Köchin wird Konditorin
: 23-jährige Metzingerin landet mit Kreation auf Platz 2 der Intergastra

Die Auszubildende Marie Koller aus Metzingen hat bei der Intergastra den 2. Platz belegt. Was fasziniert die junge Frau, die beim Café Sommer in Reutlingen ihre Lehre macht, am Backen und was plant die künftige Konditorin für ihre Zukunft?
Von
Maik Wilke
Metzingen/Reutlingen
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Marie Koller aus Metzingen Konditorin in Ausbildung Auszubildende Café Sommer Reutlingen

Die angehende Konditorin Marie Koller aus Metzingen und ihr Schaustück, das Gäste im Café Sommer in der Reutlinger Wilhelmstraße bestaunen können.

Dimitri Drofitsch
  • Marie Koller (23) aus Metzingen holt Platz 2 bei der Intergastra in Stuttgart.
  • Schaustück aus Schokolade mit Zuckerblüte; Blätter/Steine aus Marzipan.
  • Vorbereitung über mehr als einen Monat, Präsentation am 8. Februar.
  • Koller lernt im Café Sommer Reutlingen; zuvor Köchin in Österreich.
  • Wettbewerb „Welt der Schokolade“ 2026; Doppelsieg fürs Café Sommer (Platz 1: Annika Masan).

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Zuckerblüte war das empfindlichste Element. Marie Koller legte die filigrane Kreation vor der Abfahrt nach Stuttgart in einen Ring aus Styropor, platzierte Zahnstocher außenherum, um die Blüte mit einer Folie abzudecken. Es durfte keine Feuchtigkeit eindringen. „Da war ich schon ziemlich nervös und habe gehofft, dass die Zuckerblüte die Fahrt heil übersteht.“ Das hat sie, die Blüte kam unbeschadet auf der Intergastra in Stuttgart an – und war ein wichtiges Element dafür, dass Koller mit ihrem Schaustück den zweiten Platz unter den Auszubildenden belegte.

Es ist ein schöner Erfolg für die 23-jährige Metzingerin, die beim Café Sommer in Reutlingen ihre Ausbildung zur Konditorin absolviert. Die Intergastra ist immerhin eine der führenden europäischen Fachmessen für Gastronomie. Nicht jede und jeder Auszubildende erhält überhaupt die Chance, an Wettbewerben der Messe teilzunehmen. „Aber Marie ist ungemein motiviert, und daher haben wir sie gerne mit Material und Zeit unterstützt“, sagt Paul Sommer, der Koller während der Ausbildung betreut.

Schokolade als Hauptmaterial vorgegeben

Mehr als einen Monat hat die 23-Jährige von der ersten Zeichnung bis zur Präsentation am 8. Februar an ihrem Schaustück gearbeitet. Es zeigt: einen Baumstamm mit einem weiteren Stamm, der ellipsenförmig aufliegt. Geschwungene und sich verjüngende Äste mit Blättern sowie zwei halbierte Kaffeebohnen komplettieren die Komposition. Weil Schokolade als Hauptmaterial vorgegeben war, besteht der Großteil des Schaustücks daraus. Lediglich die Blätter und Steine am Sockel sind aus Marzipan, die Zuckerblüte – logischerweise – aus Zucker. Ein freiwilliges Element von Koller, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen.

Bereits eine Ausbildung als Köchin absolviert

Die Metzingerin ist im zweiten Lehrjahr und hat zuvor bereits in Österreich eine Ausbildung zur Köchin absolviert. „Es macht mir einfach Spaß, in Bereichen zu arbeiten, in denen man anpacken und zugleich kreativ sein kann“, sagt Koller im Gespräch. Ihre Eltern stammen beide aus einer Bäckerfamilie, ihr Bruder ist ebenfalls Bäcker. Da lag früh auf der Hand, dass auch Marie Koller einen handwerklichen Beruf erlernen würde. „Dass ich Köchin werden möchte, habe ich schon im Alter von sechs Jahren in die Freundesbücher geschrieben“, erzählt Koller.

Unterschiedliche Geschmacksrichtungen auszuprobieren und zu kombinieren, darin liegt eine ihrer Stärken. „Während meiner drei Jahre als Köchin in Österreich war ich oft für die Patisserie zuständig und durfte eigene Desserts kreieren.“ Eine mehr als gute Grundlage dafür, auch als Konditorin durchzustarten. Auf Feinheiten zu achten und filigran zu arbeiten, liegt der Metzingerin.

Zweite Ausbildung zur Konditorin in Reutlingen

Dass sie für ihre zweite Ausbildung wieder im Kreis Reutlingen gelandet ist, ist kein Zufall. „Man kennt hier das Café Sommer natürlich und weiß, dass alles mit hoher Qualität selbst zubereitet wird“, sagt Koller. Ob es dort demnächst eine Praline mit Blumenkohl-Füllung geben wird? Eher nicht. Diese Kreation hat Paul Sommer auf der Intergastra entdeckt, sagt aber mit einem Lächeln: „Es muss nicht unbedingt sein. Man darf und soll natürlich kreativ arbeiten, aber eine gut abgeschmeckte klassische Füllung sollte man nie unterschätzen.“

Da stimmt Koller zu, sagt aber auch, dass Hobbybäckerinnen und Hobbybäcker sich gerne „einfach mal frei raus an verschiedenen Geschmacksrichtungen versuchen sollten“. Und wie geht es für Koller selbst nach der Ausbildung zur Konditorin weiter? „Das ist noch nicht ganz entschieden“, sagt die Metzinger und lächelt. „Aber ich kann mir vorstellen, wieder ins Ausland zu gehen. In die Schweiz oder nach Österreich. Da gibt es viele Hotels, die auch kulinarisch hoch angesehen sind.“

Ihr Schaustück ist noch eine Weile in der Chocolaterie des Café Sommer zu sehen. „Bis Ostern auf jeden Fall“, sagt Paul Sommer. „Schließlich ist es eine Attraktion, die das Café bereichert.“

Die „Welt der Schokolade“

Der Wettbewerb der Konditorinnen und Konditoren auf der Intergastra wurde vom Landesinnungsverband des Konditorenhandwerks Baden-Württemberg organisiert und stand 2026 unter dem Motto „Welt der Schokolade“. Die Auszubildenden durften die einzelnen Elemente in ihrer heimischen Backstube vorbereiten, mussten diese dann aber vor Ort auf der Messe in Stuttgart zusammensetzen.