Streik der Busfahrer in Reutlingen: Die Arbeitgeber „haben nur an ihren Handys gespielt“

Die Busfahrer der RSV und mehrerer anderer Unternehmen sind am Donnerstag, 9. Januar, dem Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt und demonstrierten auf dem ZOB in Reutlingen.
Maik Wilke- Busfahrerstreik in Reutlingen am 9. Januar, organisiert von Verdi, fordert 9% mehr Lohn und 100 Euro für Azubis.
- Streik soll ÖPNV finanzieren und attraktiver machen; aktuelles Gehalt: 3300 Euro brutto.
- RSV beteiligt trotz Kommunalisierung; streikt wegen niedrigerem WBO-Tarifvertrag.
- Arbeitgeber bieten nur 2% Gehaltserhöhung an; nächste Verhandlungsrunde am 15. Januar.
- Weitere Streiks möglich, auch Schülerverkehr könnte betroffen sein.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Anne Zerr spricht in Richtung der vielen Busfahrer auf dem Reutlinger ZOB. Sie fragt: „Was wollen wir?“ Die schnelle und lautstarke Antwort: „9 Prozent!“ Die Forderungen sind also klar formuliert. 9 Prozent mehr Lohn für Busfahrerinnen und Busfahrer sowie 100 Euro mehr pro Monat für Auszubildende. Das fordert die Gewerkschaft Verdi – und das nicht nur im Wohle derer, die hinter dem Steuer sitzen, wie Zerr betont: „Wir streiken heute nicht nur für die Busfahrer, sondern auch für die Fahrgäste. Das muss jedem bewusst sein. Wir streiken für einen ÖPNV, der ausreichend finanziert wird.“
Zerr ist Gewerkschaftssekretärin bei Verdi Fils-Neckar-Alb und Bundestagskandidatin für Die Linke für den Wahlkreis Reutlingen. Gemeinsam mit Verdi-Bezirksgeschäftsführer Benjamin Stein und Mustafa Baykan, Betriebsrat bei der Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft (RSV), erläuterte sie, warum der Warnstreik so wichtig ist. Im Schnitt erhalten Busfahrer ein Bruttogehalt von 3300 Euro. Zu wenig, um den Job für neue Generationen attraktiv zu gestalten. „Die Arbeit muss gut bezahlt werden, um den ÖPNV zu erhalten. Geschweige denn davon, ihn auszubauen“, sagt Benjamin Stein im Gespräch mit unserer Zeitung am Donnerstagmittag am Reutlinger ZOB. „Wir haben nach wie vor einen eklatanten Mangel an Fahrern.“
Auch die RSV streikt – trotz Kommunalisierung
Um Druck auf die Arbeitgeber aufzubauen, hatte Verdi im privaten Omnibusgewerbe zu den Warnstreiks aufgerufen. Auch die RSV hat sich am Donnerstag daran beteiligt. Moment, wieso denn die RSV? Schließlich wurde diese bereits Ende 2021 von der Stadt kommunalisiert. „Das ist richtig, aber nach wie vor werden die angestellten Busfahrer nicht nach dem Tarifvertrag Nahverkehr öffentlicher Dienst bezahlt, sondern nach WBO-Tarifvertrag“, erklärt Stein. Also dem günstigeren Vertrag der privaten Omnibusunternehmen.
Von einer Einigung mit dem Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen ist die Gewerkschaft noch weit entfernt. Statt neun Prozent bieten die Arbeitgeber aktuell zwei Prozent Gehaltserhöhung an. Die erste Verhandlungsrunde im Dezember? Für Mustafa Baykan, der in der Tarifkommission sitzt, war dort kein Interesse seitens der Arbeitgeber erkennbar: „Die haben mehr mit ihren Handys gespielt“, sagt er.
Am 15. Januar, also nächste Woche Mittwoch, steht die nächste Verhandlungsrunde an. Bis dahin streiken die Busfahrer in Reutlingen nicht mehr. Aber wie in jeder Tarifverhandlung gilt: Sollte es keine Einigung geben, drohen weitere Streiks. Und dann könnte auch der Schülerverkehr frühmorgens betroffen sein, wie Verdi ankündigt.

