Verkehrsunfallbilanz der Polizei
: Sieben Menschen starben 2024 bei Unfällen im Kreis Tübingen

Die Zahl der Verkehrsunfälle nahm 2024 im Kreis Tübingen leicht ab, es gab weniger Verletzte als im Vorjahr. Drei Radfahrer, drei Insassen eines Autos und ein Motorradfahrer kamen ums Leben.
Von
Jonas Bleeser
Kreis Tübingen
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Auf der L230 kam es in der Nacht zum Samstag zu einem tödlichen Unfall.

Auf der L230 bei Gomaringen kam es im vergangenen November zu einem tödlichen Unfall: Ein betrunkener Autofahrer fuhr nachts einen 14-jährigen Radfahrer an. Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung laufen derzeit noch.

Jonas Bleeser/Archiv
  • 2023 starben sieben Menschen bei Verkehrsunfällen im Kreis Tübingen.
  • Die Zahl der Unfälle sank 2024 leicht auf 5532, es gab 694 Verletzte.
  • Hauptursachen: Fehler beim Abbiegen und zu hohe Geschwindigkeit.
  • Verstöße: 62.170 Geschwindigkeitsüberschreitungen, 9860 Gurtmuffel.
  • Alkohol- und Drogenunfälle stiegen, 2024 gab es mehr Unfälle durch Alkohol.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Reutlinger Polizeipräsidium hat am Montag seine Verkehrsunfall-Statistik für das vergangene Jahr veröffentlicht. Insgesamt zählte sie im Landkreis Tübingen 5532 Unfälle, 145 weniger als 2023. Die allermeisten verbuchen die Statistiker der Polizei dabei unter der Rubrik Kleinstunfälle, bei denen nur eine geringfügige Ordnungswidrigkeit begangen wurde und es nur Sachschaden gab: Das waren 3504. Insgesamt wurden 694 Menschen verletzt, 91 davon schwer. Damit sank die Zahl der Schwerverletzten gegenüber dem Vorjahr um 7,1 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre. Bei den Leichtverletzten gab es zuletzt nur während der Corona-Beschränkungen eine vergleichbar niedrige Zahl: 2020 waren es 596 gewesen.

Allerdings kamen bei sieben Verkehrsunfällen Menschen ums Leben, und damit bei zwei mehr als im Vorjahr. Es starben ein Radfahrer und zwei Pedelecfahrer, ein Motorradfahrer, zwei Autofahrer und eine Beifahrerin:

  • Am 18. Januar überquerte ein 44-jähriger Mountainbikefahrer trotz roter Warnleuchten von Weilheim kommend einen Bahnübergang an der Europastraße. Ein Zug erfasste ihn tödlich.
  • Am 22. Mai geriet ein 27-jähriger Autofahrer aus unbekannter Ursache nachmittags auf der nahezu geraden Strecke zwischen Tübingen und Bebenhausen auf die Gegenfahrbahn. Er stieß mit einem Transporter zusammen und starb noch an der Unfallstelle.
  • Am 29. Mai verunglückte ein 37-Jähriger in Unterjesingen, als er mit einem Motorrad, für das er keinen Führerschein besaß, auf ein Privatgrundstück einbog. Er verlor die Kontrolle über die Maschine und stürzte. Dabei wurde er so schwer verletzt, dass er am Tag darauf in der Klinik starb.
  • Am 3. Juni verursachte ein 19-jähriger Fahranfänger einen Unfall zwischen Rottenburg und Wurmlingen. Dabei kam die 50-jährige Beifahrerin eines anderen Wagens ums Leben.
  • Am 25. Juni erfasste eine 43-Jährige in Pfrondorf mit ihrem Auto einen 81-jährigen Pedelecfahrer, der die Alte Stuttgarter Straße überquerte. Er starb einige Wochen später an seinen schweren Verletzungen.
  • Am 4. September kam es auf der B28 kurz nach der Autobahnauffahrt zu einem tödlichen Zusammenstoß: Ein 60-Jähriger war mit seinem Skoda auf die Gegenfahrbahn geraten und frontal mit dem Toyota eines 38-Jährigen zusammengestoßen. Beide wurden in ihren Autos eingeklemmt, der jüngere Mann starb.
  • In der Nacht zum 19. November kam auf der Landesstraße 230 zwischen Gomaringen und Tübingen ein 14-jähriger Junge ums Leben: Er war kurz nach 3 Uhr mit dem Rad unterwegs, als ein 30-jähriger Autofahrer ihn anfuhr. Der Fahrer war stark betrunken. Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung dauern noch an.

