Neue Ausstellung in Pfullingen
: Gestellte Bilder sind halt doch die besten

Inspiriert von Bildern einer Ausstellung schafft Tini Kindt Fotokunst – „Fortgeschrieben“: Vernissage mit poetischen Häppchen und Tanz im Bürgertreff Pfullingen.
Von
Jürgen Herdin
Pfullingen
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Sie bestritten den Vernissage-Abend im Bürgertreff – mit Tanz Ama (links), mit der Erläuterung ihrer Fotokunst Tini Kindt.

Sie bestritten den Vernissage-Abend im Bürgertreff – mit Tanz Ama (links), mit der Erläuterung ihrer Fotokunst Tini Kindt.

Jürgen Herdin
  • Fotoausstellung „Fortgeschrieben“ von Tini Kindt im Bürgertreff Pfullingen bis Ende Dezember.
  • Inspiration: Gemälde in der Klosterkirche – Bildideen wurden fotografisch weiterentwickelt.
  • Vernissage mit Tanz und „poetischen Häppchen“, Andrang war unerwartet groß.
  • Kindt arbeitet mit Langzeit- und Überbelichtungen, teils Smartphone, teils schweres Gerät.
  • Gespräche mit der Künstlerin: Sonntag, 18. Oktober, ab 9 Uhr und Samstag, 21. November, ab 16 Uhr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Und auf einmal stolpert, ja fällt sogar, eine Frau die Treppe aus dem 13. Jahrhundert hinauf – hinein in den Anna-Saal. Wer bei den Ausstellungen in der Klosterkirche nur lange genug Aufsicht schiebt, gerät bisweilen in einen kontemplativen Zustand – und erfährt recht produktive Schübe. Die Bilder und Skulpturen werden scheinbar lebendig, erzählen Geschichten, kurz: regen die Fantasie an. So erging es auch Tini Kindt, die das dort imaginär Erlebte auf leidenschaftliche Weise, aber gleichermaßen mit leichter Hand in Fotokunst umsetzte.

„Einige der dort ausgestellten Gemälde haben mich inspiriert, das Gefühl oder die Geschichte, die sie mir erzählen, in den Raum hinein weiterzuentwickeln und fotografisch festzuhalten.“ Daraus wurde eine „Bildfortschreibung“, wie die Fotokünstlerin das Geschaffene nennt. Die Gemälde sprangen sie an in der Jahres-Ausstellung der „Kreativen“, wo Pfullinger Kunstschaffende nicht juriert ihre Werke präsentieren dürfen. Seit drei Jahren nimmt auch Tini Kindt teil. Zu sehen ist ihre Foto-Schau bis Ende des Jahres im Pfullinger Bürgertreff in der Großen Heerstraße.

Großer Andrang bei der Vernissage

Dort war zur Vernissage – mit Tanz und poetischen Häppchen – der kleine Saal viel zu klein, denn der Andrang war unerwartet groß, und das mitten in der Ferienzeit. Die Künstlerin dankte der Kulturbeauftragten des Bürgertreffs, Jutta Kraak, für die Räumlichkeit. Werner Fessler sorgte für einen kurzen Werbeblock in Sachen Bürgertreff, einer Einrichtung, auf die in der Tat in Pfullingen niemand mehr verzichten will. Ob Altenarbeit, Kontakte zur Jugend, Bücher-Shop oder Bürgerbus: „Wir kümmern uns personell auch sonst um alles, wenn‘s mal brennt“, bekräftigte Fessler.

Schließlich passte vom Platz her doch alles prima. Sogar die Betzinger Tänzerin Ama, die in Tübingen Philosophie studiert, hatte noch etwas Freiraum für ihre heftig beklatschte Performance. Ziemlich elegisch und getragen kommt Piano-Version vom Band, das lässt sich gut und ausdrucksstark in Bewegung umsetzen. Tanztheater ist auch ein Hobby von Tini Kindt, was sie ebenfalls in ihrem fotografischen Schaffen beflügelt. In Klarsichtfolie hat Tini ihre Freundin Ama gehüllt, auch das Bild ist im Bürgertreff zu sehen.

Fotografien sind „gestaltet, aber spontan“

Gefühl, Formen, Farben, Körper und Raum: Kindt mag Langzeitbelichtungen und bewusst überbelichtetes Material, arbeitet mit dem Smartphone ebenso wie mit schwerem Gerät. Gestellte Bilder sind die besten Bilder, daraus machten auch ganz große Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, Robert Capa oder Robert Doisneau nie ein Geheimnis. So sind auch die meisten Fotos von Tini Kindt gestellt, „besser: gestaltet worden“, wie sie sagt. Aber spontan kamen sie dennoch zustande, „mit den Menschen und den Accessoires, die eben in dieser Situation gerade da waren“.

Als Beispiel nennt sie Waltraud Langer aus St. Johann, deren Bildergeschichten die gebürtige Zwickauerin Tini Kindt inspirieren. Langer ist eines ihrer fotografischen Vorbilder. „Ich liebe rätselhafte Bildaussagen und Märchenhaftes. So bewunderte sie die ungewöhnlichen Fotografien einer rot gewandeten Frau, die sich über eine Hecke beugt. Thema „gestellte“ Bilder: Kindt bat also eine Freundin, sich in einer ebensolchen Jacke über einen Tisch zu legen, um so die Bildidee weiterzuspinnen.

Credo: Kunst darf gerne humorvoll sein

„Ich schätze mich glücklich, so spontane Freunde zu haben, die solchen Quatsch mitmachen“, sagt Tini Kindt. Ihr Credo: Humorvoll hat Kunst allemal zu sein. „Ich mag es ungewöhnlich, aber harmonisch. Ich liebe es, wenn Dinge zusammenpassen.“ Das Kunstwerk endet also nicht im Rahmen, sondern setzt sich im Körper und im Raum fort.

Wer die Ausstellung „Fortgeschrieben“ im Pfullinger Bürgertreff sehen möchte, kann dies bis Ende Dezember tun. Der Eintritt ist frei. Gespräche mit der Fotokünstlerin Tini Kindt sind am Sonntag, 18. Oktober, ab 9 Uhr und am Samstag, 21. November, ab 16 Uhr.