Weinlese in Reutlingen
: 2025 könnte ein Top-Jahrgang werden

Die Reben im städtischen Weinberg Sommerhalde tragen viele gesunde Früchte. Die Pläne, künftig Chardonnay und Burgunder anzupflanzen, müssen dagegen noch reifen.
Von
Maik Wilke
Reutlingen
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Gute Stimmung bei der Traubenlese: Oberbürgermeister Thomas Keck prüft den Oechsle-Grad der Träubchen, unter Beobachtung von Fabian Schäufele vom Amt für Liegenschaften (rechts) und Gemeinderätin Katharina Ernst (Grüne).

Maik Wilke
  • Reutlinger Weinlese 2025 verspricht hohe Qualität und Ertragssteigerung dank gesunder Reben.
  • 2024er Portugieser überzeugt mit fruchtigem Geschmack und geringer Säure, Rosé folgt 2026.
  • Pläne für Chardonnay- und Burgunderanbau müssen aus finanziellen Gründen warten.
  • Alte Rebstöcke tragen noch gut, tiefere Wurzeln machen zusätzliche Bewässerung unnötig.
  • Reutlinger Wein (7–10 Euro) bei Tourist-Info, Rathaus und Heimatmuseum erhältlich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Thomas Keck nippt an seinem Glas Rotwein, trinkt einen Schluck – und lächelt zufrieden. „Der ist richtig gut. Anfangs denkt man, er geht in Richtung Merlot, das verfliegt dann aber.“ Der städtische Portugieser wurde gerade frisch abgefüllt und mundet dem Oberbürgermeister sichtlich. Dass der Reutlinger Wein manchmal etwas unter dem Radar läuft, scheint unberechtigt. Denn der 2024er-Jahrgang hat einen fruchtigen Geschmack und dank wenig Säure ein angenehmes Mundgefühl – und der 2025er-Jahrgang könnte nochmal besser werden.

Bei der traditionellen Weinlese, bei der Mitarbeiter der Verwaltung gemeinsam mit Gemeinderäten im städtischen Weinberg Sommerhalde die Rebstöcke abernten, ist die Stimmung am Dienstagmorgen ausgelassen. Die Lese macht Spaß, vor allem weil es wirklich was zu ernten gibt. Die Früchte sind reich an knackigen und schmackhaften Beeren. Zudem gibt es wenig Befall. „Beim Ertrag werden wir eine deutliche Steigerung haben“, sagt Keck.

Chardonnay und Burgunder müssen warten

Während ein später Nachtfrost im April letzten Jahres den Wuchs erheblich reduziert hatte, gehen Keck, Wirtschaftsbürgermeister Roland Wintzen und Fabian Schäufele vom Amt für Liegenschaften für 2025 von der doppelten Menge an Früchten aus. Dass die roten Trauben mit 75 Grad Oechsle einen höheren Wert aufweisen als die letztjährigen (67 Grad Oechsle), kann ebenfalls nicht schaden.

Der Verwaltung ist bewusst, dass die 1957 gesetzten Rebstöcke der Stadt dem Ende ihres Lebens entgegengehen. Die Schäden durch Hagel ist ihnen seit Jahren anzusehen. „Das ist wie beim Auto. Die Einschläge hinterlassen eben Spuren“, sagt Schäufele. Der Fellbacher Winzer Gert Aldinger hatte bei einem Besuch 2023 bereits einen Neustart empfohlen. Statt auf den 58 Ar auf 60 Prozent Müller-Thurgau und 40 Prozent Portugieser zu setzen, könnte in Zukunft Burgunder und Chardonnay in den kalkhaltigen Reutlinger Böden angebaut werden.

Die Stadt ist dieser Idee gegenüber offen, aber die Pläne müssen unfreiwillig noch etwas reifen. „Wenn man diesen Neustart macht, dann muss es der große Wurf sein. Und das kostet Geld“, erklärt Keck. Geld, das die Stadt aktuell für Pflichtaufgaben ausgeben muss. Den Luxus eines generalüberholten Weinbergs kann man sich nicht leisten.

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    Trotz Regen hatten die Gemeinderäte sichtlich Freude bei der Lese. Denn klar: Die Traubenernte macht mehr Spaß, wenn die Früchte ordentlich Beeren tragen.

    Maik Wilke
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    Die roten Trauben haben einen intensiven, süßen Geschmack.

    Maik Wilke
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2026 wird es wieder einen Rosé geben

Der Vorteil ist: Die alten Reben haben tiefe Wurzeln und müssen nicht, wie es bei neuen Stöcken der Fall wäre, zusätzlich bewässert werden. „Noch tragen sie ja auch reichlich Früchte“, sagt Schäufele. In diesem Jahr so viele, dass es neben dem Rotwein auch einen Rosé des Jahrgangs 2025 geben wird – und das sorgt bei Oberbürgermeister Keck, der aus einer Winzerfamilie kommt, für Vorfreude. „Unser städtischer Rosé ist der perfekte Terrassenwein.“ Diesen Rosé können Reutlinger und Gäste dann im Spätsommer 2026 kaufen (siehe Infokasten).

Gekeltert wird wie üblich in der Kelterei der Stadt Stuttgart, beziehungsweise der Sekt in Heilbronn. Einen alkoholfreien Wein, der immer häufiger verkauft wird und auch beim Reutlinger Weindorf gerade öfter konsumiert wird, wird die Stadt nicht anbieten. „Bei den geringen Mengen, die wir produzieren, lohnt sich das nicht“, sagt Keck. Die Reutlinger Weine seien vielmehr als Reminiszenz an die große Weinbau-Vergangenheit der Stadt zu verstehen. Immerhin haben die Wengeter laut Keck über 400 Jahre den Bürgermeister gestellt und seien die mit Abstand stärkste der zwölf Zünfte gewesen.

Umso schöner, dass der 2024er Portugieser nicht nur an die Historie erinnert, sondern wie der mögliche Top-Jahrgang 2025 so manche schöne Abende in Zukunft begleiten wird.

Reutlinger Wein ist an drei Verkaufsstellen erhältlich

Hauptabnehmer der etwa 1000 Flaschen Wein aus städtischem Anbau ist die Stadt Reutlingen selbst. Müller-Thurgau und Portugieser werden bei städtischen Veranstaltungen ausgeschenkt und zudem an Jubilare verschenkt.

Doch auch für Bürger und Gäste gibt es Reutlinger Wein zu kaufen, und zwar bei der Tourist-Info des Stadtmarketings am Marktplatz, an der Pforte des Rathauses und im Heimatmuseum. Die Flaschen kosten zwischen 7 und 9 Euro, der Sekt etwa 10 Euro. Während der Portugieser 2024er gerade auf den Markt kam, wird der Müller-Thurgau in den nächsten Wochen nachziehen.

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