Bei den Unfallursachen jenseits der Kleinstunfälle gibt es seit Jahren kaum Änderungen: Meistens kracht es, weil Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren gemacht werden, gefolgt von Vorfahrtsverstößen. Bei einem Viertel der Unfälle mit schweren Folgen spielt die Geschwindigkeit eine große Rolle: Sie ist laut Polizei bei einem Viertel der Zusammenstöße mit Schwerverletzten oder Toten die Hauptursache. Häufig wird schneller gefahren als erlaubt – oder als es die Sicht- und Straßenverhältnisse zulassen.

Dass vielen dafür ein Problembewusstsein fehlt, zeigten auch die Kontrollen im gesamten Präsidiumsbereich (die Landkreise Tübingen, Reutlingen, Esslingen und der Zollernalbkreis): Bei Geschwindigkeitskontrollen registrierte die Polizei 2024 rund 62.170 Verstöße. Für über 1500 Verkehrsteilnehmer hatten die Verstöße ein- oder mehrmonatige Fahrverbote zur Folge. Außerdem erwischten die Beamten 9860 Leute, die sich nicht angeschnallt hatten. In über 1000 Fällen waren Kinder nicht oder nicht richtig gesichert. Zusätzlich wurden rund 11.000 Handyverstöße zur Anzeige gebracht.

Unfälle auf dem Schulweg gingen im Kreis Tübingen von 9 auf 4 zurück, dabei wurde ein Mensch schwer verletzt. Auch Zusammenstöße, an denen junge Erwachsenen beteiligt waren, gingen deutlich zurück: Es waren mit 338 Unfällen 74 weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der dabei Schwerverletzten halbierte sich auf zehn. Zwar waren insgesamt auch weniger Senioren an Unfällen beteiligt als 2023 (statt 478 gab es 469). Allerdings stieg die Zahl der dabei schwerverletzten älteren Menschen von 18 auf 22.

E-Scooter haben sich in den Städten mittlerweile als Verkehrsmittel im Straßenbild fest etabliert. Seit einigen Jahren erfasst sie die Polizei deshalb gesondert in der Statistik, wenn sie an einem Unfall beteiligt sind. In den vergangenen Jahren nahm ihre Zahl zunächst zu: Von 4 Unfällen 2020 kletterte sie bis auf 27 im Jahr 2023. 2024 waren es sieben weniger. Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs blieb mit 111 konstant. Damit machen sie knapp ein Drittel aller Fahrradunfälle aus.

Alkohol und Drogen am Steuer nehmen zu

Fast 1800 Fahrer und Fahrerinnen bekamen im Präsidiumsgebiet 2023 eine Anzeige, weil sie alkoholisiert unterwegs gewesen waren, rund 890, weil sie Drogen genommen hatten. 715 und damit 80 Prozent von ihnen standen unter dem Einfluss von Cannabis.

In den vier Landkreisen des Präsidiums gab es 2024 gegenüber dem Vorjahr 4,8 Prozent mehr Unfälle (462), bei denen Alkohol die Ursache war. Bei fast 43 Prozent wurden Menschen verletzt, ein Mensch starb. Während die Zahl der Schwerverletzten von 56 auf 48 zurückging, stieg die Zahl der Leichtverletzten von 135 auf 184. Die Unfälle, bei denen die Fahrerinnen oder Fahrer Drogen intus hatten, stieg präsidiumsweit um 52,2 Prozent auf 102: Drei Personen starben. Neun Menschen wurden schwer, 43 und damit 15 mehr als 2023 leicht verletzt. Im Kreis Tübingen waren 17 Mal Unfallverursacher unter Betäubungsmitteleinfluss unterwegs, 54,5 Prozent mehr als im Vorjahr.