aktuell wirtschaftlich schwachen Zeit besteht?

Da ist zum einen der demografische Wandel. Der schlägt stark zu, weil die Babyboomer jetzt die Rentengeneration sind. Was ich zudem als Problem sehe, ist eine Qualifikationslücke. Der Anteil an Jugendlichen steigt, die keine Ausbildung haben, für eine Ausbildung schlecht qualifiziert sind oder einfach nach der Schule arbeiten und nicht mehr in den Ausbildungsbereich gehen.

Nadin Kundic, Geschäftsführerin des Personaldienstleisters Bera, hat als HR-Expertin und "LinkedIn Top Voice" viel Erfahrung in der Personalberatung und weiß vor allem, welche Themen den heimischen Mittelstand aktuell bewegen.

Nadin Kundic, Geschäftsführerin des Personaldienstleisters Bera, hat als HR-Expertin und "LinkedIn Top Voice" viel Erfahrung in der Personalberatung und weiß vor allem, welche Themen den heimischen Mittelstand aktuell bewegen.

Bera

Und welche Lösungen sehen Sie hierfür?

Ich denke, in Zukunft müssen wir einen starken Fokus auf Aus- und Weiterbildung legen. Viele Betriebe wollen nicht mehr ausbilden, weil sie vom Können der Jugendlichen, die auf den Markt strömen, nicht überzeugt sind. Aber da werden wir nicht drumherum kommen. Ich denke, Ausbildung wird in Zukunft so aussehen, dass man in Zukunft mehr qualifizieren muss. Man nimmt Kandidaten mit weniger Bildung, weniger Kenntnissen und denen muss man halt mehr beibringen. Diesen Schritt werden wir gehen müssen, sonst haben wir noch eine größere Fachkräftelücke. Zudem müssen sich Unternehmen attraktiv aufstellen, damit sie ihre Stellen besetzen können.

Wie steigern Unternehmer ihre Arbeitgeberattraktivität?

Grundsätzlich muss man sich als Arbeitgeber überlegen, was habe ich für eine Zielgruppe und wie spreche ich die an? Ein junger Mensch, der keine Familie hat, hat andere Bedürfnisse als jemand, der drei Kinder hat oder jemand, der über 50 Jahre alt ist. Zudem helfen auch echte Benefits. In unserer täglichen Arbeit stellen wir zum Beispiel fest, dass mobiles Arbeiten sehr gefragt ist und das wichtigste Thema ist die passende Unternehmenskultur, um neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Wie meinen Sie das?

Die Unternehmenskultur muss so gestaltet werden, dass sich alle wohlfühlen, dass man sich als Mitarbeiter wertgeschätzt fühlt und dort arbeiten möchte. Und da ist es nicht damit getan, einen Obstkorb hinzustellen. Vielmehr müssen die Unternehmen ihre Werte nach außen transportieren und auch leben. Jungen Menschen ist es zum Beispiel wichtig, den Sinn ihrer Arbeit zu sehen und offen zu kommunizieren. Die wollen wissen, was im Unternehmen los ist und an Entscheidungen beteiligt werden. Hinzu kommen Themen wie die Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf – sei es die Hilfe bei den Betreuungskosten oder die Akzeptanz der Elternzeit bei Männern. Grundsätzlich gilt zudem: Menschen arbeiten für Geld. Wenn die Bezahlung nicht passt, will niemand arbeiten.

Wobei man ja häufig hört, dass gerade der jüngeren Generation tatsächlich weniger der Verdienst als die Sinnhaftigkeit der Arbeit bei der Auswahl des Berufs und des Arbeitgebers wichtig sein soll?

Das stimmt schon. Eine Arbeit mit Sinn wünschen sich viele. Aber sie muss dennoch ordentlich bezahlt werden. Und beim Thema Sinnhaftigkeit gilt: Nachhaltigkeit ist den jungen Generationen zum Beispiel sehr wichtig. Ebenso wie die Förderung von Frauen in Führungsrollen.

Das heißt zusammenfassend: Ein Unternehmen muss sich eine starke Arbeitgebermarke aufbauen?

Genau, das ist das Wichtigste: Diese Fokusthemen müssen tief in der Unternehmensstrategie verankert sein, und dann müssen die Firmen ihre Werte nach außen tragen. Man muss sichtbar sein, das ist viel Arbeit und kostet Geld, aber das muss man in die Hand nehmen. Es gibt ganz viele Perlen hier – Unternehmen, die das alles machen und die dennoch keiner kennt. Diese müssen vor allem in den Sozialen Medien aktiver werden und zum Beispiel ihre Mitarbeiter als „Corporate Influencer“ nutzen. Denn authentische Inhalte, die zeigen, wie es wirklich in den Unternehmen zugeht, haben die beste Wirkung.

Fachkräftetage im November

Eine gute Möglichkeit für Unternehmen, sich qualifizierten Fachkräften als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, bieten die FACHKRÄFTETAGE der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe im November. In der Arena Hohenlohe können sich dann Arbeitgeber aus der Region mit Fachkräften, Akademikern und gut ausgebildeten Berufseinsteigern aus ganz Nordost-Württemberg und dem angrenzenden bayerischen Raum über Chancen und Karrieremöglichkeiten austauschen. Bei der erfolgreichen Berufs- und Karrieremesse sind noch wenige Ausstellerplätze frei. Interessierte erhalten unter Telefon 07 91 / 40 42 60 oder per Mail an messen.sho@swp.de weitere Informationen.